von
Sommese & Kollegen
Strategie
Diversifizierung Anlageklassen
09.08.2025
Es ist aber nicht die Rendite, die bei der Empfehlung von Goldinvestments im Vordergrund steht. Die Experten führen vor allem den Beitrag zur Risikostreuung an. Als Krisenmetall schneidet es von Zeit zu Zeit dann besser ab, wenn andere Anlageformen, insbesondere Aktien, Verluste erleiden. Gold gilt als stabile Reservewährung, die ihren Wert auch bei Krisen, Katastrophen und Kriegen behält – oder gerade dann erhöht.
Die Preissteigerungen beim Gold in den vergangenen Jahren waren auf eine erhöhte Nachfrage von staatlichen Notenbanken und Anlegern zurückzuführen. Auch die Schmuckindustrie ist weltweit einer der großen Käufer von Gold. Die industrielle Nachfrage ist dagegen vergleichsweise gering.
Für die Wirtschaft spielen andere Metalle eine weitaus größere Rolle. Benjamin Louvet, Fondsmanager beim französischen Fondsanbieter Ofi Invest Asset Management, bezeichnet Kupfer, Nickel, Aluminium, Zink, Silber, Platin, Palladium und Blei als die acht wirtschaftlich wichtigsten Metalle. Sie werden in Bereichen wie Maschinenbau, Automobilindustrie, Bauwesen und Elektrotechnik eingesetzt. Louvet verweist vor allem auf die Transformation in der Energiewirtschaft, womit der Bedarf nach diesen Metallen noch weiter steigen werde. Kupfer wird beispielsweise in Windkraftanlagen verwendet, Silber in der Photovoltaik.
Insbesondere bei Kupfer zeichnen sich nach Ansicht von Experten Engpässe ab, die auf dem Weltmarkt zu weiteren Preissteigerungen führen dürften. Aus der Energietransformation ergebe sich der Bedarf nach 80 neuen Kupferminen durchschnittlicher Größe, um den zukünftigen Bedarf zu decken, rechnet der Fondsmanager von Ofi vor. Die Internationale Energiebehörde erwarte bis 2030 eine Angebotslücke von 20 Prozent auf dem Kupfermarkt. Bei Kupferminen dauere es durchschnittlich 17 Jahre von der Planung bis zum Förderbeginn. Der absehbare Nachfrageanstieg sei deshalb nicht rasch durch eine Erhöhung der Förderung auszugleichen.
Daraus schließt Louvet, dass der Kupferpreis mindestens hoch bleiben, wahrscheinlich weiter steigen werde. Bei anderen Metallen würde der Nachfrageüberhang schon seit Jahren aus den Lagerbeständen bedient, weil die weltweite Produktion hinter der Nachfrage zurückbleibe. Bei Silber bestehe dieses Defizit das vierte Jahr in Folge, bei Platin seit drei Jahren.
Platin und Palladium, aufgrund ihrer Knappheit historisch teurer als Gold, haben eine ganz andere Preisentwicklung als Gold hinter sich. Der Platinpreis lag bis Mitte der 1970er-Jahre über dem Goldpreis, dann für rund 20 Jahre in der gleichen Größenordnung. Als nach Beginn des neuen Jahrhunderts die Nachfrage nach Platin aufgrund seiner Verwendung in Katalysatoren weltweit stark stieg, trieb das den Platinpreis für Jahre auf etwa das Doppelte des Goldpreises.
Doch auch diese Medaille hatte zwei Seiten. Mit der fortschreitenden Elektrifizierung des Individualverkehrs wurden die ausgebauten Förderkapazitäten nicht mehr im vollen Umfang benötigt. Von 2008 bis Mitte dieses Jahres stieg das Gold-Platin-Preisverhältnis von 0,5 auf 3,5. Platin kostete damit nicht mehr das Doppelte von Gold, sondern weniger als ein Drittel.
Fast 80 Prozent der weltweiten Platinförderung finden in Südafrika statt. Die dortigen Vorkommen liegen tief unter der Oberfläche, im Durchschnitt etwa 4.000 Meter. Das bedeutet für die Bergwerke einen hohen Aufwand, unter anderem beim Strom zur Kühlung und Luftversorgung. Die Produktionsmengen sanken in den vergangenen Jahren. 2021 hat Südafrika ca. 4,7 Mio. Unzen Platin produziert, für dieses Jahr werden nur noch 3,9 Mio. Unzen erwartet.
Gleichzeitig ist China zuletzt als großer Käufer von Platin aufgetreten. Allein im April und Mai dieses Jahres hat China auf dem Weltmarkt jeweils 20 Tonnen Platin gekauft. Darauf sprang der Platinpreis stark an: von unter 1.000 US-Dollar pro Unze Mitte Mai bis über 1.400 US-Dollar im Juli.
Fondsmanager Benjamin Louvet von Ofi Invest Asset Management sieht weiterhin eine große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Die Platin-Nachfrage sei unter anderem deshalb höher als erwartet, weil die Elektrifizierung des Autoverkehrs langsamer voranschreitet und auch Hybrid-Fahrzeuge Katalysatoren benötigen.
Anleger, die ihre Investments wirklich breit streuen wollen, finden gute Gründe, auch die Edelmetalle Silber, Platin, Palladium und Industriemetalle wie Kupfer in ihre Überlegungen einzubeziehen. Im Gegensatz zu Gold unterliegt der physische Erwerb anderer Edelmetalle in Deutschland grundsätzlich der Mehrwertsteuer. Als Anlageinstrument bieten sich Fonds an, die nicht nur mittels Exchange Traded Commodities (ETCs), sondern beispielsweise auch über Terminkontrakte oder mittels Swap-Vereinbarungen in Rohstoffe investieren können.
„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“, sagt der Volksmund und meint damit, dass nicht alles, was wertvoll oder wahr aussieht, es auch ist. „Es muss auch nicht alles Gold sein“, könnte man ergänzen – auch andere Metalle glänzen. Im Sinne der Risikostreuung ist es sinnvoll, mehrere Eisen im Feuer zu haben.
Quelle
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