von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Leitzins Kapitalmärkte
09.12.2023
Die Fed hatte schon am 26. Juli ihre letzte Zinserhöhung verkündet. Die Bandbreite für die Funds Rate war ebenfalls um einen Viertelprozentpunkt auf 5,25 bis 5,5 Prozent angehoben worden. Dies ist das höchste Niveau seit dem Frühjahr 2001.
An den Kapitalmärkten setzte sich die Hoffnung durch, dass diese Zinspause das Ende der Leitzinserhöhungen bedeutet – und im nächsten Jahr Zinssenkungen folgen. Die Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen, die im Oktober bis auf 5,0 Prozent und damit den höchsten Stand seit 2007 gestiegen war, sank im November auf rund 4,4 Prozent. Zwar schloss US-Notenbankpräsident Powell weitere Leitzinserhöhungen nicht aus, der Rückgang der US-Inflationsrate auf 3,2 Prozent bestärkte die Börsen aber in der Erwartung von Zinssenkungen im kommenden Jahr, zumal viele Marktteilnehmer noch immer davon ausgehen, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession geraten könnte. Die jüngsten Konjunkturdaten zeigten dies allerdings nicht.
Mit Spannung wurden die Quartalsergebnisse der „Glorreichen Sieben“ erwartet, weil die sieben großen US-Technologiekonzerne in den wichtigsten Aktienindizes und vielen Anlegerportfolios inzwischen hohes Gewicht haben. Während Microsoft und Amazon mit ihren Quartalsergebnissen überzeugen konnten, wurden die Verlautbarungen von Alphabet und Meta mit etwas Enttäuschung aufgenommen, was eine höhere Volatilität der Technologieaktien zur Folge hatte.
Der Aktienkurs von Tesla, der im Oktober mehr als ein Viertel seines Wertes verloren hatte, holte etwa die Hälfte dieses Rückgangs wieder auf. Die Apple-Aktie, die seit August von ihrem Rekordhoch rund 15 Prozent eingebüßt hatte, kehrte sogar in die Nähe ihres Allzeit-Hoch zurück. Die mit Spannung erwarteten Quartalsergebnisse des KI-Chip-Herstellers Nvidia fielen sehr gut aus, wurden aber aufgrund des durch die Technologieexportbeschränkungen nach China vorsichtigen Ausblicks nicht euphorisch aufgenommen.
Die Erholungsrallye an der Wall Street führte den Dow Jones von nur 32.327 Punkten in den letzten Oktobertagen um rund zehn Prozent bis über 35.400 Zähler nach oben. Den Nasdaq-100 führte die Rallye sogar um gut 14 Prozent aufwärts. Mit Indexwerten von 16.000 Punkten erreichte der Index neue Jahreshochs und steht nicht mehr weit unter seinem Rekordhoch von Ende 2021 bei 16.765 Zählern.
Auch die europäischen Aktienindizes zeigten sich im November nach drei Verlustmonaten stark erholt. So stieg der Euro-STOXX-50 von knapp 4.000 Punkten, die im Oktober kurz unterschritten worden waren, bis auf 4.377 Zähler. Auch der DAX erholte sich um gut 9 Prozent und erreichte die psychologisch wichtige Marke von 16.000 Punkten wieder. Ohne die anhaltende Talfahrt des DAX-Wertes Bayer wäre es noch etwas mehr gewesen.
Aber die Aktie des Pharma- und Agrarchemiekonzerns fiel angesichts anhaltender Belastungen durch Glyphosat-Schadensersatzurteile und eine gescheiterte Medikamentenentwicklung auf den tiefsten Stand seit 2006.
Die Ängste vor einer möglichen Eskalation des Nahost-Konfliktes wurden kleiner, womit der Ölpreis gegenüber Mitte Oktober um rund 15 US-Dollar pro Barrel sank. Auch das Krisenmetall Gold gab in der ersten Novemberhälfte einen Teil seines Preisanstiegs wieder ab, profitierte dann aber von den fallenden Zinsen.
In der zweiten Novemberhälfte kletterte der Goldpreis etwas über 2.000 US-Dollar pro Unze und damit das höchste Niveau seit Mai. Ob sich daraus ein weiterführender Aufwärtstrend bildet, bleibt allerdings abzuwarten, denn schon seit 2020 mangelte es dem Gold bei Preisen oberhalb von 2.000 US-Dollar an Anschlusskäufen.

Dow Jones Industrial Average
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 28.11.2023

Euro-STOXX-50 beendet Talfahrt
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 28.11.2023
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