von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Globale Märkte Volatile Märkte
08.01.2026
Größere strategische Neuausrichtungen finden zumindest selten zwischen Weihnachten und Neujahr statt, sondern eher im nachfolgenden Januar. Zudem liegen am Jahresbeginn die meisten Zinszahlungstermine, an denen Liquidität zufließt, die neu angelegt werden will. Die Börsenstatistik ermittelt somit wenig überraschend für Dezember und Januar gute Durchschnittsergebnisse. Doch der statistische Durchschnitt ist eben nur der Durchschnitt aus Vergangenheitswerten und nützt im konkreten Einzelfall nichts, wenn andere Effekte diese Einflüsse überlagern.

Bloomberg Global Aggregate TR: Ausschläge an den Zinszahlungsterminen
Quelle: Morningstar Direct | DRESCHER & CIE AG, 18.12.2025
In diesem Jahr sollten zumindest die Weltleitbörsen in New York von der Aussicht auf fallende Zinsen profitieren. Tatsächlich senkte die US-Notenbank Mitte Dezember die Fed Fund Rate als Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf 3,50 bis 3,75 Prozent. Das war an den Aktienmärkten allerdings mehrheitlich längst erwartet worden, sodass der Anstieg des Dow Jones Industrial Average Index auf ein neues Rekordhoch bei 45.452 Punkten nicht von anderen Aktienindizes begleitet wurde.
Der S&P 500 tastete sich zwar an seinen Rekordwert aus der letzten Oktoberwoche heran und sackte dann im Verlauf des Dezembers etwas ab. Der viel beachtete Nasdaq-100-Index blieb im Dezember klar unter den Ende Oktober markierten Rekordhochs. Sorgen über hohe Bewertungen von Aktien mit Bezug zum Boomthema Künstliche Intelligenz (KI) verhinderten eine Jahresendrallye.
Viele Investoren stellen sich die Frage, ob und wann sich die hohen Investitionen in KI-Rechenzentren amortisieren können. Neben klassischen KI-Aktien »aus der ersten Reihe« wie Chip-Hersteller Nvidia litten zuletzt auch Infrastruktur-Papiere der Künstlichen Intelligenz sowie Energiewerte. So galten diese angesichts des enormen Bedarfs an Elektrizität lange als heimliche Gewinner des KI-Booms in den USA.
Ein Belastungsfaktor für Vermögenswerte, die als riskanter gelten, war schon Wochen zuvor in Japan aufgetaucht: Eine Rede des Präsidenten der japanischen Notenbank, Kazuo Ueda, löste die Erwartung aus, die japanische Zentralbank (Bank of Japan, BoJ) könne ihre Leitzinsen bald erhöhen. Höhere Zinsen für den japanischen Yen können an den Kapitalmärkten zu sogenannten Risk-Off-Umschichtungen führen, weil der japanische Yen häufig zur Finanzierung von Carry Trades genutzt wird.
Anfang August dieses Jahres hatte eine Zinserhöhung der BoJ zu massiven Verkäufen an den Börsen geführt. Zinserhöhungen in Japan machen Carry Trades teurer und riskanter, was die Auflösung solcher Positionen begründen kann. Die eingesetzten Vermögenswerte, von denen man sich Kursgewinne versprochen hatte, werden dann verkauft, was deren Kurse unter Druck bringt. Neben Aktien sind auch Kryptowährungen davon betroffen.
Die europäischen Aktienmärkte konnten sich in den letzten Wochen des Jahres nicht von der Entwicklung an den Leitbörsen in New York abkoppeln. Der Euro STOXX 50 näherte sich zwar im Laufe des Dezembers seinem Rekordhoch aus dem Monat November bei 5.818 Zählern, blieb aber in der seit Oktober gültigen Bandbreite bei 5.500 bis 5.800 Punkten.
Der Deutsche Aktienindex DAX, der im November wegen der hoch gewichteten SAP-Aktie auf den tiefsten Stand seit Mai gefallen war, erholte sich, scheiterte aber erneut an der Marke von 24.000 Zählern. Der Rekordwert war schon im Oktober bei 24.771 Punkten markiert worden.
Der Euro/US-Dollar-Wechselkurs blieb in seiner seit einem halben Jahr gültigen Handelsspanne zwischen knapp 1,15 und gut 1,18 US-Dollar pro Euro. Die Zinssenkung verringerte den Zinsvorteil der US-Währung und löste einen Test der Marke 1,18 US-Dollar pro Euro aus.
Wer eine Jahresendrallye sucht, findet diese somit nur bei den Edelmetallen und den Kursen der entsprechenden Aktien. Der Goldpreis näherte sich seinem Rekordhoch von Mitte Oktober bei 4.381 US-Dollar pro Unze.
Der Silberpreis schoss dagegen auf neue Rekordhöhen. Er hatte noch im Oktober und November knapp unter 55 US-Dollar pro Unze gelegen. Nachdem diese Marke Ende November überwunden wurde, war der Weg frei für eine Silberrallye auf über 65 US-Dollar. Damit hat sich der Preis in diesem Jahr mehr als verdoppelt.
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