von
Sommese & Kollegen
Strategie
Anlagestrategie Trends und Märkte
09.12.2025
Viele Fondsmanager schwärmen für sogenannte Asset-Light-Aktien. Asset-Light meint Geschäftsmodelle, bei denen Unternehmen ihr Anlagevermögen geringhalten können, weil sie nicht oder nur wenig auf eigene, kapitalintensive Vermögenswerte wie Fabriken oder Maschinen zurückgreifen müssen. Stattdessen verwenden sie externe Ressourcen wie Outsourcing oder Lizenzierung. Der Fokus liegt oft auf Kompetenzen wie Design, Marke und Vertrieb, was zu mehr Flexibilität und geringerer Kapitalbindung führt.
Sehr erfolgreiche Beispiele sind Apple und Nvidia: Apple-Geräte werden vor allem von Foxconn und Nvidia-Mikrochips von TSMC in Taiwan hergestellt. Eine Asset-Light-Strategie hat zweifellos viele Vorteile. Das Unternehmen kann sich leichter an Marktveränderungen anpassen, da es nicht an physische Vermögenswerte gebunden ist. Durch die geringere Kapitalbindung und die Fokussierung auf profitable Kernbereiche können Unternehmen häufig eine höhere Rentabilität erzielen. In Krisenzeiten zeigen sich Unternehmen mit einer geringeren Kapitalbindung häufig widerstandsfähiger.
Nicht zuletzt die inzwischen erreichte Positionierung Chinas als führender Industriestandort für die Weltwirtschaft macht es schwierig, mit kapitalintensiven Industrien auf den Weltmärkten zu konkurrieren. Den schon geschwundenen Vorteil Millionen billiger Arbeitskräfte hat China bereits durch den Einsatz von Robotern zu ersetzen begonnen. Der Vorsprung wird kaum einzuholen sein.
Die Attraktivität von Asset-Light-Geschäftsmodellen dürfte vor diesem Hintergrund noch zunehmen. Doch dabei ist auch Vorsicht angebracht. Denn es kommt nicht darauf an, gute Aktien zu kaufen, sondern Aktien gut zu kaufen. Wenn die Vorteile von Asset-Light-Aktien mit hohen Prämien bezahlt werden müssen, weil das Best-Case-Szenario bereits eingepreist ist, wenn Outsourcing der Produktion nach Asien plötzlich auf Zollschranken, Handelsbarrieren oder geopolitische Krisen trifft, entstehen Risiken, die man als Anleger nicht ausblenden sollte.
Statt nur in hoch bewertete Asset-Light-Aktien zu investieren, sollten Anleger auch über das andere Ende des Spektrums nachdenken. Eine Gold- oder Kupfermine beispielsweise ist das Gegenteil von Asset light. Ihre Erschließung kostet Hunderte von Millionen US-Dollar, schnell auch mal einen Milliardenbetrag. Zum Beispiel belaufen sich die Erschließungskosten der Oyu Tolgoi-Mine in der Mongolei auf schätzungsweise 5,3 Milliarden US-Dollar. Kostenfaktoren sind neben der Errichtung der eigentlichen Bergbau- und Verarbeitungsanlagen auch die Errichtung der Infrastruktur wie Straßen, Energieversorgung, Wasserleitungen und oft lange Genehmigungsverfahren sowie weitere.
Doch diese vermeintlichen Nachteile von Asset-Heavy-Geschäftsmodelle können auch ein Vorteil sein. Als am 20. November China den größten Goldfund seit 1949 meldete, waren keine Auswirkungen auf den Goldpreis und die Aktienkurse von Goldminen zu beobachten. Die Dadonggou-Mine ist laut Berichten die größte Goldentdeckung seit Gründung der Volksrepublik China. Das Erz erstreckt sich mutmaßlich über 2,586 Millionen Tonnen mit einem durchschnittlichen Goldgehalt von 0,56 Gramm pro Tonne. Die noch im Boden liegenden 1.444 Tonnen Gold haben rechnerisch einen aktuellen Marktwert von über 166 Milliarden Euro. Die Goldmine zu errichten, wird allerdings viele Jahre dauern. Erst in den 2030er-Jahren könnte erstmals Gold aus der Dadonggou-Mine auf den Markt kommen: ein typisches Asset heavy.
Als Ende Januar dieses Jahres ein junges chinesisches Start-up namens Hangzhou DeepSeek Artificial Intelligence Basic Technology Research ein KI-Modell zu einem Bruchteil der Kosten entwickeln konnte, die von den Branchengrößen veranschlagt wurden, erschütterte das einige Asset-Light-Aktien. Der Aktienkurs des KI-Chip-Designers Nvidia fiel von 140 US-Dollar um rund 20 Prozent auf 112 US-Dollar.
Allein bei dieser einen Asset-Light-Aktie entstand innerhalb kürzester Zeit ein Kursverlust von 680 Milliarden US-Dollar. DeepSeeks überraschender Markteintritt traf neben Nvidia auch andere Magnificent Seven Aktien wie Alphabet und Microsoft. Asset-Light-Aktien bergen also durchaus Risiken — und zwar nicht, obwohl, sondern weil sie Asset light sind.
Wenn der führende Designer von KI-Chips seine Führungsrolle im Chip-Design und den damit verbundenen Vorsprung verliert, muss dessen Aktie ganz anders bewertet werden. Die auf Technologieführerschaft gestützten Geschäftsmodelle sind nicht dauerhaft davor geschützt, ihre Spitzenpositionen zu behalten. Nokia und Ericsson verloren ihre Weltmarktführerschaft bei Mobiltelefonen innerhalb weniger Jahre.
Asset-Heavy-Aktien mit langfristigen Marktvorteilen Asset heavy kann sich dagegen als die bessere Markteintrittsbarriere gegen potenzielle Konkurrenten erweisen. Wer nicht heute in die Exploration und Erschließung von Rohstoffvorkommen investiert, wird in fünf oder zehn Jahren keine Rohstoffe abbauen können. Und es ist vergleichsweise sicher zu prognostizieren, dass der Rohstoffhunger der Welt in den nächsten Jahren nicht deutlich sinken wird.
Die Konsequenz für den Fondsanleger sollte einmal mehr darin bestehen, nicht allein in den einen vermeintlich besten Fonds zu investieren, sondern seine Anlage auf verschiedene Fonds aufzuteilen und dabei darauf zu achten, dass die Risikostreuung durch verschiedene Strategien vergrößert wird. Dazu gehören auch Asset-Light- und Asset-Heavy-Strategien.
Quelle
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