Wer ein Haus bauen will, fängt mit dem Fundament an und nicht mit dem Dach. Eine Binsenweisheit, meinen Sie? Offensichtlich nicht, wenn es um den Vermögensaufbau geht. Tatsächlich erlebe ich immer wieder in meiner Beratungspraxis, dass manche Menschen den zweiten oder dritten Schritt vor dem ersten machen, obwohl es doch um ein wichtiges Thema geht – nämlich ums Geld. Damit Sie solide und realistisch planen können, sollten Sie sich zunächst ein paar einfache Fragen stellen.

  • Wie hoch ist eigentlich Ihr längerfristiges Sparpotenzial?

Hierzu überdenken Sie zunächst Ihre ganz persönliche Situation. Sind Sie verheiratet oder geschieden? Haben Sie Unterhaltsverpflichtungen? Beziehen Sie als Angestellter ein festes Gehalt oder arbeiten Sie als Selbstständiger mit schwankendem Einkommen? Tragen Sie eventuell Verantwortung innerhalb der Familie (Pflegefall o.ä.)?

Wenn Sie sich darüber Klarheit verschafft haben, stellen Sie Ihre Einnahmen zusammen. Diese bestehen aus Ihrem Nettogehalt, gegebenenfalls Renten, Miete- oder Pachteinnahmen sowie Zinserträgen. Dem gegenüber stehen Miete – bzw. Hauskosten, sofern Sie in der eigenen Immobilie wohnen -, alle Nebenkosten des Wohnens (Strom, Heizung, Wasser, Telekommunikation) sowie die Lebenshaltungskosten. Gerade letztgenannter Kostenblock wird häufig unterschätzt.

Mein Tipp: Checken Sie über einen längeren Zeitraum Ihre Kontoauszüge und Kreditkartenabrechnungen, um sich einen Überblick über Ihre Lebenshaltungskosten zu verschaffen.

Denken Sie auch an Ihren Urlaub und an Ihre Hobbys. Beides gehört zur Lebensqualität. Und schließlich addieren Sie Ihre Versicherungsbeiträge hinzu. Prüfen Sie bei dieser Gelegenheit, ob Sie bestimmte Policen überhaupt noch brauchen. Unverzichtbar sind – neben der Auto-Haftpflichtversicherung, die Pflicht ist – eine private Haftpflichtversicherung, eine gute Krankenversicherung (sofern Sie nicht gesetzlich, also bei einer Krankenkasse versichert sind) und eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Als Immobilien-Eigentümer brauchen Sie zudem eine Wohngebäude-Versicherung.

Daraus ergibt sich eine einfache Rechnung: Einnahmen minus Ausgaben = freie Liquidität (Sparpotenzial).

Doch aufgepasst: Bevor es ans Sparen geht, werfen Sie noch mal einen Blick auf Ihr Girokonto.

Steht es im Minus (Stichwort: Dispo-Kredit), dann versuchen Sie, Ihr Konto auszugleichen. Sparen beginnt damit, dass Sie zunächst Schuldzinsen sparen. Sogar Hypothekendarlehen lassen sich bei manchen Banken mithilfe von Sondertilgungen reduzieren, ohne dass Gebühren anfallen. Schauen Sie einfach mal in Ihrem Darlehensvertrag nach.

  • Wie hoch ist eigentlich Ihr Nettovermögen?

Wieviel Bargeld haben Sie auf Ihrem Girokonto oder auf Ihren Sparkonten (Tagesgeld- oder Festgeldkonten)? Besitzen Sie Aktien, Immobilien oder Fondsanteile? Wie hoch ist deren aktueller Wert? Sie haben noch eine Lebensversicherung? Dann fließt auch deren sogenannter Rückkaufswert (ggf. beim Versicherer nachfragen) in die Rechnung mit ein, ebenso der aktuelle Wert eines Bausparvertrags. Selbstverständlich zählen auch Gold- und Silber-Barren oder –Münzen zu Ihren Vermögenswerten. Das größte Vermögen der meisten Menschen ist aber deren Arbeitskraft. Haben Sie mal ausgerechnet, was man selbst als Durchschnittsverdiener in 40 oder 45 Arbeitsjahren vereinnahmt? Da kommen schnell ein paar Millionen zusammen.

Daher meine Empfehlung: Sichern Sie Ihr eigenes Humankapital mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Gerade im jungen oder mittleren Alter, wenn man bis zur Rente noch viele Jahre arbeiten muss, ist eine solche Police wichtig.

Den Vermögenswerten stehen Ihre Verbindlichkeiten gegenüber. Dazu zählen Hypothekendarlehen, Konsumkredite, eventuell auch Bürgschaften oder sonstige Verpflichtungen.

Vermögen minus Verbindlichkeiten = Ihr Nettovermögen.

  • Definieren Sie Ihre Sparziele

Die meisten sparen, um sich ein beruhigendes finanzielles Polster und eine solide Altersversorgung aufzubauen. Andere sparen, um das Geld in die Ausbildung ihrer Kinder zu investieren oder die eigene Immobilie schneller zu entschulden. Manche wählen auch Sparformen, mit deren Hilfe man Steuern sparen kann. Diese Frage können nur Sie ganz individuell beantworten: Was ist Ihr Sparziel? Mit der Antwort auf diese Frage haben Sie einen wichtigen Schritt in Richtung Vermögensaufbau gemacht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte füllen Sie dieses Feld aus
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü