von
Sommese & Kollegen
Strategie
Anlagestrategie Trends und Märkte
09.06.2026
Inzwischen musste die Staatengemeinschaft lernen, dass der Mann, der sich selbst für den größten „Deal-Maker“ hält, sich nicht immer an die eigenen „Deals“ hält.
Importe in das eigene Land mit Zöllen zu belegen, verschafft der eigenen Wirtschaft Entlastung, weil es die Produkte der unliebsamen Konkurrenz aus dem Ausland verteuert. Längerfristig betrachtet schadet sich jedoch eine Volkswirtschaft, die sich mit Importzöllen „schützt“. Zum einen wird das Güterangebot im eigenen Land verknappt und verteuert. Letztendlich zahlen dadurch vor allem die Privathaushalte die Zölle. Zum anderen verliert die eigene Wirtschaft auf Dauer an internationaler Wettbewerbsfähigkeit, weil sie nicht mehr zu gleichen Preisen konkurrieren muss.
Dass Trumps Zollpolitik solchen Schrecken verbreitet, liegt an der Größe des US-amerikanischen Absatzmarktes. Beim Sozialprodukt liegen die USA (2024 mit 29,3 Bio. US-Dollar) an der Weltspitze mit deutlichem Vorsprung vor China (18,7 Bio. US-Dollar). Aber die Attraktivität des US-Absatzmarktes sinkt. Der Konsum verliert an Dynamik, Inflation und Zölle belasten die Ausgaben und die Sparquote sinkt. Während die US-Konsumausgaben im Frühjahr 2026 nominal noch gestiegen sind, zeigen sich unter der Oberfläche zunehmend Risse. Die realen, also inflationsbereinigten Umsätze sanken und die Verbraucherstimmung fiel jüngst auf historische Tiefststände. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima sank laut der jüngst veröffentlichten zweiten Schätzung um 5,0 Punkte auf 44,8 Zähler – ein Allzeittief. In einer ersten Schätzung war ein Rückgang auf 48,2 Punkte ermittelt worden. Volkswirte hatten mit einer Bestätigung der Erstschätzung gerechnet.
Mit Blick auf die Unterindikatoren des Konsumklima-Index verschlechterten sich die Bewertung der aktuellen Lage und die Erwartungen stärker als zunächst ermittelt. Die Verbraucherstimmung sei den dritten Monat in Folge gesunken, da die Versorgungsengpässe in der Straße von Hormus weiterhin zu einem Anstieg der Benzinpreise führten, so Joanne Hsu, die Leiterin der Umfrage. Die Entwicklung der Lebenshaltungskosten bleibe die wichtigste Sorge der Menschen. Die Inflationserwartungen der Verbraucher stiegen auf hohem Niveau noch etwas weiter. Auf Jahressicht legten sie von 4,7 auf 4,8 Prozent zu. Zunächst war ein Rückgang auf 4,5 Prozent ermittelt worden.
Die längerfristigen Inflationserwartungen (für fünf bis zehn Jahre) stiegen von 3,5 auf 3,9 Prozent. Hier waren zunächst 3,4 Prozent festgestellt worden. Die US-Notenbank strebt eine Inflationsrate von nur zwei Prozent an. Im April war diese aber auf 3,8 Prozent gestiegen. Analysten (u.a. von Bain & Company) rechnen mit weniger Konsumwachstum, dem verstärkten Wechsel von Markenartikeln zu günstigeren Eigenmarken und dem Verzicht auf größere Ausgaben, etwa für Kleidung, Möbel oder Autos. Auch der jüngst festgestellte Anstieg bei den Ratenzahlungen und Kreditkartenschulden signalisiert den schrumpfenden finanziellen Spielraum der US-Privathaushalte. Die Politik Trumps belastet vor allem die für den Konsum wichtigen unteren und mittleren Einkommensschichten.
So werden die geplanten Steuerrückerstattungen bei der Mehrheit der US-Privathaushalte kaum die gestiegenen Preise ausgleichen können und vor allem den einkommensstarken Haushalten zugutekommen, die allerdings für die volkswirtschaftliche Binnennachfrage weniger wichtig sind. Auch Paolo Zanghieri, Senior Economist bei Generali Investments, kommt zu dem Schluss, dass die Abwärtsrisiken für das US-Wachstum durch die unerwartete Schwäche des Konsums im ersten Quartal und die gemischten Auftragsdaten zugenommen haben.
Fazit: Die Börsen haben die jüngsten Schwächesignale für den US-Konsum weitgehend ausgeblendet. Sollte sich diese Entwicklung aber fortsetzen, wird die Schwäche des großen US-Binnenmarktes auch an den Börsen Reaktionen auslösen. Und das von Trump gerne geschwungene Schwert der Importzölle würde dann letztendlich an Schärfe verlieren.
Quelle
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