von
Sommese & Kollegen
Strategie
Edelmetalle Trends und Märkte
09.06.2024
Besonders 2022, bei den damals deutlich steigenden Zinsen, musste Gold noch einmal den Rückwärtsgang einlegen. Von gut 2.000 US-Dollar fiel der Preis für eine Unze auf kaum mehr als 1.600 US-Dollar — ein Rückgang um rund 20 Prozent, aber auch eine Einstiegsgelegenheit, wie sich seitdem zeigen sollte.
Als im letzten Quartal des vergangenen Jahres die Erwartung von wieder fallenden Zinsen das Zepter an den Kapitalmärkten übernahm, gelang dem Gold der Angriff auf den mehrjährigen Widerstand bei gut 2.000 US-Dollar.
Im März und April dieses Jahres führte ein steilerer Aufwärtstrend den Goldpreis auf über 2.400 US-Dollar pro Unze. Auch wenn sich der Preisanstieg in diesem Tempo nicht fortsetzen konnte, ist damit ein übergeordneter Aufwärtstrend bestätigt worden, dessen Preisziele heute noch nicht ausgelotet werden können. Dabei scheinen es weder große Portfolioinvestoren noch Privatanleger zu sein, die die Goldnachfrage antreiben — im Gegenteil.
Für viele Anleger waren die hohen Goldpreise eher eine Gelegenheit, Gewinne zu realisieren und Gold zu verkaufen. So wurden mehr Gold-ETF-Anteile zurück-, als neu ausgegeben. Und sogar beim physischen Gold, also Barren und Münzen, die sich nicht eignen, kurzfristig hin und her gehandelt zu werden, nutzten viele Anleger die hohen Preise für Goldverkäufe.
Als mächtige Goldkäufer treten dagegen seit einiger Zeit verstärkt Notenbanken auf. Die Branchenorganisation World Gold Council (WGC) berichtete unlängst von anhaltenden Goldkäufen durch Zentralbanken: »Im vergangenen Jahr erreichte die Nachfrage mit 1.037 Tonnen den zweithöchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen und damit nur 45 Tonnen unter dem Vorjahreswert«, erklärte der WGC.
Ungewöhnlich hohe Goldkäufe beobachtete man vor allem durch die Volksrepublik China. Aber auch Singapur, Indien und Libyen trugen mit ihren Goldkäufen zum Preisanstieg bei. In Europa kauften vor allem Polen und Tschechien Gold – als NATO-Staaten, die mit ihrer Einschätzung eines aggressiven und auf Eroberungen ausgerichteten Russlands richtig lagen.
Und die Goldkäufe in Asien mögen zumindest teilweise auch der Sorge um ein zunehmend aggressiver auftretendes China geschuldet sein. Somit wäre nicht nur die Aussicht auf rückläufige Kapitalmarktzinsen, sondern einmal mehr der Charakter von Gold als Krisenwährung der Hintergrund für den Preisanstieg.
Den Goldminenbetreibern dürfte er gerade recht sein, denn deren steigende Produktionskosten allein vermochten in der Vergangenheit nicht für höhere Goldpreise zu sorgen. Längerfristig würde allerdings ein Goldpreis, der über die Grenzkosten der Förderung hinaus Investitionen in die Erschließung neuer Vorkommen nicht finanziert, für einen Angebotsengpass sorgen.
Dies zeigt sich noch stärker bei Industriemetallen wie Kupfer, denn der weitaus größte Teil des geförderten Goldes wartet in Tresoren darauf, irgendwann wieder angeboten zu werden. Industriemetalle werden dagegen verbraucht, zumindest »verbaut«. Die industrielle Nachfrage besonders nach Kupfer steigt.
Neben der fortschreitenden Elektrifizierung ist vor allem die Energiewende in großen Mengen auf das gut Strom leitende Metall angewiesen: Vom Elektroauto bis zur Windkraftturbine – überall wird Kupfer benötigt.
Experten von S&P Global schätzen den Nachfrageanstieg für Kupfer bis zum Jahr 2035 weltweit auf rund 50 Millionen Tonnen.
Gegenüber 2023 entspräche das mehr als einer Verdoppelung in Bezug auf die aktuelle Minenproduktion von rund 22 Millionen Tonnen. Eine Verdoppelung der jährlichen Kupferförderung in den nächsten zehn Jahren erscheint kaum möglich. In den vergangenen 14 Jahren, seit 2010, wurde die Kupferproduktion trotz des absehbaren Bedarfs nur um rund 6 Millionen Tonnen erhöht.
Von dem jetzigen Niveau aus wird es schwerer, das zu wiederholen, denn die gehaltvolleren und leichter abzubauenden Kupfervorkommen werden bereits genutzt.
Zudem sinkt der Kupfergehalt in den vorhandenen Kupferminen. So war der Anstieg des Kupferpreises wohl nur eine Frage der Zeit. Bislang war ein stark steigender Kupferpreis – auf 10.000 US-Dollar oder mehr pro Tonne – immer Ausdruck einer mehr oder weniger überraschend starken Erholung der Weltkonjunktur, so nach der Finanzkrise 2008 und nach dem Corona-Schock 2020.
Seit März dieses Jahres vollzog sich der Anstieg von rund 8.500 US-Dollar auf fast 11.000 US-Dollar in nur drei Monaten, ohne dass die Weltkonjunktur sich überraschend aufschwingt.

Kupferpreis profitiert von Energiewende und zu geringer Förderung
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 27.05.2024
Für viele Anlegerinnen und Anleger war »Metall« bislang nicht ihr Genre. Doch spätestens die Entwicklung der vergangenen Monate spricht dafür, hier zumindest mal »reinzuhören«.
Dazu sollte man sich Fonds ansehen, die erklärtermaßen in Aktien der Rohstoff-Branche investieren. Gewinner eines Preisanstiegs bei Edel- und Industriemetallen zu identifizieren, erwies sich in der Vergangenheit oft als Aufgabe, die man professionellen Fondsmanagern mit entsprechender Expertise anvertrauen sollte.
Quelle
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