Das beherrschende Thema auch an den Weltbörsen waren in den vergangenen Wochen die US-Präsidentschaftswahl und die Konsequenzen ihres Ausgangs. Obwohl mit Donald Trump nicht der Wunschkandidat der Kapitalmärkte zum 45. US-Präsidenten gewählt wurde, überwogen nach einem ersten Schrecken an den Aktienmärkten Kursgewinne. Vor allem die Wallstreet konnte dem zuvor befürchteten Wahlsieg positive Aspekte abgewinnen. Die Anleihemärkte reagierten dagegen mit weiteren Kursverlusten.

Grund für diese Reaktion der Märkte ist die Erwartung, dass Trump als Präsident die US-Staatsausgaben ungeachtet der Rekordverschuldung noch schneller erhöhen wird, was das Wirtschaftswachstum, die Inflationsraten und damit auch die Zinsen erhöhen dürfte. Eine Erhöhung der amerikanischen Leitzinsen durch die US- Notenbank Fed im Dezember gilt als sicher. Es wäre die zweite Zinserhöhung nach der Schuldenkrise. Die erste war im Dezember vor einem Jahr erfolgt. Sollten in den USA tatsächlich das Wirtschaftswachstum und Inflation schneller steigen, dürften 2017 weitere Leitzinserhöhungen folgen.

Steigende Zinsen mögen zwar langfristig für die Kapitalanleger besser sein, bedeuten aber für die jetzigen Inhaber von Anleihen erst einmal Kursverluste. Denn bei höheren Zinsen wären die schlecht verzinsten Anleihen weniger attraktiv. Eine Mehrheit der Fondsmanager und Kapitalmarktexperten erwartet jetzt genau diese Entwicklung, zumindest in den USA. Damit käme es dort zu einer dauerhaften Trendwende am Anleihemarkt. Eine Rückkehr der Inflation würde gerade bei längeren Anleihelaufzeiten höhere
Renditen nach sich ziehen. Dementsprechend würden die Kurse von Anleihen fallen.

An den US-Aktienmärkten ist die Stimmung dagegen gut. Der populäre Aktienindex Dow Jones Industrial Average erreichte erstmals in seiner Geschichte einen Stand über 19.000 Punkte. Und der ebenfalls viel beachtete S&P-500-Index stieg auf nie zuvor erreichte 2.200 Punkte. Auch der weniger bekannte Russel-2000-Index stieg auf ein neues Allzeit-Hoch. Begründet wird der Kursanstieg an der Wallstreet mit der Erwartung vieler Anleger, eine Trump-Regierung werde (Unternehmens-) Steuern senken und die Regulierungen für Banken aufweichen. Zudem dürften die Pharmafirmen wenig Sorge vor staatlichen Eingriffen in die Preisbildung haben, wie Hillary Clinton sie in die Diskussion gebracht hatte. Obwohl
auch von ihr mehr Infrastruktur-Ausgaben zu erwarten gewesen wären, profitierten auch Aktien dieses Sektors vom überraschenden Wahlausgang.

Zu den größeren Gewinnern gehörten aber Finanzwerte. Von Trump dürfte das “Big Business” weniger Regulierung erwarten. Hinzu kommt die Beobachtung, dass Trump in seinen ersten Reden nach seinem Wahlsieg schon versöhnliche und “realpolitische” Töne anschlug. Für die kommenden Monate wird allerdings entscheidend sein, ob die jetzt erwarteten positiven Trump-Effekte bestätigt werden oder sich Trump doch als “destruktiv” erweisen wird.

Deutliche Reaktionen auf den Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen gab es auch an den Devisen und Edelmetallmärkten. Zu den Verlierern gehört der mexikanische Peso. Die Währung des südlichen USA-Nachbarn stürzte in einer ersten Reaktion um zwölf Prozent gegenüber dem US-Dollar ab und beendete den ersten Handelstag nach der Wahl mit einer Einbuße von neun Prozent bei 19,93 Peso pro Dollar. Der Peso befindet sich schon seit anderthalb Jahren im Abwärtstrend. Im Oktober hatte die mexikanische Währung einen Versuch unternommen, ihren Abwärtstrend zu brechen. Stattdessen bestätigten die neuen Tiefs jetzt den Peso-Abwärtstrend. Fundamental erscheinen die Kursverluste gegenüber den “Hartwährungen” der “developed markets” – wie beim mexikanischen Peso – übertrieben.

Für Turbulenzen sorgte die Wahl Trumps zum amerikanischen Präsidenten auch an den Edelmetallmärkten: Am Tag der Bekanntgabe des Wahlergebnisses hatten schon um acht Uhr morgens New Yorker Zeit 570.000 Terminkontrakte den Inhaber gewechselt – das Dreifache eines üblichen Tages-Handelsvolumens und bei stark steigenden Kursen: Der Preis einer Unze Gold schoss von 1.270 auf 1.337 Dollar. Mit der zunehmenden Beruhigung der Märkte fiel der Goldpreis dann aber noch am gleichen Tag auf das Ausgangsniveau zurück und in den Tagen danach auf neues Acht-Monats-Tief unter 1.200 Dollar. Die Erwartung einer zurückkehrenden Inflation müsste die Edelmetallpreise zwar stützen. Gegenwärtig überwiegt aber offenbar die Ansicht, höhere Zinsen belasten die Preisentwicklung der zinslosen Edelmetalle.

Gibt es risikolose (Wachstums-) Aktien?

Der Wunsch der Anleger ist verständlich: Aktien ohne das Risiko größerer Kursverluste. Dazu müssten die Geschäfte des jeweiligen Unternehmens selbst keinerlei Rückschlagrisiken bergen, Umsatzerlöse und Gewinne müssten sich stetig aufwärts entwickeln. Manchmal könnte man glauben, eine solche Aktie entdeckt zu haben. Doch sicher kann man sich nie sein.

Ein Beispiel dafür, welche Risiken in den vermeintlich “risikolosen” Wachstums- und Qualitäts-Aktien stecken können, lieferte in den vergangenen Wochen der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk. Das dänische Pharmaunternehmen gehört mit einem breiten Diabetes-Produktportfolio zu den führenden Herstellern von Insulin auf dem Weltmarkt. Die Aktie gehörte bis zum Sommer dieses Jahres bei sehr vielen Fondsmanagern zu den “Lieblings-Aktien”, wurde häufig als Beispiel für ein ausgezeichnetes Rendite / Risiko – Verhältnis genannt und dementsprechend oft von Fonds gekauft. Die gute Positionierung auf diesem weltweiten Wachstumsmarkt “Diabetes” wurde in den Jahren bis 2015 eingepreist. Allein in dem Zeitraum seit Anfang 2010 hatte sich der Kurs vervierfacht – von rund 100 auf gut 400 Dänische Kronen.

Im August und Ende Oktober dieses Jahres revidierte das Unternehmen dann aber seine Wachstumserwartungen in zwei Schritten nach unten. Beides führte zu prozentual zweistelligen Kursabschlägen. Insgesamt hat sich der Novo Nordisk-Aktienkurs seit Jahresbeginn fast halbiert.

Bei sogenannten “Growth”- (“Wachstums-“) Aktien sind langfristige Wachstumserwartungen an Umsatz und Gewinnentwicklung schon im Aktienkurs enthalten. Die Mehrheit der Anleger erwartet weiteres Wachstum und ist deshalb bereit, einen entsprechend hohen Preis für solche Aktien zu bezahlen. Schon eine Verringerung der Zuwachsraten reicht dann aus, deutlich fallende Kurse auszulösen, sogar wenn die Umsatzerlöse und Gewinne des Unternehmens weiter steigen. Auf einzelne Aktien zu setzen, erscheinen sie noch so herausragend, bleibt deshalb riskant. Aktienfonds bieten immer eine Risikostreuung über eine zwei- bis dreistellige Zahl an Aktien.

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