von
Sommese & Kollegen
Strategie
Anlagestrategie Trends und Märkte
07.04.2026
In einer ersten Reaktion auf die israelischen und amerikanischen Angriffe auf den Iran gaben Gold, Silber und Platin zunächst ungefähr ihre Vorwochengewinne wieder ab. Das waren bei Silber und Platin jeweils rund 10 Prozent, während es beim Gold gut 3 Prozent waren. Dies zeigt bereits, dass eher kurzfristig orientierte Anleger eine Rolle bei den Kursrückgängen der Edelmetalle spielen. Bei einer typischen Risk-off-Reaktion erhöhen Anleger Cash-Reserven durch Verkäufe von den Assets, die zuvor stärker gestiegen sind.
Die hohen Kursgewinne im Vorjahr, die sich im vierten Quartal 2025 bis in den Januar dieses Jahres hinein beschleunigt hatten, hatten zu umfangreichen Käufen von Anlegern bei Gold und Silber geführt. Hier traten vor allem Momentum-Käufer auf, die auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends setzten und überwiegend „Papier-Gold“ gekauft haben, also keine physischen Barren oder Münzen, sondern besser handelbare ETFs und ETCs, die an die Edelmetallpreise gekoppelt sind. Wie schon bei den Kursausschlägen Ende Januar kam der Verkaufsdruck im März zu großen Teilen von dieser Seite. An den Märkten für physische Edelmetalle herrschte dagegen weiterhin eher eine Knappheit, die mittelfristig für stabilere bis steigende Preise sorgen sollte.
Ein steigender Ölpreis macht nicht nur die direkt aus Rohöl erzeugten Produkte wie Benzin, Diesel und Heizöl teurer, sondern mit etwas Verzögerung alle Waren, bei denen die Transportkosten einkalkuliert werden müssen – und das sind die meisten. Hatten die Märkte zu Beginn des Jahres noch fest damit gerechnet, dass im Laufe dieses Jahres die Leitzinsen gesenkt werden könnten, ist diese Erwartung durch den Iran-Krieg inzwischen ins Gegenteil umgeschlagen. Nun werden statt Zinssenkungen in den kommenden Monaten sogar Zinserhöhungen erwartet.
Mit höheren Zinsen werden verzinsliche Anlagen vordergründig attraktiver. Und damit verlieren Edelmetalle in den Augen vieler Investoren an Attraktivität. Während Kontoguthaben und verzinsliche Wertpapiere mehr Ertrag bringen, fallen die fehlenden Zinseinnahmen bei der Edelmetallanlage dann stärker ins Gewicht. Auch der steigende US-Dollar ist ein klassischer Gegenspieler zum Goldpreis. Seit Ausbruch des Krieges ist der US-Dollar allein gegenüber dem Euro um rund drei Prozent und die laufende Verzinsung von zehnjährigen US-Staatsanleihen von unter 4 Prozent auf 4,4 Prozent gestiegen. Dies liefert Anlegern Gründe für einen Abbau ihrer Edelmetall-Investments.
Ob daraus aber weitreichende Abwärtstrends werden, ist zu bezweifeln. Zum einen sprechen höhere Inflationsgefahren eher für als gegen Edelmetalle. In Konkurrenz zu den Zinsen ist letztendlich die Differenz zwischen Inflation und erzielbaren Nominalzinsen entscheidend, der sogenannte Realzins. Wenn die erzielbaren (Nominal-)Zinsen stärker steigen als die Inflation, es also einen steigenden positiven Realzins gibt, dürfte das die Preise von Edelmetallen weiter belasten. Dies ist aber weniger wahrscheinlich, als dass der Realzins sinkt oder sogar negativ wird.
Die Staatsschulden steigen weiter, insbesondere auch in den USA, obwohl Trump genau das Gegenteil versprochen hatte. So haben die angekündigten Einsparungen im Staatshaushalt nicht stattgefunden. Schon die erste Woche im Iran-Krieg kostete die USA über 100 Milliarden US-Dollar. Kriegsminister Hegseth beantragte weitere 200 Milliarden, um den Krieg fortsetzen zu können. Und Importeure fordern etwa 175 Milliarden US-Dollar zu Unrecht erhobener Trump-Zölle zurück. Das lässt das Szenario einer sogenannten finanziellen Repression erwarten. Dabei liegen die Zinsen auf Staatsanleihen unter der Inflationsrate. Versicherungen, Pensionskassen und neuerdings auch die Anbieter von Stablecoins werden gesetzlich verpflichtet, den größten Teil ihres Deckungskapitals in Staatsanleihen anzulegen. Notfalls werden Staatsanleihen schließlich von der staatlichen Notenbank gekauft.
Vor diesem Hintergrund dürften Edelmetall-Investments mittel- und langfristig als Depotbeimischung attraktiv bleiben.
Quelle
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