von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Globale Märkte Volatile Märkte
11.05.2026
Der Energiepreisschock stört das Wachstum der Weltwirtschaft empfindlich. Daher reduzierte der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognose für den Anstieg des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das laufende Jahr von 3,3 auf 3,1 Prozent. Gleichzeitig wird ein Wiederanstieg der Inflation erwartet.
Unmittelbar nachdem US-Präsident Trump dem Iran mit einem Angriff auf Energieanlagen gedroht hatte, erklärte er, auf solche Angriffe vorerst zu verzichten. Daraufhin kam es im Monatsverlauf an den Märkten zu starken Gegenbewegungen. Der Rohölpreis fiel um rund 15 Prozent und die Aktienmärkte verzeichneten Kursgewinne.
Die mit Hoffnungen auf ein Ende des Iran-Krieges erwartete Rede von US-Präsident Trump wurde von den Kapitalmärkten als »Nullnummer« bewertet. Begünstigt wurde die Kurserholung dagegen durch die erklärte Absicht des Iran, die Straße von Hormus kontrolliert zu öffnen. Auch die Verkündung eines Waffenstillstands wurde positiv aufgenommen.
Allerdings wurde schnell deutlich, dass keine Seite die Bedingungen der jeweils anderen Seite für ein Ende des Krieges akzeptieren würde. Zwar hat keine Seite Interesse an einer Fortsetzung des Krieges, will aber auch nicht den Forderungen der Gegenseite nachgeben – also eine typische Hängepartie.
Nach den gescheiterten Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Pakistan stieg der Ölpreis wieder. Im April pendelte er meist zwischen 90 und 100 US-Dollar pro Barrel. Eine ähnliche Hängepartie zeigten auch die Edelmetallpreise. Die zwischenzeitlichen Hoffnungen auf ein Kriegsende führten zu einem Preisanstieg, die enttäuschten Hoffnungen zu fallenden Preisen. Der Goldpreis pendelte im April in einer vergleichsweise engen Bandbreite um 4.750 US-Dollar pro Unze.

Kurserholung beim S&P 500
Quelle: https://www.finanzen.net/index/s&p_500/historisch | DRESCHER & CIE AG, 27.04.2026
An den Aktienbörsen überwog insbesondere in der ersten Monatshälfte eine Kurserholung von den Verlusten im März. Viele Aktienindizes kletterten in der Hoffnung auf eine Entspannung des Konflikts sogar über ihre Hochs vor Ausbruch des Krieges, darunter der globale MSCI World, der US-amerikanische S&P 500 und der japanische Nikkei 225.
Unterstützt wurde der Kursanstieg von der anlaufenden Berichtssaison, also der Veröffentlichung der Geschäftsergebnisse des ersten Quartals. In den USA übertrafen rund drei Viertel der Unternehmen die offiziellen Gewinnerwartungen. Ein Übertreffen der durchschnittlichen Schätzungen ist zwar normal, die Zahl der positiv überraschenden Unternehmen lag diesmal jedoch höher als im historischen Durchschnitt.
Traditionell stammen die ersten veröffentlichten Ergebnisse überwiegend aus der Finanzbranche. Diese gilt als Indikator für den weiteren Verlauf. Die Sorgen um die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Softwarebranche wurden zwar zwischenzeitlich kleiner, konnten aber nicht vollständig entkräftet werden.

Euro Stoxx 50 fällt in Richtung von 5.800 Punkten zurück
Quelle: https://www.finanzen.net/index/euro_stoxx_50/historisch | 27.04.2026
In Europa fielen die Geschäftsergebnisse des ersten Quartals ebenfalls überwiegend gut aus. Vor dem Hintergrund des Iran-Krieges äußerten sich jedoch viele Unternehmen vorsichtig bis zurückhaltend zu den Aussichten für 2026. Dies drückte in der zweiten Aprilhälfte auf die Aktienkurse. Der westeuropäische Leitindex EURO STOXX 50, der sich zur Monatsmitte auf über 6.000 Punkte erholt hatte, sackte auf rund 5.850 Zähler ab. Der Deutsche Aktienindex DAX hatte fast 24.800 Punkte erreicht, als sich die Stimmung wieder verschlechterte. Erst in der Nähe der runden Marke von 24.000 Punkten fand er Unterstützung.
An den Anleihemärkten stabilisierte sich die Kursentwicklung nach den heftigen Verlusten im März. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank von über 4,4 Prozent auf rund 4,2 Prozent. Die Verluste aus dem März wurden damit jedoch nicht ausgeglichen. Ende Februar, vor dem amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran war die Rendite kurzzeitig unter die Vier-Prozent-Marke gesunken. Auch die Kurse europäischer Anleihen erlebten im April eher eine Hängepartie als eine Kurserholung.
Die Devisenmärkte zeigten nach dem Anstieg des US-Dollars im März eine Gegenbewegung. Mit den Hoffnungen auf eine Entspannung in der ersten Aprilhälfte sank der US-Dollar und erreichte mit 1,18 US-Dollar pro Euro wieder das Vorkriegsniveau. Dann allerdings machte sich auch an den Devisenmärkten die Hängepartie bemerkbar, und der US-Dollar stieg wieder etwas.
Beschleunigt hat sich dagegen im April der Abwärtstrend der türkischen Lira. Die Türkei ist in hohem Umfang auf Öl- und Gasimporte angewiesen. Deren stark steigende Preise schlagen auf die Inflation durch und lassen die Währungs- und Goldreserven des Landes schrumpfen. Die Inflationsrate konnte seit dem Hoch im Jahr 2022 bei 72 Prozent in die Nähe der 30-Prozent-Marke gesenkt werden, steigt jetzt aber wieder. Der Leitzins liegt bei 37 Prozent. Gegenüber dem Euro und dem US-Dollar sank die türkische Landeswährung in die Nähe ihrer historischen Tiefststände.
Weil auch andere Länder aufgrund steigender Energieimportkosten und zur Stützung ihrer nationalen Währungskurse Gold verkaufen, entwickelt sich der Preis des Edelmetalls seit Wochen nicht parallel zum, sondern entgegen dem Ölpreis. Zudem muss auch die russische Zentralbank wegen der Haushaltslage ihre Goldreserven durch Verkäufe verringern, obwohl das Land ein Profiteur der gestiegenen Weltmarktpreise für Öl und Gas ist.
Quelle
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