von
Sommese & Kollegen
Strategie
Trends und Märkte US-Markt
08.12.2024
Sorgen, ein knapper Wahlausgang würde die Unsicherheiten zunächst erhöhen, vielleicht sogar zu Unruhen führen, wurden durch den klaren Sieg der Republikaner und ihres Kandidaten Donald Trump bereits in der Wahlnacht zerstreut. Eine Mehrheit der Republikaner im Kongress sorgt zudem für eine handlungsfähige Regierung und wird von der Wallstreet grundsätzlich positiv bewertet. Die Idee der Checks and Balances, welche die Machtfülle des US-Präsidenten eindämmen soll, sei damit stark geschwächt, erklären die Kapitalmarktexperten der FIL Fondsbank (FFB), einem Unternehmen der US-amerikanischen Fidelity Group. Trump könne nahezu ungehindert durchregieren. Das könnte frühestens in zwei Jahren wieder anders werden, wenn sich möglicherweise die Mehrheitsverhältnisse im Kongress durch die Zwischenwahlen (Midterm Elections) verändern.
US-Aktien dürften nicht zuletzt durch Steuererleichterungen und Schutzzölle eine starke Unterstützung erhalten. Dazu erklärt Lars Murek, Investmentchef bei Portfolio Concept Vermögensmanagement in Köln, dass Steuersenkungen und Deregulierung die Unternehmensgewinne steigern und zu einem Anstieg der Investitionen führen könnten. Insgesamt habe sich das Wachstumsumfeld deutlich aufgehellt. Neben der amerikanischen Zentralbank, die durch Zinssenkungen auf eine weniger restriktive Geldpolitik umgeschwenkt sei, werde die Fiskalpolitik der amerikanischen Regierung weitere Wachstumsimpulse für die amerikanische Wirtschaft liefern.
Auch der Chef-Anlagestratege Yves Ceelen vom belgischen Fondsanbieter DPAM (Degroof Petercam Asset Management) äußert sich in seiner Reaktion auf das US-Wahlergebnis insgesamt positiv zu Aktien. Man bevorzuge US-Titel. Diese seien nicht wesentlich teurer als Aktien aus anderen Regionen, wenn man die sektoralen Abweichungen und die höhere Kapitalrendite von US-Unternehmen berücksichtigt. Small Caps, also Nebenwerte und damit Aktien von kleineren Unternehmen, seien sowohl in Europa als auch in den USA interessant. Die künftige America-First-Politik sollte US-Small Caps besonders begünstigen. Dennoch empfiehlt es sich, gesunde Bilanzen zu bevorzugen, da viele Small Caps nicht profitabel und anfällig für Zinserhöhungen seien.
Auch die Experten der Investmentgesellschaft Robeco erwarten, dass die Zollpläne von Trump gut für kleine und mittelgroße Unternehmen mit hohen Umsatzerlösen auf ihrem Heimatmarkt USA sind. Bei den Branchen, die von der Politik Trumps profitieren dürften, nennen sie Finanzen und Bergbau wegen der angekündigten Deregulierung sowie Energie – hier aufgrund einer möglichen, vielfach angekündigten Lockerung der Klimaschutzauflagen. Zu den weiteren Profiteuren sollten zudem klassische Value-Sektoren gehören.
Auch die Experten der traditionsreichen US-Investmentgesellschaft Franklin Templeton sehen steigende Wachstumserwartungen und Unternehmensgewinne, weil Trump eine Senkung der Unternehmenssteuern von 21 auf 15 Prozent versprochen hat. Der Wachstumsoptimismus der Unternehmen und geringere regulatorische Auflagen dürften für höhere Investitionsausgaben sorgen. Hauptnutznießer sollten unter anderem mittelgroße Unternehmen (Mid Caps), Energieunternehmen aus dem Sektor der fossilen Brennstoffe, Pharmawerte und Finanzdienstleister sein. Die Klimaschutzsubventionen des Inflation Reduction Acts dürften deutlich zurückgefahren werden. Allerdings könnte die angekündigte Verschärfung der Einwanderungspolitik zu einem Arbeitskräftemangel im Baugewerbe, in Restaurants und im Gesundheitswesen führen.
Belastet werden könnte der US-Aktienmarkt dagegen nach Einschätzung zahlreicher Experten durch eine höhere Inflation. Trumps zentrale Ankündigungen aus dem Wahlkampf stehen in einem krassen Widerspruch zu seinem Versprechen, die Inflation in den USA zu beseitigen. Nimmt man die Forderungen nach Remigration, Steuersenkungen und Handelszöllen zusammen, sei die inflationstreibende Wirkung kaum zu überschätzen, so die FFB. Denn schon jede einzelne dieser Maßnahmen berge bereits hohes Inflationspotenzial und erst recht das Zusammenspiel aller Maßnahmen.
Außerhalb der USA zeichnet sich ein eher gegensätzliches Bild ab. Murek verweist auf die Unsicherheit über die künftige geopolitische Rolle Europas. Entscheidend werde etwa sein, ob eher Vertreter einer konfrontativen Handelspolitik wie der frühere Handelsbeauftragte Robert Lighthizer das Ruder übernehmen oder moderatere Stimmen in der Regierung Trump die Wirtschafts- und Handelspolitik dominieren. Viele Marktbeobachter und -akteure nehmen eine abwartende Haltung ein, um zu beobachten, wie Trumps Politik nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus praktisch aussehen wird.
Quelle
Sie suchen stabile und ertragsstarke Anlagemöglichkeiten?
Fragen Sie uns — wir zeigen Ihnen alle Möglichkeiten
kontakt@sommese.de
LinkedIn
+49 6131 45868
Vermögen
sicher
klug
aufbauen