von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Globale Märkte Kapitalmärkte Tech-Aktien
04.05.2024
Auch wenn die Abhängigkeit der Weltwirtschaft vom Öl aus dem Persischen Golf weiter abgenommen hat, reagiert der Ölpreis mit Aufschlägen auf Sorgen, der Seeweg von dort könnte gewaltsam unterbrochen werden. Anfang April erreichte der Ölpreis mit über 90 US-Dollar für ein Barrel Brent und über 85 US-Dollar für die Sorte WTI den höchsten Stand seit einem halben Jahr.
Weil die Folgen der gegenseitigen Angriffe zwischen Iran und Israel dann aber überschaubar blieben, kam der Preis für Rohöl im Verlauf des Monats um rund fünf US-Dollar pro Barrel zurück — auf das Niveau vom März und damit in etwa den Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Nahostkonflikt sorgt für Ausschläge beim Ölpreis
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 26.04.2024
Einen Anlass für Gewinnmitnahmen lieferte auch das Thema Leitzinsen. Mehrere führende US-Notenbanker, darunter Fed-Präsident Jerome Powell, erteilten raschen Leitzinssenkungen eine Absage. Powell sprach von „mangelnden Fortschritten“ im Kampf gegen die weiter zu hohe Inflation. Deshalb könne es angemessen sein, die Leitzinsen für längere Zeit auf dem jetzigen Niveau von 5,25 bis 5,5 Prozent zu halten. Laut Powell müssten die Währungshüter zuversichtlicher sein, dass die Inflation auf die Zielgröße von zwei Prozent sinke, bevor sie die Leitzinsen senken.
Die Inflationsraten für den März waren erneut höher als erwartet ausgefallen. Die US-Verbraucherpreise lagen im März dieses Jahres 3,5 Prozent höher als ein Jahr zuvor, die Kerninflationsrate ohne Energie- und Lebensmittelpreise sogar 3,8 Prozent höher. Zuletzt wurde die Inflation vor allem von den mit höheren Löhnen angetriebenen Dienstleistungspreisen und den Kosten für das Wohnen hochgehalten.
Der US-Arbeitsmarkt präsentierte sich weiterhin sehr robust. Geringe Arbeitslosigkeit und hohe Beschäftigung versorgen die US-Privathaushalte mit Kaufkraft und führen zu höheren Löhnen. Die Kapitalmärkte hatten ihre Hoffnungen auf eine erste Leitzinssenkung schon mehrfach verschoben, zuletzt auf Juni. Nach den Powell-Äußerungen wird nun frühestens für September damit gerechnet. Manche Marktteilnehmer glauben inzwischen, es könne auch gar keine Leitzinssenkung der US-Notenbank in diesem Jahr geben.
Anders sieht es in Europa aus. Diesseits des Atlantiks ist die Konjunktur schwächer, damit aber auch die Inflationsgefahr. Von der Europäischen Zentralbank (EZB) wird deshalb der Beginn ihres ersten Zinssenkungszyklus seit 2011 für den 6. Juni erwartet. Sollte dies so kommen, würde der ohnehin bestehende Zinsvorteil des US-Dollars gegenüber dem Euro noch größer. Diese Erwartung hat bereits dazu geführt, dass die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar leicht aufwertete. Ein übergeordneter Trend beim Euro-US-Dollar-Wechselkurs ist aber nicht zu erkennen. Schon seit Anfang 2023 gibt es zwischen diesen beiden wichtigen Währungen keine so großen Wertverschiebungen wie in den Jahren zuvor.

Kursentwicklung des Euros gegenueber dem US-Dollar
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 26.04.2024
An der Wall Street wandte sich die Aufmerksamkeit der Investoren vor allem den Quartalsberichten der Unternehmen zu, was in Einzelfällen zu stärkeren Kursbewegungen führte. Nervöse Kursausschläge gab es vor allem bei den beliebten Technologieaktien. Sie kamen besonders auf den Prüfstand, weil die erhofften Leitzinssenkungen ausbleiben. Andererseits sorgt der Einzug von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) weiter für Kursfantasie. Auch am japanischen Aktienmarkt gab es nach dem starken ersten Kalenderquartal im April stärkere Gewinnmitnahmen.
Der Nikkei-225-Index, der im März erstmals die Marke von 41.000 Punkten erreicht hatte, fiel bis rund 37.000 Zähler zurück, also um fast 10 Prozent. In Japan stellt der April traditionell den ersten Monat des neuen Geschäfts- und Fiskaljahres dar.
An den Anleihemärkten sorgten die immer weiter verschobenen Zinssenkungen der US-Notenbank für Enttäuschung. Der Abwärtstrend der Anleihekurse aus dem ersten Quartal beschleunigte sich im April. So stieg die Rendite der wegweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihen von knapp 3,9 Prozent beim Jahreswechsel und 4,2 Prozent Ende März auf über 4,7 Prozent im Verlauf des Aprils.
Damit ist fast schon das Niveau erreicht, von dem aus die Rallye steigender Kurs im vergangenen November startete. Dies gilt in ähnlicher Form auch für die europäischen Rentenmärkte.
Allein der Goldpreis konnte weiter zulegen: Erstmals in der langen Geschichte des Edelmetalls wurden für eine Unze 2.400 US-Dollar bezahlt.
Auch der Silberpreis, der bis Februar mit Preisen um 23 US-Dollar pro Unze wenig Aufwärtsmomentum zeigte, konnte stärker steigen, liegt aber anders als das Gold mit weniger als 30 US-Dollar im April noch weit unter früheren Höchstmarken.
Quelle
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