von
Sommese & Kollegen
Strategie
Aktive Aktienfonds ETFs
05.05.2024
Wer also nur in eine oder nur wenige Aktien investiert, bei dem kommen beide Risiken zusammen. Diversifizierung, also Risikostreuung, ist deshalb die wichtigste Leistung von Fonds — das gilt grundsätzlich sowohl für klassische, also aktiv gemanagte als auch für passive Fonds, die einem Index folgen.
Angesichts des Booms von Exchange Traded Funds (ETFs), welche die Abbildung eines Index versprechen, müssen sich aktiv gemanagte Fonds die Frage nach ihrem Mehrwert gefallen lassen. Die Antwort darauf kann ein besseres Risikomanagement sein, denn Indexfonds gehen in diesem Punkt selten über die oben genannte Diversifizierung hinaus. Und diese wird gerne überschätzt, denn die meisten Aktienindizes sind nicht unter dem Gesichtspunkt bestmöglicher Risikostreuung zusammengesetzt.
Im Gegenteil: Vor allem der Börsenwert bestimmt über Aufnahme und Gewicht im Index. Das führt dazu, dass relativ wenige große und zuletzt stärker gestiegene Aktien hohen Einfluss haben. Kurzfristig mag dieses prozyklische Konstruktionsprinzip sogar einen Performancevorteil bringen, denn relative Stärke setzt sich zunächst oft fort. Langfristig hat es sich aber meist als nachteilig erwiesen, Aktien nur deswegen zu kaufen, weil ihr Kurs bislang stark gestiegen ist.
Aktiv gemanagte Fonds sollten also ihre Stärke beim Risikomanagement ausspielen. Das kann auf sehr viele verschiedene Arten geschehen. Die aktive Steuerung des Investitionsgrades im Zeitablauf ist dabei anspruchsvoll, weil sich plötzliche Rückschläge noch schlechter vorhersehen lassen als Schwächephasen. Timing sei nicht möglich, erklären deshalb nicht ganz zu Unrecht viele Fondsmanager – und probieren es dann doch.
Das vorherrschende Entscheidungskriterium ist die jeweils aktuelle Bewertung der Aktien. Allerdings ist auch diese nicht eindeutig. Qualität und Wachstum rechtfertigen eine Prämie auf den nackten Substanzwert. Die Qualität eines Unternehmens und sein zukünftiges Wachstum sind aber schwer zu beurteilen bzw. zu prognostizieren. So erscheint dem einen Fondsmanager eine Aktie wegen ihrer Qualität und des von ihm erwarteten Wachstums attraktiv, während ein anderer die gleiche Aktie schon für überbewertet hält, weil die Bewertungsprämien zu hoch sind.
Dass börsentäglich Millionen von Aktientransaktionen stattfinden und die Kurse dabei so schwanken, ist nur damit zu erklären, dass die Auffassungen über den angemessenen, richtigen oder fairen Wert auseinandergehen. Ein Risikomanagement, das darin besteht, entweder nur vermeintlich hohe Qualität, hohes Wachstum und überdurchschnittlich gute Geschäftsmodelle zu kaufen oder vermeintlich unterbewertete Substanzaktien, hohe Dividendenrenditen und niedrige Bewertungen, wird also höchstens phasenweise funktionieren.
Qualität und Wachstum werden oft überschätzt, vermeintliche gute Geschäftsmodelle können in einer schnelllebigen Zeit rasch überholt werden. Aber auch vermeintlich hohe Substanz kann sich als nicht werthaltig erweisen, Dividenden können gekürzt oder ganz gestrichen werden und scheinbar niedrige Bewertungen können sich als angemessen erweisen, weil die zukünftige Gewinnentwicklung tatsächlich schwach ausfällt.
Kurzum: Mit Aktienselektion den Index zu schlagen, ist schon schwer genug. Ihr gleichzeitig noch die Funktion eines Risikomanagements aufzuladen, hieße, sie zu überfordern. Weder eine Konzentration auf den großen, international tätigen Weltmarktführer bietet Sicherheit, noch ein Portfolio aus niedrig bewerteten Nebenwerten. In der Börsengeschichte gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass diese Strategien nach guten Jahren jahrelang höhere Verluste brachten.
Wer wirkliches Risikomanagement für seine Aktienstrategie proklamiert, sollte deshalb über die Aktienauswahl hinaus eine Art »Risiko-Overlay« bieten. Kostenlos gibt es das allenfalls in Form verstärkter Diversifizierung. Ein geografisch und vor allem nach Sektoren aus konjunkturunabhängigen und eher zyklischen, großen und kleinen Aktien, nach Branchen und Unternehmensgrößen diversifiziertes Aktienportfolio bietet mehr Schutz gegen unliebsame Überraschungen.
Weil weder ein einzelner Index (und damit ETF) noch kaum ein aktiver Fondsmanager diese breite Risikostreuung bietet, besteht Risikomanagement im Depot des Anlegers in der Regel in der Kombination verschiedener Fonds, die sich gut ergänzen, weil sie wenig miteinander korreliert sind. Der Einsatz von derivativen Instrumenten wie Optionen und Futures ist ein Thema für sich.
Wer als Fondsmanager versteht, damit umzugehen, kann das Risikoprofil des Gesamtportfolios damit tatsächlich reduzieren. Dies geht aber zumindest phasenweise wieder zulasten der erzielbaren Renditen. Letztendlich zahlt der Kapitalmarkt jede Rendite, die über den sicheren, aber niedrigen Geldmarktzins hinausgeht, immer nur als Risikoprämie. Ein funktionierendes Perpetuum mobile gibt es weder in der Physik noch in der Welt der Kapitalmärkte.
Aber es lassen sich unendlich viele Lösungen finden, bei denen langfristige Renditeaussichten und Risiken Hand in Hand gehen. Oder, leichter gesagt als getan, man hält die Kursschwankungen aus.
Quelle
Sie suchen stabile und ertragsstarke Anlagemöglichkeiten?
Fragen Sie uns — wir zeigen Ihnen alle Möglichkeiten
kontakt@sommese.de
LinkedIn
+49 6131 45868
Vermögen
sicher
klug
aufbauen