von
Sommese & Kollegen
Strategie
Trends und Märkte US-Markt
07.01.2025
Der Wahlsieg des Rechtspopulisten Donald Trump im November war von der Wallstreet positiv aufgenommen worden – im Hinblick auf eine angekündigte Deregulierung und weitere Absenkung der Unternehmenssteuern ist dies verständlich. Von der angekündigten Erhebung deutlich höherer Importzölle dürften insbesondere kleine und mittlere Unternehmen profitieren, die damit vor ausländischer Konkurrenz geschützt werden.
Auch das Thema Künstliche Intelligenz (KI), das 2024 für viel Fantasie und Kursgewinne gesorgt hatte, dürfte 2025 noch stärker in praktischen Anwendungen anzutreffen sein. Von einer Rezession, also einer Phase ohne Wirtschaftswachstum, scheinen die USA weit entfernt zu sein.
Mehrheitlich wird an den Börsen mit einem „No Landing“-Szenario für die US-Konjunktur gerechnet, also mit fortgesetztem Wirtschaftswachstum. Gemeinhin wird ein durchschnittlicher Anstieg der Unternehmensgewinne in den USA um 10 bis 20 Prozent erwartet und damit weiterhin mehr als in Europa.
So rechnen die Börsen mehrheitlich wohl damit, dass US-Aktien auch 2025 erste Wahl bleiben und besser abschneiden als europäische Aktien. In den beiden letzten Monaten des Jahres 2024 waren entsprechende Kapitalströme zu beobachten. Im MSCI World entfallen inzwischen rund drei Viertel auf US-Aktien, im MSCI All Countries immerhin zwei Drittel. Doch es gibt nicht wenige Stimmen von erfahrenen Kapitalmarktexperten, die diese hohe Gewichtung von US-Aktien kritisch sehen. Sie verweisen auf die damit verbundenen Risiken Inflation, Staatsverschuldung und Zinsentwicklung.
Die US-Notenbank Fed dürfte diejenigen enttäuschen, die von ihr im Jahr 2025 mindestens vier Leitzinssenkungen erwartet haben. Denn die angekündigte harte Einwanderungs- und Zollpolitik von Trump würde wohl die Inflation wieder steigen lassen. Dann müsste die Fed sich wieder der Inflationsbekämpfung zuwenden. Fed-Präsident Powell selbst schraubte die Erwartungen schon auf nur zwei kleine Zinssenkungen herunter.
Carsten Roemheld, Kapitalmarktexperte bei Fidelity, will nicht ausschließen, dass es 2025 keine einzige Fed-Zinssenkung mehr geben könnte. Die Unsicherheiten für 2025 seien groß. Deshalb warb er jüngst dafür, in Szenarien zu denken: „Weil die Szenarien jetzt so unterschiedlich sein können, ist eine Prognose kritisch“. Dies gelte auch für das Thema US-Zölle: „Wir können das Thema noch nicht richtig einschätzen.“ Aber Zollerhöhungen würden die US-Unternehmensgewinne belasten, „weil man von Importen, die weiterverarbeitet werden, abhängig ist.“
Auch Erik Lueth, Ökonom bei Legal & General Investment Management, warnt: „Wir glauben, dass Trump im Moment zu positiv gesehen wird. Zölle für China werden kommen“, sagt er. Dies dürfte zu Inflation führen, womit die Fed die Zinsen dann nicht senken könne, wie der Markt erwarte. Nicht zuletzt deshalb sei der Spielraum für positive Überraschungen in Europa größer: „Die Inflation in den USA wird höher sein als in Europa.“
Eindringlich warnen auch andere Experten vor überzogenen Erwartungen an den US-Aktienmarkt. So sagt Dr. Ulrich Kaffarnik von der DJE Kapital AG: „Wir haben einen großen Schluck aus der Pulle genommen. (…) 25 Prozent im S&P 500 machen wir 2025 nicht mehr. (…) Vom Konjunktur-Boom in den USA könnte zu viel erwartet werden.“ Das sieht auch Roemheld von Fidelity so: „Bei den USA glaube ich nicht, dass sie das so positiv fortsetzen können wie in den beiden vergangenen Jahren.“
Auch 2025 hat gute Chancen, letztendlich ein gewinnbringendes Jahr zu werden. Dabei sollten Anleger aber nicht auf einfache Rezepte vertrauen und „alles auf eine Karte“ setzen. Breite Risikostreuung bleibt der Schlüssel zu einem guten Verhältnis von Renditechancen zu Risiken.
Quelle
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