von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Globale Märkte Volatile Märkte
06.04.2026
Vor allem vom Anstieg der Preise für Erdöl und Erdgas werden negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft befürchtet. Dies dürfte insbesondere der Fall sein, wenn der Krieg länger dauern würde. Anders als beim Zwölf-Tage-Krieg im Juni vergangenen Jahres mit gezielten Angriffen auf das iranische Atomprogramm nahmen diesmal die Sorgen vor einem längeren Krieg rasch zu, weil die Trump-Regierung einen planlosen Eindruck machte. Ein langanhaltender Preisanstieg bei fossilen Energieträgern würde die Inflation wieder steigen lassen, womit sich eine Lockerung der Geldpolitik verbieten würde, auch wenn sie im Hinblick auf Konjunkturrisiken angebracht wäre.
Die Entwicklung belastete zeitweilig die asiatischen Märkte stärker, weil die Region von Ölimporten aus der Golfregion abhängig ist. Der Preisanstieg auf dem Weltmarkt macht sich allerdings auch dort bemerkbar, wo man nicht auf Öl aus dem Persischen Golf angewiesen ist, wie etwa in den USA. So schoss der Preis für ein Barrel der nordamerikanischen Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) von unter 70 US-Dollar auf über 100 US-Dollar, als es zur Ausweitung des Iran-Krieges auf Öl- und Gasanlagen und zu Angriffen auf Öltanker in der Straße von Hormus kam. Der Preis für ein Barrel der europäischen Ölsorte Brent stieg von unter 80 auf fast 120 US-Dollar.

Ölsorte West Texas Intermediate durchbricht 100-Dollar-Marke
Quelle: https://www.onvista.de/rohstoffe/Oelpreis-WTI-9320696 | 27.03.2026
Vom Preisanstieg profitierten zwar Aktien aus der Energiebranche, so der im Dow Jones enthaltene Ölkonzern Chevron und im EURO STOXX 50 der französische Ölkonzern Total. Dies milderte die Kursverluste bei den Aktienindizes aber nur wenig.
Der Dow Jones, der im Februar sein bisheriges Rekordhoch bei 50.512 Punkten markiert hatte, verlor bis zum Ende der dritten Kriegswoche rund 10 Prozent auf 45.369 Zähler. Etwas besser hielt sich der S&P 500-Index für US-Aktien, der von seinem Hoch bei 7.002 Punkten bis auf 6.474 Zähler fiel. Auch der noch stärker von Technologie-Aktien geprägte NASDAQ-100-Index konnte sich der allgemeinen Schwäche nicht entziehen und verlor vom Rekordhoch aus rund 10 Prozent.
Der Leitindex der Eurozone, der EURO STOXX 50, hatte erst Ende Februar ein neues Rekordhoch bei 6.200 Punkten erreicht, brach aber in Reaktion auf den Iran-Krieg stärker ein. Zum Auftakt der vierten Kriegswoche fiel der Index vorübergehend auf 5.377 Zähler – gegenüber dem Rekord ein Rückgang um 13 Prozent. Ähnlich reagierte der Deutsche Aktienindex DAX, der sich Ende Februar gerade dem Rekordhoch vom Januar bei rund 25.000 Punkten näherte, als der Angriff auf den Iran erfolgte. Am ersten Handelstag der vierten Kriegswoche unterschritt der DAX zeitweise 22.000 Zähler.

Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen bewegt sich in Richtung 4,0 Prozent
Quelle: https://www.finanzen.net/index/dax/historisch | 27.03.2026
Als Trump, der kurz zuvor dem Iran noch mit einer Eskalation der Angriffe gedroht hatte, den Verzicht auf solche Angriffe erklärte, unterbrachen die Märkte ihre Abwärtstrends zumindest. „Trump always chickens out“: „Trump macht immer einen Rückzieher“ ist als Akronym TACO an den Börsen schon ein bekanntes Phänomen. In der Hoffnung auf eine Deeskalation fiel der Ölpreis um rund 15 Prozent, sodass ein Barrel der Sorte Brent statt 115 schließlich noch 97 US-Dollar kostete, und die Aktienmärkte erholten sich etwas. Allerdings wurde schnell deutlich, dass etwaige Verhandlungspositionen sehr weit auseinanderlagen, wobei der Iran dementierte, dass die von Trump behaupteten Verhandlungen überhaupt stattfinden.
Japan, Indien und Südkorea gehören zu den Volkswirtschaften, die besonders stark von Öl- und Gaseinfuhren aus dem Persischen Golf abhängig sind. Die Kursverluste lagen aber in der gleichen Größenordnung wie an der Wall Street und in Europa: Der Nikkei 225 hatte ebenfalls Ende Februar ein Rekordhoch erreicht. Von dort, bei 58.740 Punkten, fiel der japanische Aktienindex bis auf 51.542 Zähler zurück, also rund 12 Prozent. Ähnlich traf es den indischen Leitindex, den BSE Sensex, der damit alle Zuwächse seit dem US-Zoll-Schock im April des Vorjahres verlor.
Prozentual höher fiel der erste Kursrückschlag an der Börse von Südkorea aus, wo der Korea Composite Stock Price Index, kurz KOSPI, rund 20 Prozent verlor. Allerdings war es dort in den Wochen und Monaten zuvor auch steil aufwärts gegangen, sodass nur die Kursgewinne aus dem Februar wieder verloren gingen. Nach einer Stabilisierung des Kursniveaus waren die Kursverluste dort nicht mehr höher als an den westlichen Aktienmärkten und gegenüber dem Jahresbeginn ergibt sich bei koreanischen Aktien weiterhin ein Gewinn.
Auch an den Anleihemärkten löste der Krieg Kursverluste aus. US-Staatsanleihen hatten sich im Februar gerade so weit erholt, dass ihre Rendite wieder knapp unter 4,0 Prozent gesunken war, als der Angriff auf den Iran zu starken Verkäufen von US-Staatsanleihen führte. Deren Rendite stieg daraufhin auf 4,4 Prozent. An den Devisenmärkten reagierte die US-Währung auf die Aussicht auf höhere US-Zinsen; der Wechselkurs des Dollars stieg von knapp 0,85 auf gut 0,87 Euro.
Gold konnte seinem Ruf als Krisenprofiteur nicht entsprechen. Die Preise von Edelmetallen litten unter den veränderten Zinserwartungen. Höhere Zinsen machen die zinslosen Edelmetalle relativ gesehen weniger attraktiv. Der Goldpreis rutschte von rund 5.400 US-Dollar pro Unze Anfang März im Laufe des Monats auf rund 4.500 US-Dollar ab.
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