von
Sommese & Kollegen
Strategie
Trends und Märkte US-Markt
06.11.2024
Die Öl- und Gaswirtschaft galt als ein Profiteur der ersten Präsidentschaft von Trump und könnte ihre Großspenden für ihn wohl als gutes Investment verbuchen, wenn er wieder ins Weiße Haus einzieht. So leugnet der Rechtspopulist nicht nur den Klimawandel, sondern erklärt die Erderwärmung wie jüngst bei einem Wahlkampfauftritt zu „einer guten Sache“, weil dann mehr Küstengebiete entstehen würden.
Das ist gleichermaßen widersprüchlich, wie falsch und reiht sich in eine lange Liste von Lügen ein, die seine Wähler offenbar nicht stören. Einmal mehr muss Trump nicht die Mehrheit der US-Wähler hinter sich haben, sondern nur die Mehrheit der Wahlmänner. Und so rechnen die Börsen mehrheitlich mit einem Wahlsieg Trumps. Die Kapitalmärkte gelten dabei als gute Propheten. An den Börsen wird die Zukunft gehandelt, heißt es deshalb.
Als ein Indikator für Trumps Aussichten gilt vielen der Aktienkurs der Trump Media & Technology Group (TMTG), des Mutterkonzerns hinter dem sozialen Netzwerk Truth Social. Nachdem etablierte soziale Plattformen die Verbreitung von Falschinformationen und Lügen durch Trump eingeschränkt oder zumindest kommentiert hatten, hatte Trump seine eigene „unzensierte“ Plattform gegründet. Bis in die zweite Septemberhälfte hinein hatte die TMTG-Aktie Kursverluste verzeichnet, parallel zu besseren Umfrageergebnissen für die demokratische Gegenkandidatin Harris. Aber in den vergangenen fünf Wochen, einer Zeit, in der mehr und mehr Beobachter von einem Wahlsieg Trumps ausgehen, verdreifachte sich der TMTG-Aktienkurs.
Aus Anlegersicht erscheinen Wetten auf den einen oder anderen Wahlausgang trotzdem nicht sinnvoll, zumal nüchterne Analysen zeigen, dass sich nach einem bestimmten Wahlausgang die Aktien vermeintlicher Gewinner- und Verlierer-Branchen nicht diesen Erwartungen entsprechend entwickelten. So unterstreicht die Bank of America in einer kürzlich veröffentlichten Studie, dass nicht die politische Veränderung selbst die Performance von Aktien bestimmt. Entscheidend sei vielmehr das Gewinnwachstum der Unternehmen. Der unmittelbare Einfluss des Wahlausgangs werde überschätzt. Gezielt politische Maßnahmen würden oft das Gegenteil von dem bewirken, was Investoren erwartet hätten.
So war die Kursentwicklung bei Aktien der klassischen Öl- und Gasbranche während der Trump-Präsidentschaft eindeutig schlechter als die von Aktien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien. Genau umgekehrt verhielt es sich während der Präsidentschaft von Biden. »Politische Börsen haben kurze Beine«, heißt es. Im Fall der Energieaktien überlagerten andere Effekte den Einfluss des Weißen Hauses.
»Sogar zielgerichtete politische Maßnahmen haben manchmal Ergebnisse, die den Erwartungen konträr gegenüberstehen,« erklärt die Autorin der Bank of America-Studie. So sei es zweifelhaft, ob ein republikanischer Sieg im Weißen Haus und im Kongress positiv für Tesla-Aktien sei. Zwar unterstützt dessen CEO Elon Musk den Kandidaten Trump und seine republikanische Partei massiv. Tatsächlich könnte sich der Sieg aber negativ auf Tesla auswirken, da Steuervergünstigungen für Elektrofahrzeuge wahrscheinlich gefährdet wären. Und auch die Kursrallye der TMTG-Aktie könnte nicht den Wahlchancen, sondern der besseren Verfügbarkeit der Truth Social-App geschuldet sein.
Im Fazit erscheint es ratsam, vor der Präsidentschaftswahl keine panischen Veränderungen am Portfolio vorzunehmen, sondern in aller Ruhe den Wahlausgang abzuwarten – auch wenn es schwerfällt.
Quelle
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