von
Sommese & Kollegen
Strategie
Anlagestrategie Trends und Märkte
10.01.2026
Nachdem 2023 und 2024 gemessen am MSCI-Weltaktienindex Aktienrenditen von über 20 Prozent möglich waren, fiel 2025 das Plus mit 5 bis 6 Prozent bescheidener aus. Das lag aber nicht am US-Aktienmarkt, sondern daran, dass die dort erzielbaren Gewinne bei der Umrechnung in Euro zusammenschrumpften.
Die Umsetzung der Agenda zu »Make America great again« des amerikanischen Präsidenten lässt noch auf sich warten. Denn weder der US-Wirtschaft noch der US-Währung verhalf seine chaotische Politik bislang zur versprochenen Größe. Das Beschäftigungswunder ist ausgeblieben, die Reallöhne der US-Amerikaner sinken und die Inflation scheint sich auf höherem Niveau festzusetzen.
Hier versprach Trump das Gegenteil, nämlich fallende Preise. Zudem haben viele Unternehmen in den USA existenzielle Probleme, weil die Zulieferung aus dem Ausland durch Trumps Zölle zur Todesfalle wurde.
Die Wundertüte Wall Street bietet allerdings auch für dieses erste Jahr der zweiten Trump-Regentschaft Gewinne. Zumindest in US-Dollar gerechnet stehen wieder Renditen von 14 bis gut 20 Prozent zur Buche (Dow Jones Industrial Average, S&P 500, Nasdaq). Als Treibsatz für den US-Aktienmarkt erwies sich in diesem Jahr erneut die schon im Vorjahr gewachsene KI-Fantasie. Über 3.000 Milliarden US-Dollar sollen in den nächsten Jahren in den Aufbau von gigantischen Rechenzentren und die notwendige Infrastruktur investiert werden.
Zwar droht dieser Boom durch Engpässe bei der Verfügbarkeit leistungsfähiger Chips und den benötigten Strommengen verlangsamt zu werden, doch die Börse hofft auf zusätzliche Einnahmequellen für die Unternehmen und Produktivitätssteigerungen durch einen großflächigen KI-Einsatz.
Zudem macht das Trump-Regime Druck auf die eigentlich unabhängige Notenbank, die Leitzinsen schneller und weiter zu senken. Auch das begründet die Hoffnung auf höhere Aktienkurse.
Für Deutschland hält die Wundertüte Börse ebenfalls positive Überraschungen bereit. Das dritte Jahr hintereinander dürfte der deutsche Leitindex DAX 2025 ein Plus von rund 20 Prozent bieten. Das passt auf den ersten Blick gar nicht zur Lage der Wirtschaft hierzulande, denn Wachstum hatte Deutschland in diesen Jahren nicht mehr vorzuweisen.
Vielmehr hängt das Land in einer Stagnation. Dass es den großen, börsennotierten Konzernen mit Sitz in Deutschland besser geht, liegt auch an ihrer internationalen
Ausrichtung, die die Abhängigkeit vom Standort Deutschland verringert – in manchen Fällen mehr, in anderen weniger.
Insgesamt aber erzielen sie mehr als vier Fünftel ihrer Umsatzerlöse im Ausland. Die mit Abstand wichtigsten Handelspartner sind aufaddiert die Nachbarn in der EU, aber auch die USA und China spielen weiterhin eine große Rolle. Geopolitische Entwicklungen und die Entwicklung des Welthandels bleiben somit auch 2026 eine wichtige Einflussgröße.
Wer die Chancen und Risiken für das Börsenjahr 2026 bewerten will, stößt auf viele Unwägbarkeiten. Einerseits haben die Chancen auf eine wirtschaftliche Belebung zugenommen. Nicht zuletzt wirken die hohen Infrastruktur- und Rüstungsinvestitionen der Bundesregierung unterstützend.

Stetiger Anstieg seit 2023 beim MSCI-Weltaktienindex
Quelle: https://www.finanzen.net/index/msci-world/historisch | DRESCHER & CIE AG, 18.12.2025
Beim Blick auf die Weltleitbörsen in den USA wird häufig auf die hohe Bewertung der Aktien dort hingewiesen. Allerdings kann sich diese auf einen Anstieg der Unternehmensgewinne stützen, der deutlich höher als in Europa ausfällt.
Auf Basis der für 2026 erwarteten Gewinne liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für den S&P 500 bei 23. Und dieser Durchschnitt wird durch deutlich höhere KGVs bei großen Technologie-Konzernen nach oben gezogen. Dass in den letzten Wochen des Jahres 2025 verstärkt Sorgen aufkamen, dass sich die hohen KI-Investitionen nicht rentieren könnten, verringert das Risiko für negative Überraschungen diesbezüglich.
Auch bei früheren technologischen Umwälzungen wie dem Internet vor zwanzig bis dreißig Jahren war nicht sofort erkennbar, welche Unternehmen dauerhaft zu den
Gewinnern gehören würden. Viele frühere Pioniere oder vermeintliche Marktführer versanken in der Bedeutungslosigkeit.
Anleger sollten daraus die Lehre ziehen, keine großen Einzelwetten einzugehen, sondern breit gestreut zu investieren. Dafür wird das Börsenjahr 2026 an verschiedenen Stellen gute Chancen bieten. Die Börse ist eben eine Wundertüte.
Quelle
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