Jubiläum im Monat Juli: 30 Jahre DAX

Vor 30 Jahren erhielten Bulle und Bär, die traditionellen Symboltiere für steigende und fallende Börsenkurse, tierischen Zuwachs: In Deutschland ging der DAX an den Start. Die etwas eigenwillige Abkürzung für “Deutschen Aktienindex” hat offensichtlich man gewählt, weil “DAI” so japanisch klingt. Zudem waren schon andere auf die Idee gekommen, das Wort “Index” im Kürzel nicht durch den ersten, sondern den letzten Buchstaben vertreten zu lassen.

Entstehung:

Entwickelt wurde der DAX in Zusammenarbeit zwischen der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Wertpapierbörsen, der Frankfurter Wertpapierbörse und der Börsen-Zeitung. Er wurde am 1. Juli 1988 eingeführt und setzte den Index der Börsen-Zeitung fort, dessen Geschichte bis ins Jahr 1959 zurückgeht. Weitere Details: Seine Entwickler haben ihn rückwirkend für ein halbes Jahr zum Jahreswechsel 1987/88 aufgesetzt und auf runde 1.000 Indexpunkte normiert. Zunächst war der DAX nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu bereits etablierten deutschen Aktienindizes gedacht, beispielsweise dem zunächst weitaus bekannteren FAZ-Index der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. “DAX” ist ein Produkt und eingetragene Wort- und Bildmarke der Deutschen Börse AG, also des Börsenbetreibers, dessen Aktien selbst im DAX enthalten sind. Nach dem DAX sind weitere Aktienindizes entstanden, insbesondere für sogenannte Nebenwerte, also Aktien, die nicht im DAX enthalten sind. Auch wenn es viele hundert börsengehandelte deutsche Aktien gibt, erfasst der DAX mit den 30 größten rund 80 Prozent der Marktkapitalisierung aller börsennotierter Aktiengesellschaften in Deutschland. Der gemeinsame Börsenwert der 30 DAX-Unternehmen beträgt über eine Billion Euro.

Berechnung:

Die im DAX enthaltenen Aktiengesellschaften sind im Prime Standard an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet. Der Index basiert auf Handelsdaten im elektronischen Handelssystem Xetra und wird börsentäglich ab 9:06 Uhr berechnet. Wenn zu diesem Zeitpunkt für einzelne Aktien noch keine Kurse vorliegen, werden die jeweiligen Schlusskurse des vorangegangenen Handelstags herangezogen. Die Berechnung endet mit den Kursen der Xetra-Schlussauktion, die um 17:30 Uhr beginnt und 5 bis 15 Minuten dauern kann. Bis zum 31. Dezember 2005 wurde der DAX im 15-Sekunden-Takt berechnet, seit dem 1. Januar 2006 jede Sekunde.

Der DAX wird sowohl als Performance- als auch als Kursindex veröffentlicht. Beim Performanceindex werden die Dividenden der im DAX enthaltenen Unternehmen rechnerisch reinvestiert; beim Kursindex bleiben die Dividenden unberücksichtigt. Umgangssprachlich wird unter der Bezeichnung DAX der Performanceindex verstanden. Bei anderen Indizes (z. B. beim Euro-Stoxx-50) ist es oft umgekehrt.

Um Klumpenrisiken, also zu große Abhängigkeit von einzelnen Aktien, zu vermeiden, wurde das prozentuale Gewicht eines Unternehmens im DAX seit dem 21. Juli 1999 zunächst auf 15 Prozent gedeckelt, seit dem 1. Juli 2006 sogar auf nur noch 10 Prozent.

Zusammensetzung:

Die Beschränkung auf maximal 10 Prozent Gewicht im DAX betrifft gegenwärtig den Softwarekonzern SAP. Mit einem Börsenwert von über 120 Milliarden Euro hätte das wertvollste deutsche Unternehmen höheres Gewicht. Es folgt Siemens mit rund 100 Milliarden Börsenwert und knapp 10 Prozent DAX-Anteil vor Bayer mit knapp 90 Milliarden Marktkapitalisierung und ca. 8,5 Prozent DAX-Gewicht. Am unteren Ende der DAX-Werte stehen die Commerzbank, Beiersdorf und Lufthansa mit jeweils kaum einem Prozent Gewicht. Ohne Unterbrechung sind von 1987 bis heute 12 Aktien im DAX enthalten, nämlich Allianz, BASF, Bayer, BMW, Commerzbank, Deutsche Bank, Lufthansa, Henkel, Linde, RWE, Siemens und Volkswagen.

Als erste Unternehmen verschwanden das Papierunternehmen Feldmühle Nobel und der Computerhersteller Nixdorf am 3. September 1990 aus dem Dax. Feldmühle Nobel wurde vom finnisch-schwedischen Papier- und Verpackungsunternehmen Stora Enso übernommen und Nixdorf von Siemens. Das heutige Schwergewicht SAP kam am 18. September 1995 in den DAX und verdrängte das Maschinenbau-Unternehmen Deutsche Babcock. Am Tag ihres Börsengangs, dem 18. November 1996, beförderte die T-Aktie der Deutschen Telekom das Industrieunternehmen Metallgesellschaft aus dem DAX. Turbulent und skurril wurde es im Oktober 2008. Porsche versuchte, den viel größeren Volkswagen-Konzern zu übernehmen. Hedgefonds, die die VW-Aktie leerverkauft hatten, mussten nun ihre Positionen zu jedem Preis eindecken. Dadurch stieg der VW-Kurs kurzzeitig über 1.000 Euro, was VW rechnerisch zum wertvollsten Unternehmen der Welt machte und das DAX-Gewicht auf 27 Prozent anwachsen ließ. Später übernahm VW Porsche. Insgesamt waren bislang 59 Unternehmen irgendwann einmal im Dax enthalten.

Die DAX-Familie:

Im Frühjahr 1994 wurde der sogenannte DAX 100 eingeführt. Dieser Index sollte die Wertentwicklung der 100 liquidesten Werte des Aktienmarkts dokumentieren. Mit Einführung des MDAX 1996 umfasste der DAX 100 die 30 Werte des DAX und die 70 des MDAX. Durch die Verkleinerung des MDAX auf 50 Werte trat an die Stelle des DAX 100 der HDAX. Der SDAX umfasst die 50 nächstkleineren Werte hinter dem MDAX. Der CDAX umfasst alle in Frankfurt gehandelten Aktien. Für das Marktsegment “Neuer Markt” wurden eigene “NEMAX”-Indizes geschaffen. An ihre Stelle trat nach dem Scheitern des “Neuen Marktes” der TecDAX, der 30 der größten Technologiewerte beinhaltet. Daneben gibt es auch nach Branchen zusammengestellte DAX-Indizes wie seit 2007 den ÖkoDAX für Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien. Zudem existieren sogenannte Strategie-Indizes, die im einfachsten Fall ihre Aktienauswahl nach anderen Kriterien wählen wie der DivDAX für dividendenstarke Unternehmen.

Zwei exotische Vertreter der DAX-Familie sind der “ShortDAX” und der “VDAX”. Der ShortDAX bewegt sich umgekehrt proportional zur täglichen Entwicklung des DAX. Damit ist es möglich, an negativen Kursentwicklungen zu partizipieren. Der VDAX und inzwischen der nach neuer Methode ermittelte “VDAX-New” errechnen sich dagegen nicht aus Aktienkursen, sondern aus Optionsprämien. Die sogenannte “implizite Volatilität” ist die erwartete Schwankungsbreite des DAX für den Zeitraum der nächsten 45 bzw. 30 Tage. Gewinn und Verlust-Statistik: Vom 1. Januar 1988 bei 1.000 Punkten stieg der DAX bis Mitte 2018 auf 12.306 Punkte. Wer durchgängig investiert blieb, hat somit durchschnittlich 8,2 Prozent Rendite jährlich erzielt. Wenn man die Dividenden, die rechnerisch beim populären Performance- Index immer wieder als reinvestiert gelten, herausrechnet, ergibt sich nur ein Anstieg auf 5.668,6 Punkte. Langfristig machen die Dividenden also mehr als die Hälfte der Gesamtrendite aus.

In der historischen Rückrechnung des Dax bis zum Jahr 1955 gab es in 44 von 63 Jahren einen Gewinn. Von 360 Monaten in 30 Jahren Dax ging es 215-mal aufwärts und 145-mal abwärts. Den höchsten Monatsverlust erlitt der Dax im September 2002 auf dem Höhepunkt der Banken- und Finanzkrise mit minus 25,4 Prozent. Bei Eskalation der Eurokrise gab es den zweitschlechtesten Monat: Im August 2011 verlor der Dax 19,2 Prozent. Ähnlich hoch war der Verlust schon im August 1998 anlässlich der Russlandkrise und des kollabierenden Hedgefonds Long Term Capital Management gewesen: 18,1 Prozent.

Den besten Monat verzeichnete der Dax im April 2003, als die Kurserholung nach einer dreijährigen Baisse begann: Plus 21,4 Prozent. Um 18,0 Prozent war es im Dezember 1999 hinaufgegangen, als die New-Economy-Spekulation sich ihrem Höhepunkt näherte. In 30 Jahren gab es für den Dax 7.588 Schlusskurse. An 3.532 Tagen schloss er tiefer als am Vortag. An 4.047 Tagen gewann er. An neun Tagen schloss er exakt unverändert. Den stärksten Tagesgewinn erreichte der Dax immer als Gegenbewegung auf hohe Kursverluste: Am 13. Oktober 2008, also mitten in der Finanzkrise, plus 11,4 Prozent. Ein paar Tage später gab es den zweithöchsten Tagesgewinn: Am 28. Oktober 2008 legte er um 11,3 Prozent und am 24. November 2008 um 10,3 Prozent zu.

Den höchsten Gewinn außerhalb der Finanzkrise schaffte der Dax am 29. Juli 2002 mit 7,8 Prozent – auch hier wieder inmitten eines Crashs. Den höchsten Verlust musste der Dax am 26. Oktober 1989 einstecken. Er verlor 12,8 Prozent. Dem Crash war ein enormes Übernahmefieber vorausgegangen, das sich umgehend abkühlte, als die Übernahme der Fluglinie United Airlines platzte. Am 11. September 2001 – dem Tag, an dem in einem Terrorakt zwei Flugzeuge in die New Yorker Zwillingstürme einschlugen – ging es für den Dax um 8,5 Prozent bergab. Und den dritthöchsten Verlust gab es am 28. Oktober 1997 mit minus 8,0 Prozent im Rahmen der sogenannten Asienkrise.

Den prozentual höchsten kumulierten Rückgang erlitt der Dax zwischen dem 7. März 2000 von 8.065 Punkten bis zum 12. März 2003 auf 2.203 Punkte, kurz bevor die USA den Irak angriffen. Das sind 72,7 Prozent Verlust in drei Jahren.

 

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