von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Globale Märkte Volatile Märkte
09.05.2025
China reagierte zügig, aber im Gegensatz zu den USA sehr kalkuliert mit Gegenmaßnahmen, welche die US-Wirtschaft empfindlich treffen. Beim Versuch, den Schaden für die USA zu begrenzen, änderte Trump daraufhin seine chaotische Zollpolitik nahezu täglich. Ein Großteil der Zusatzzölle wurde ausgesetzt, auch gegen China.
Während die Hoffnung auf ein rasches Scheitern und damit ein Ende der Trumpschen Zollpolitik die Börsen stabilisierte, machte der Präsident der US-Notenbank, Jerome Powell, auf die Folgen aufmerksam: weniger Wachstum, steigende Preise und mehr Arbeitslose in den USA. Dass Trump als Reaktion Powell und die Unabhängigkeit der Notenbank öffentlich angriff, führte zu weiteren Kursverlusten. Allerdings musste Trump auch in diesem Punkt einen Rückzieher machen und erklären, er verlange nicht Powells Rücktritt.
Mit Blick auf die sich abzeichnenden Schäden durch den Handelskonflikt mit China behauptete Trump, dass man bereits Gespräche mit China über die Zölle führe. Dies stellte sich aber als Lüge heraus.
Die Wall Street reagierte Anfang April mit einem Kurseinbruch auf die von Trump verkündeten Zusatzzölle. Der Dow Jones verlor alle Kursgewinne seit Anfang 2024 und gegenüber den Rekordständen bei gut 45.000 Punkten in der Spitze fast 19 Prozent. Beim für den Gesamtmarkt repräsentativeren S&P-500-Index erreichte der Kursrückgang 21,3 Prozent (auf 4.835 Punkte) und beim Nasdaq-100 sogar 25,6 Prozent (auf 16.542,2 Zähler) – jeweils gegenüber den wenige Wochen zuvor erreichten Rekordhochs.

Dow Jones mit zweistelligen Verlusten
Quelle: Finanzen.net, DRESCHER & CIE AG, 28.04.2025
Weitaus besorgniserregender als auf die Kurseinbrüche an den Aktienmärkten wurde eine Verkaufswelle bei US-Staatsanleihen registriert. In Reaktion auf Trumps „Tag der Befreiung“ erlebte der Anleihemarkt die stärksten Kursverluste seit Jahren. Die Rendite von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit schoss binnen einer Woche von 3,9 Prozent bis auf fast 4,6 Prozent nach oben.
Die Rendite für 30-jährige Anleihen näherte sich wieder der Fünf-Prozent-Marke und damit den Höchstständen der vergangenen zwanzig Jahre. Dies löste Sorgen um die Fähigkeit der USA aus, ihre immense Staatsverschuldung noch bedienen zu können. Während sich für die USA die Aussichten für Inflation und Konjunktur selbstverschuldet verschlechterten, dürfte in der Eurozone wenigsten die Inflation unter Kontrolle sein.
Im Gegensatz zur US-Notenbank konnte die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen weiter senken. Allerdings belastete die aggressive Zollpolitik von Trump auch außerhalb der USA die Konjunkturaussichten und damit ebenso die Aktienkurse.
Der Euro-STOXX-50 verlor seine Zuwächse seit Jahresbeginn vollständig, kehrte aber recht schnell für das laufende Jahr in die Gewinnzone zurück.
Auch der Deutsche Aktienindex DAX erholte sich binnen zweier Wochen größtenteils von dem Kurseinbruch, den Trumps Zusatzzölle ausgelöst hatten. Inzwischen rechnen die Märkte damit, dass die ausgesetzten US-Zölle auch gegen Europa nicht durchsetzbar sind.

US-Dollar gegenüber Euro auf Talfahrt
Quelle: Finanzen.net, DRESCHER & CIE AG, 28.04.2025
Trotz des vergrößerten Zinsvorteils des US-Dollars gegenüber dem Euro setzte die US-Währung ihren Abwärtstrend fort. Bevor Trump mit seinen Zollankündigungen die Märkte verunsicherte, hatte der US-Dollar Anfang Februar noch bei 1,02 USD/EUR notiert. Im April beschleunigte der fortschreitende Vertrauensverlust in die USA den Rückgang auf zeitweilig 1,157 USD/EUR. Der Dollar-Verlust von über 13 Prozent binnen drei Monaten führte den Euro auf den höchsten Wert gegenüber dem US-Dollar seit 2021.
Gewinner des Vertrauensverlustes in die USA, seine Anleihen und seine Währung war das Gold. Der Goldpreis stieg auf neue Rekordhöhen und erreichte erstmals in seiner Geschichte den Wert von 3.500 US-Dollar pro Unze. Damit beschleunigte sich der Aufwärtstrend des Edelmetalls, der bereits das ganze vergangene Jahr geprägt hatte.
Quelle
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