von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Globale Märkte Volatile Märkte
05.11.2024
Die KI-Chip-Aktie Nvidia erreichte dennoch neue Rekordhöhen, mit denen der Börsenwert des Unternehmens auf dreieinhalb Billionen US-Dollar kletterte. Nachdem die US-Berichtssaison mit guten Geschäftsergebnissen von Großbanken wie JP Morgan begonnen hatte, verfehlten der Mikrochip-Maschinen-Hersteller ASML, der Luxusgüter-Konzern LVMH und der US-Krankenversicherer UnitedHealth die Erwartungen, was auch andere Aktien der jeweiligen Branche belastete.
Die Mikrochip-Branche stabilisierte sich angesichts eines guten Ausblicks des größten Chipherstellers der Welt, der TSMC aus Taiwan. Der Streamingdienst Netflix konnte viele Neukunden gewinnen, bei denen Werbung geschaltet wird, was die Tech-Aktien weiter stabilisierte. Mehr Aufmerksamkeit zog die volatile Tesla-Aktie auf sich: Zunächst überzeugten die Pläne zur Einführung selbstfahrender Taxen den Markt nicht, dann überraschte der Automobilhersteller mit einer erfolgreichen Senkung seiner Produktionskosten.
Konjunktur und Arbeitsmarkt in den USA zeigen sich weiterhin in einer robusten Verfassung und auch Wirtschaftsdaten aus China fielen im Monatsverlauf nicht so schlecht aus, wie von vielen Marktteilnehmern erwartet. Angesichts der US-Präsidentschaftswahl nahm dennoch die Risikoneigung der Investoren ab. Zudem wurden die Erwartungen an weitere Leitzinssenkungen durch die Fed reduziert, was zu einem Anstieg der Anleiherenditen führte. Nachdem die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen Mitte September mit 3,6 Prozent den tiefsten Stand seit Mitte 2023 erreicht hatte, kam es in den Folgewochen zu deutlichen Kursverlusten bei Anleihen, in deren Folge die Rendite auf über 4,2 Prozent stieg.

Renditeanstieg bei zehnjährigen US-Staatsanleihen
Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis / DRESCHER & CIE AG / 25.10.2024
Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte gut einen Monat nach Beginn ihres Zinssenkungszyklus am 12. September ihre Leitzinsen ein zweites Mal. Die Einlagefazilität, also die Zinsen, die die EZB den Geschäftsbanken zahlt, wurde wieder um ein viertel Prozentpunkt, also 25 Basispunkte, gesenkt und liegt jetzt bei 3,25 Prozent. Bei den Refinanzierungszinsen, zu denen sich die Geschäftsbanken umgekehrt Geld bei der EZB leihen können, war der erste Senkungsschritt im September mit 60 Basispunkten höher ausgefallen. Im Oktober wurden sie dann um 25 Basispunkte auf jetzt 3,4 bzw. 3,65 Prozent gesenkt.
Die Aktienmärkte verzeichneten dagegen weitere Kursgewinne. So kletterte der Dow Jones Industrial Average erstmals in seiner langen Geschichte auf über 43.000 Zähler und der S&P-500-Index auf über 5.800 Punkte. Der Nasdaq-100-Index konnte dagegen noch keine neuen Rekordmarken markieren, erreichte aber fast 20.500 Punkte, womit das Rekordhoch aus dem Juli bei 20.690 Zählern nur rund ein Prozent entfernt ist.

MSCI-World
Quelle: Finanzen.net / DRESCHER & CIE AG / 25.10.2024
Der europäische Leitindex Euro-STOXX-50 pendelte nach den Gewinnen im September seitwärts, konnte sich jedoch nicht bei über 5.000 Punkten halten. Ähnlich wie beim Nasdaq-Index steht bei einer Annäherung an die Jahreshochs, die in diesem Fall bei gut 5.100 Zählern im April und Mai erreicht wurden, einem Mangel an Anschlusskäufen eine höhere Verkaufsbereitschaft von Anlegern gegenüber. Der deutsche Aktienindex DAX erreichte dagegen Mitte Oktober einen neuen Rekordstand bei 19.674 Punkten.
Nachdem Maßnahmen der chinesischen Zentralbank People‘s Bank of China (PBoC) in der zweiten Septemberhälfte eine Kursrallye ausgelöst hatten, setzten Gewinnmitnahmen ein und ein Großteil der Kursgewinne ging wieder verloren. Anleger vermissten eine Konkretisierung der Maßnahmen. So sackte der Hang Seng Index der Börse in Hongkong, der in der Spitze der Kursrallye Anfang Oktober 23.240 Zähler erreicht hatte, wieder bis auf 20.000 Punkte ab und pendelte sich dann zwischen 20.000 und 21.000 Zählern ein.
Der Goldpreis setzte seinen Aufwärtstrend fort und kletterte erstmals in seiner Geschichte über 2.750 US-Dollar. Dagegen startete der Silberpreis eine Aufholrallye, nachdem das Gold-Silber-Preisverhältnis im September nahe dem Mehr-Jahres-Hoch von rund 90 zu 1 gelegen hatte. Mit 34,86 US-Dollar pro Unze wurde der höchste Preis seit 2012 erreicht. Die Goldnachfrage stützt sich vor allem auf die Goldkäufe von Notenbanken, die seit Jahren ihre Goldreserven ausbauen.
Für Silber ist dagegen die industrielle Nachfrage ungleich wichtiger, weil es die höchste elektrische und thermische Leitfähigkeit aller Metalle besitzt. So ist Silber ein wichtiger Rohstoff für Photovoltaikanlagen.
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