
von
Nadine Kostka von Liebinsfeld
Strategie
Altersvorsorge Finanzielle Sicherheit
06.09.2024
In diesem Blogartikel gehen wir diesen Fragen auf den Grund und untersuchen, wie sich ein Kapital von 200.000 Euro auf die finanzielle Sicherheit im Ruhestand auswirken kann.
Für jemanden, der gerade erst mit der Altersvorsorge oder dem Vermögensaufbau beginnt, mag die Summe von 200.000 Euro beeindruckend klingen. Es handelt sich fast um eine Viertelmillion, was sicherlich viel Geld ist.
»Ist man nun mit 200.000 Euro wohlhabend?« oder »Kann man mit 200.000 Euro in den Ruhestand gehen?« Diese Fragen lassen sich nicht pauschal beantworten.
Ein genaueres Bild erhält man, wenn man sich ein konkretes Beispiel ansieht:
Angenommen, die 45-jährige Eva hat plötzlich 200.000 Euro zur Verfügung. Ob dieses Geld aus einer Erbschaft, einem Immobilienverkauf, einer Versicherungsauszahlung oder einem anderen Zufallseinkommen stammt, ist zunächst unerheblich. Eva hat damit möglicherweise mehr Vermögen als viele ihrer Freunde. Aus dieser Perspektive könnte man die Frage »Ist man mit 200.000 Euro wohlhabend?« bejahen. Der Betrag liegt auch deutlich über dem Durchschnittsvermögen der privaten Haushalte in Deutschland, das laut einer Untersuchung der Bundesbank im Jahr 2021 bei 106.600 Euro lag. Eva gehört somit zur reicheren Hälfte der Bevölkerung.
Eva möchte nun wissen, welche Auswirkungen ihr Vermögen auf ihren Ruhestand haben könnte. Daher rechnet sie verschiedene Szenarien durch, um herauszufinden, wie lange das Geld reichen könnte.
Eva könnte sich für einen Auszahlplan entscheiden. Das bedeutet, dass sie ihr Vermögen anlegt und sich monatlich die Erträge auszahlen lässt, ohne das Kapital selbst anzutasten. Bei einer reinen Aktienstrategie mit 6,5% p.a. könnte sie mit rund 1.080 Euro pro Monat rechnen, während eine ausgewogenere Strategie, die in Aktien und Anleihen investiert mit 4,5% p.a., etwa 750 Euro im Monat bringen würde.
Allerdings muss sie die Abgeltungsteuer und etwaige Kirchensteuer, sowie die Auswirkungen der Inflation berücksichtigen, die ihre Kaufkraft langfristig verringern könnte.

Wenn Eva erst mit 55 in den Ruhestand gehen möchte, hätte ihr Vermögen noch 10 Jahre Zeit, um Rendite zu erwirtschaften. Bei einer reinen Aktienstrategie könnte sich ihr Vermögen auf etwa 375.000 Euro erhöhen, was eine monatliche Auszahlung von rund 2.000 Euro bedeuten würde. Bei einer ausgewogenen Strategie könnte sie auf 310.000 Euro Vermögen und etwa 1.455 Euro monatliche Auszahlung kommen.
Würde Eva für 15 Jahre anlegen, also mit 60 Jahren in Rente gehen, wäre das Kapital auf rund 514.000€ bzw. 387.000€ angewachsen, was eine höhere monatliche Auszahlung bedeuten würde.

Eva überlegt auch, ihr Vermögen komplett für ihren Ruhestand aufzubrauchen, was ihr höhere monatliche Auszahlungen ermöglichen würde. Bei einer Aktienstrategie könnte sie sich bei einer Laufzeit von 25 Jahren monatlich etwa 1.350 Euro auszahlen lassen. Bei einer ausgewogenen Strategie wären es rund 1.110 Euro.

merkeIn diesem Fall ist das Geld nach den 20 bzw. 25 Jahren allerdings aufgebraucht. Das heißt: Kein Vererben möglich. Und sollte Eva deutlich länger leben, könnten doch finanzielle Engpässe entstehen.
Eva stellt sich nun vor, dass sie monatlich 2.500 Euro ausgezahlt bekommen möchte. Mit einer Aktienstrategie würde ihr Vermögen für etwa 8,0 Jahre reichen, mit einer ausgewogenen Strategie für etwa 7,4 Jahre.
Legt sie das Geld bis zum 60. Lebensjahr an, steigt ihr Vermögen durch die Erträge der Kapitalanlage so an, dass dieses bei einer ausgewogenen Strategie für mehr als 15 Jahre und bei einer Aktienstrategie sogar für über 33 Jahre reicht.
Bei dieser Rechnung merkt Eva: Warten lohnt sich! Bei der Frage »Wie lange reichen 200.000 Euro?« kommt es eben wesentlich darauf an, wann der Ausstieg aus dem Berufsleben beginnt.

Die Antwort auf diese Frage hängt stark von der persönlichen Planung und den Erwartungen an den Ruhestand ab. Ein früher Ausstieg aus dem Berufsleben, etwa mit 45 Jahren, ist mit dieser Summe eher schwierig. Wenn Eva jedoch ihr Vermögen klug investiert und die Renditen nutzt, könnte sie davon profitieren, bevor sie sich das Geld monatlich auszahlen lässt.
Dieses Beispiel soll nur eine Orientierung sein und zeigt dennoch auf, dass eine sorgfältige Planung entscheidend ist, um den eigenen Ruhestand abzusichern. Viele Faktoren sind dabei zu berücksichtigen. Die entscheidenden Fragen, die Sie sich stellen sollten, umfassen:
Die Frage, ob man mit 200.000 Euro in den Ruhestand gehen kann, ist komplex und hängt stark von individuellen Faktoren und Lebensumständen ab. Obwohl 200.000 Euro für viele ein beachtlicher Betrag sind, ist es entscheidend zu verstehen, wie lange dieses Vermögen ausreicht und welche Ausgaben damit abgedeckt werden können.
Unsere Beispiele zeigen, dass das Vermögen sowohl durch Investitionsstrategien als auch durch den Zeitpunkt des Ruhestands erheblich beeinflusst wird. Ein sofortiger Ruhestand könnte schwieriger zu finanzieren sein, insbesondere wenn hohe monatliche Auszahlungen gewünscht sind. Auf der anderen Seite bietet ein späterer Ruhestand oder eine sorgfältige Investitionsstrategie die Möglichkeit, das Vermögen zu vergrößern und somit eine längere finanzielle Sicherheit zu gewährleisten.
Eine gründliche Planung und Beratung sind unerlässlich, um Ihre individuellen Ziele zu erreichen und eine stabile finanzielle Zukunft im Ruhestand sicherzustellen. Das Team von Sommese & Kollegen steht Ihnen zur Verfügung, um Sie bei Ihrer persönlichen Finanzplanung zu unterstützen und Ihnen zu helfen, die besten Entscheidungen für Ihre Zukunft zu treffen.
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