Setzt sich die Goldpreis-Rally fort?

Goldene Tipps für den Edelmetallkauf

Während sich Sparer und Anleger, die ihre Rücklagen auf Tagesgeld- oder Festgeldkonten geparkt haben, zunehmend fragen, ob ihnen die Bank bald auch für kleinere und mittlere Beträge Strafzinsen berechnet, dürfen sich Freunde des Goldes zufrieden die Hände reiben: Von Anfang des Jahres bis Mitte August 2019 stieg der Goldpreis auf US-Dollar-Basis um über 17 Prozent. Da mag mancher vielleicht vergnügt das Volkslied “Gold und Silber lieb’ ich sehr” anstimmen, zumal auch Silber an Wert zulegte.

Ich will mich in diesem Beitrag aber auf das gelbe Edelmetall konzentrieren. Viele Mandanten fragen mich, ob der Goldpreis weiter steigen werde und ob es jetzt noch Sinn mache, Barren oder Münzen zu kaufen.

Ein offenes Wort vorweg:

Auch der erfahrenste Edelmetall-Experte kann Ihnen nicht verlässlich sagen, wo der Goldpreis in 12 oder 24 Monaten stehen könnte. Die Prognosen sind aber überwiegend positiv. Auch ich gehe mittelfristig von weiter steigenden Goldpreisen aus, ungeachtet vorübergehender Schwankungen, wie wir sie vom Aktienmarkt kennen.

Doch schauen wir uns an, von welchen Faktoren die Entwicklung des Goldpreises abhängt:

  1. Das gelbe Edelmetall wird international in US-Dollar gehandelt. Also spielt der Greenback eine wichtige Rolle. Von einem schwachen Dollarkurs profitiert der Goldpreis in der Regel, ein eher starker Dollar wirkt sich tendenziell negativ auf das Edelmetall aus.
  2. Wer in physisches Gold (Barren und Münzen) investiert, bekommt keine regelmäßigen Einnahmen, also weder Zinsen noch Dividenden. Bei Null- oder gar Negativzinsen jedoch neutralisiert sich dieser Nachteil des Goldes zunehmend.
  3. Was machen die Notenbanken? Stehen sie auf der Käufer- oder Verkäuferseite? In den vergangenen Monaten haben die Notenbanken Russlands und Chinas dem Vernehmen nach ihre Goldbestände deutlich aufgestockt. So etwas pusht natürlich den Preis.
  4. Wie stark ist die Nachfrage nach Schmuck, vor allem in China und Indien während der Hochzeitssaison im Herbst? Immerhin: Etwa die Hälfte der globalen Goldnachfrage geht von der Schmuckindustrie aus.
  5. Wie verhalten sich die in „Papiergold“ (Minenaktien, Exchange traded Commodities oder Zertifikate) investierten Anleger sowie die Spekulanten auf dem Terminmarkt? Mit sogenannten Leerverkäufen (Verkauf von Gold, das man noch gar nicht besitzt, mit dem Ziel, den Preis zu drücken) wurde der Goldpreis in den vergangenen Jahren mehr als einmal in die gewünschte Richtung manipuliert.

Gerade der letzte Punkt ist kritisch zu sehen. Denn es sind weniger Anleger wie Sie, die ein paar Barren oder Münzen kaufen, die den Goldpreis entscheidend beeinflussen, sondern institutionelle Anleger, die ein großes Rad drehen.

Dennoch gehört Gold aus meiner Sicht in jedes Portfolio. Warum? Weil

  • Gold ein inflationsgeschützter Sachwert ist (bedenken Sie: Selbst bei nur 2 Prozent Inflation verliert Ihr Geld auf einem unverzinsten Konto schon nach 35 Jahren die Hälfte der Kaufkraft
  • Gold unabhängig von deutlichen Preisschwankungen über Jahrhunderte wertstabil blieb
  • Gold sich als „sicherer Haften“ bei wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen erwiesen hat
  • Gold nicht beliebig vermehrbar ist wie Papiergeld
  • Gold eine steuerlich günstige Anlageform ist (Sie zahlen beim Kauf keine Mehrwertsteuer und können nach Ablauf einer 12monatigen Haltefrist realisierte Verkaufsgewinne steuerfrei vereinnahmen
  • Gold einen Einstieg auch mit kleineren Summen ermöglicht (z. B. 1/4 oder ½ Unze).

Also alles eitel Sonnenschein? Natürlich nicht, Sie sollten auch die Nachteile kennen:

  • Aufbewahrungsrisiko
  • keine laufenden Einnahmen
  • wie erwähnt: Gefahr von Preismanipulationen
  • mitunter deutliche Preisschwankungen
  • vor allem bei Goldbarren hohe Fälschungsrisiken (daher nur bei Banken oder Fachhändlern kaufen, die schon sehr lange am Markt sind)

Sollten Sie nun aber in physisches Gold (Barren und Münzen) oder in „Papiergold“ (Aktien, Zertifikate, ETCs wie etwa XETRA-Gold oder gar in Optionsscheine) investieren?

Hier meine Faustformel:

  • Wenn Sie langfristig disponieren und in Gold in erster Linie ein Anlagemedium sehen für den Fall von Finanzkrisen, geopolitischen Eskalationen oder gar Kriegen, dann empfehle ich Ihnen physisches Gold.
  • Wenn Sie ein etwas spekulativ veranlagter Anleger sind, der auf Gewinne in absehbarer Zeit hofft, dann kommt eher „Papiergold“ in Frage,

Zum Schluss drei goldene Praxistipps:

  1. Derzeit können Sie physisches Gold noch anonym bis zu einem Schwellenbetrag von 9999,99 Euro kaufen. Damit dürfte es ab dem nächsten Jahr vorbei sein. Die Bargeld-Obergrenze wird dann wohl bei 1999,99 Euro liegen (dafür bekommen Sie nicht einmal 2 Krügerrandmünzen von je 1 Unze).
  2. Achten Sie auf eine intelligente Stückelung. Heißt im Klatext: Nicht nur große Barren. Bei überschaubarem Liquiditätsbedarf macht es wenig Sinn, sich zum Beispiel von einem 250-Gramm-Barren zu trennen. Für solche Fälle sollten Sie ein paar Goldmünzen (1/2 Unze und 1 Unze) im Depot haben.
  3. Gold ist Gold. Das ist richtig. Aber bei bestimmten Barren und Münzen können Sie beim Verkauf oft noch einen Sammleraufschlag realisieren. Gefragt sind zum Beispiel gegossene Barren, wie sie früher üblich waren, sowie Krügerrand, die nur in geringer Auflage erschienen sind (vor allem die Prägejahre 1967 bis 1969).

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