von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Leitzins Inflation Globale Märkte
06.01.2024
Spekulationen drehen sich um die Anzahl der Leitzinssenkungen und ihre Zeitpunkte. Zeitweilig eher mäßige Konjunkturdaten bestärkten die Hoffnungen auf Leitzinssenkungen für 2024.
Allerdings wiederholten US-Notenbankpräsident Powell und andere US-Notenbanker ihre Warnungen vor überzogenen Erwartungen. Eine Lockerung der Geldpolitik bleibt an Erfolge bei der Inflationsbekämpfung gekoppelt. Die Weltleitbörse New York fieberte dem Arbeitsmarktbericht für November entgegen. Obwohl dieser mit einem robusten Bild gegen Zinssenkungen sprach, wurde er mit Kursgewinnen quittiert.
Nach der Dezember-Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses (FOMC), der die Fed Funds Rate seit Juli unverändert bei 5,25 bis 5,5 Prozent beließ, stellen US-Notenbanker für 2024 zwar grundsätzlich die Möglichkeit mehrerer Zinssenkungen in Aussicht, versuchten aber gleichzeitig die Erwartungen zu dämpfen. Dass Zinssenkungen weiterhin an die Bedingung einer rückläufigen Inflation gekoppelt werden, gilt als Formsache.

Entwicklung der Federal Funds Effective Rate seit 2013
Quelle: Federal Reserve Economic Data / DRESCHER & CIE AG / 19.12.2023
An der Wall Street setzte sich vor diesem Hintergrund die Ende Oktober begonnene Jahresendrallye fort. Der populäre Dow Jones Industrial Average, der noch im Oktober gegenüber dem Jahresbeginn leicht im Minus gelegen hatte, kletterte erstmals in seiner Geschichte auf über 37.000 Punkte und stellte damit seinen alten Rekord von 36.800 Zählern Anfang 2022 ein. Der als repräsentativer geltende S&P-500-Index stieg vom Mehr-Monats-Tief Ende Oktober bis Mitte Dezember um gut 15 Prozent auf Werte über 4.700 Punkte. Das sind zwar keine neuen Rekordhochs, doch bis zum bisherigen Rekordstand bei 4.818 Zählern von Anfang 2022 fehlen weniger als zwei Prozent, sodass die Verluste des Jahres 2022 als aufgeholt gelten können.
Gleiches gilt für den Nasdaq-100, der noch stärker von den großen US-Technologieaktien dominiert wird. Während die Mehrheit der »glorreichen Sieben« ein abflachendes Momentum zeigte, verbesserten sich die Trends bei einer Vielzahl von Aktien. So drehte der US-Nebenwerteindex Russell-2000 nach seinem Jahrestief Ende Oktober nach oben und setzte diesen Aufwärtstrend im Dezember fort.
Die europäischen Aktienmärkte erlebten ebenfalls eine Jahresendrallye. Der Euro-STOXX-50, der im Oktober bis auf rund 4.000 Zähler zurückgefallen war, konnte ohne nennenswerte Konsolidierung an die Kursgewinne vom November anknüpfen und erreichte mit Werten über 4.500 Punkte neue Jahreshochs. Den Deutschen Aktienindex (DAX) führte die Rallye bis Mitte Dezember über 17.000 Zähler.
Mit 17.003,28 Punkten wurde ein neuer Rekordstand markiert. Anders als die populäre Version des Euro-STOXX-50 profitiert die viel beachtete Version des DAX von der Einrechnung der gezahlten Dividenden. Dagegen konnten europäische Nebenwerte einschließlich der deutschen ihre seit 2022 entstandenen Rückstände noch nicht aufholen. So notierte beispielsweise der MDAX für mittelgroße Aktien (Mid Caps) mit gut 27.000 Punkten Mitte Dezember noch unter dem Hoch aus dem Sommer bei 28.890 Zählern.
Anders als die Börsen in Nordamerika und Europa gelang es dem japanischen Aktienmarkt im Dezember nicht, an die Kursrallye vom November anzuknüpfen. Der Nikkei-225-Index gab einen Teil seiner Kursgewinne aus dem Vormonat wieder ab und blieb in der seit Juni gültigen Bandbreite zwischen knapp 30.500 und gut 33.850 Punkten. Allerdings hatte der japanische Aktienmarkt im zweiten Quartal, insbesondere im Mai und Juni, überdurchschnittliche Kursgewinne erzielt, sodass der Anstieg auf Jahressicht sehr gut ausfällt.
Japan ist das einzige Land unter den Industrieländern, in dem die Anleiherenditen unter der Inflationsrate liegen, was einen negativen Realzins bedeutet. Hintergrund ist die Zinspolitik der japanischen Notenbank, der Bank of Japan. Sie deckelt weiterhin die Zinsen am Anleihemarkt, indem sie Anleihen aufkauft. An den Kapitalmärkten wird über ein Ende der Negativzinspolitik spekuliert. Japan sieht erstmals seit Jahrzehnten die Chance, einer deflationären Entwicklung zu entkommen. Dabei sind höhere Verbraucherpreise vor allem ein stärkeres Lohnwachstum willkommen. Nicht wenige Beobachter erwarten, dass sich der Aktienmarkt sowie die Fundamentaldaten der Realwirtschaft in Japan weiterhin gut entwickeln.
Gegen den internationalen Trend verlief die Entwicklung der chinesischen Aktienmärkte weiterhin unterdurchschnittlich. In Hongkong unterschritt der Hang Seng Index zeitweilig die Marke von 16.000 Punkten – Tiefststände seit November 2022 und deutlich unter dem Niveau, das in Folge der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 erreicht worden war.
Hintergrund ist ein weitreichender Vertrauensverlust in das Regime in Peking und seine Fähigkeit, die wirtschaftlichen Probleme zu bewältigen. Vor allem auf den Immobilienmärkten gibt es Schieflagen und Konkurse.
Der Ölpreis setzte seinen Abwärtstrend zumindest bis Mitte Dezember fort. Der Preis für ein Barrel fiel zeitweilig unter 75 US-Dollar. Bei den Edelmetallen stieg der Goldpreis zwar Anfang Dezember kurzzeitig auf ein neues Rekordhoch von 2.147 US-Dollar pro Unze, konnte dieses Niveau aber nicht lange halten. Schon seit 2020 mangelt es Gold bei Preisen oberhalb von 2.000 US-Dollar an Anschlusskäufen.

Hang Seng Index enttäuscht am Jahresende
Quelle: Federal Reserve Economic Data / DRESCHER & CIE AG / 19.12.2023
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