von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Globale Märkte Volatile Märkte
07.12.2024
Auf den klaren US-Wahlsieg der Republikaner mit ihrem Kandidaten Donald Trump reagierten US-Dollar und US-Aktien mit Kursgewinnen. Dieser sogenannte Trump-Trade stützt sich wie der Trump-Jump bei seiner ersten Wahl im Jahr 2016 auf das Versprechen weiterer Steuersenkungen und Deregulierungen für Unternehmen. Der Dow Jones Industrial Average erreichte einen neuen Rekordstand bei 44.487 Punkten und der S&P-Index kletterte erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 6.000 Zählern. Die Freude darüber wurde jedoch schnell von Sorgen getrübt.

Dow Jones mit neuem Rekordstand nach US-Wahl
Quelle: Finanzen.net / DRESCHER & CIE AG, 26.11.2024
Ein Problem könnte die Inflation werden, wenn Trump seine Wahlversprechen umsetzt. Sowohl die angekündigten Zölle als auch die deutlich verschärfte Einwanderungspolitik würde viele Preise in den USA steigen lassen. Im Wahlkampf hatte Trump aber versprochen, für fallende Preise zu sorgen. Auch Trumps Ankündigung, das US-Staatsdefizit deutlich zu senken, wird offensichtlich an den Märkten mehrheitlich nicht geglaubt, wie die Kursverluste bei US-Staatsanleihen zeigten.
Mitte September, als der Wahlausgang offen erschien, markierte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei nur 3,6 Prozent einen unteren Wendepunkt. Mit der Erwartung und Bestätigung des Trump-Wahlsiegs stieg die Rendite bis auf 4,5 Prozent. Damit ist der Abstand zum US-Dollar-Geldmarkt klein geworden, denn die Fed senkte erwartungsgemäß ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,5 bis 4,75 Prozent. Im Zinserhöhungszyklus von 2022 bis Mitte 2023 hatte sie diesen Leitzins über die Kapitalmarktzinsen hinaus angehoben, um die Inflation zu bekämpfen.
Der Markt erwartet nun für das kommende Jahr weitere Zinssenkungen, könnte aber hinsichtlich Tempo und Ausmaß der Zinsschritte enttäuscht werden, wenn die Inflation wieder anziehen würde. Hier zeichnet sich ein möglicher Konflikt zwischen dem Weißen Haus und der Notenbank ab. Deren Unabhängigkeit ist zwar gesetzlich verankert, Trump würde aber gerne Einfluss auf die Zinsentscheide nehmen und hatte bereits angekündigt, den Chef der Notenbank auszutauschen, wenn er Präsident würde. Fed-Chef Jerome Powell verneinte allerdings die Frage, ob er zurücktrete, wenn Trump dies fordern sollte.
Angesichts der angekündigten America-First-Politik taten sich die Aktienmärkte außerhalb der USA mit Kursgewinnen schwer. Der europäische Leitindex Euro-STOXX-50, der Mitte Oktober noch unweit seiner Jahreshochs oberhalb von 5.000 Punkten notiert hatte, verlor danach bis Mitte November unter dem Eindruck der Trump-Wahl rund 7 Prozent bis auf rund 4.700 Zähler.
Als Verlierer der geopolitischen Entwicklung gelten insbesondere deutsche Automobilhersteller, die in den USA und auch in China jahrelang vor allem hochpreisige Modelle mit entsprechenden Margen verkauft hatten. Andere Branchen würden jedoch genauso unter Handelskonflikten mit höheren Zöllen leiden.
Der DAX konnte seinen Rückgang gegenüber dem Mitte Oktober bei 19.675 Zählern erzielten Rekordhoch trotzdem auf rund vier Prozent begrenzen – vor allem dank eines fortgesetzten Aufwärtstrends der hoch gewichteten Aktie des Softwareherstellers SAP.
Der japanische Aktienmarkt präsentierte sich ebenso in einer abwartenden Seitwärtsbewegung. Hier setzte der Nikkei-225-Index seinen Pendelschlag in der Bandbreite von knapp 38.000 bis 40.000 Punkten fort. An den chinesischen Aktienbörsen überwogen dagegen die Sorgen. Der Hang Seng Index der Börse in Hongkong konnte die Marke von 20.000 Zählern nicht halten und näherte sich im Verlauf des November 19.000 Punkten an.
Damit ist mittlerweile die Hälfte der Kursgewinne aus der zweiten Septemberhälfte wieder verloren gegangen, als die Ankündigung von Stützungsmaßnahmen aus Peking zu einer Kursrallye geführt hatte.
Auch am indischen Aktienmarkt, der bis Ende September hohe Kursgewinne verzeichnet hatte, konnte das erreichte Kursniveau nicht gehalten werden.
Der Goldpreis erlebte in der ersten Novemberhälfte eine Korrektur, die den Preis für eine Feinunze vom Rekordhoch bei 2.790 US-Dollar um über 8 Prozent auf rund 2.550 US-Dollar zurückführte. Erfahrene Fondsmanager hatten nach dem Preisanstieg auf den kurzfristigen Konsolidierungsbedarf hingewiesen und den Preisrückgang als untergeordnete Bewegung eingestuft. Möglicherweise waren aus Sorge um mögliche Unruhen in den USA nach den Wahlen Goldpositionen eingegangen worden, die anschließend aufgelöst wurden. In der zweiten Novemberhälfte erholte sich der Goldpreis schließlich auf rund 2.700 Dollar pro Unze.

Gold
Quelle: Finanzen.net / DRESCHER & CIE AG, 26.11.2024
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