von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Notenbanken Geldmarktpolitik Globale Märkte
04.04.2024
Der Designer von KI-Prozessoren erfreut sich einer monopolartigen Stellung als Anbieter entsprechender Mikrochips und macht somit gute Gewinne. Der Aktienkurs stieg in den ersten drei Monaten dieses Jahres um mehr als 90 Prozent, obwohl er sich bereits im Vorjahr mehr als verdoppelt hatte.
Allerdings sind nicht mehr alle »glorreichen Sieben« erfolgsverwöhnt. Während auch die Aktie von Meta Platforms neue Rekordhöhen erreichte und dem Konzern einen Börsenwert von über einer Billion US-Dollar bescherte, verlor der Aktienkurs des EAuto-Pioniers Tesla seit Jahresbeginn rund ein Drittel seines Wertes. Gegenüber der euphorischen Bewertung Ende 2021 hat sich der Börsenwert des Tesla-Konzerns von über einer Billion US-Dollar kommend halbiert.
Dagegen rangiert Apple mit fast 2,7 Billionen US-Dollar Marktkapitalisierung eindeutig in der Spitzengruppe. Der Aktienkurs liegt aber rund 10 Prozent unter dem Kursniveau am Jahreswechsel. Die Kursentwicklung der als »glorreiche Sieben« bezeichneten große US-Tech-Konzerne ist inzwischen also sehr unterschiedlich. Dies zeigt, wie wichtig Risikostreuung ist und welche Unterschiede aktive Aktienauswahl ausmachen kann.
Neben der überwiegend guten Entwicklung der Unternehmensergebnisse blieb auch die Aussicht auf geldpolitische Lockerungen im ersten Quartal eine wichtige Stütze für die Kapitalmärkte. Schwächere Konjunkturdaten wurden als Vorboten von Leitzinssenkungen aufgenommen. Schließlich galt die Aufmerksamkeit den Zinsentscheidungen zahlreicher Notenbanken in der Woche vom 18 bis 22. März.
Die US-Zentralbank Federal Reserve, kurz Fed, beließ nach der Sitzung ihres Offen-Markt-Ausschusses (FOMC) ihre Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert auf dem 23-Jahres-Hoch von 5,25 bis 5,5 Prozent, signalisierte aber ihre Bereitschaft zu Zinssenkungen. Für die USA werden nach neuem Stand im Jahresverlauf drei Zinssenkungen um je einen viertel Prozentpunkt erwartet. Anfang des Jahres waren mehrheitlich sechs entsprechende Zinsschritte für dieses Jahr erwartet worden.
Auch die Bank of England beließ ihren Leitzins unverändert bei 5,25 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) sah den Zeitpunkt für eine Einleitung des Zinssenkungszyklus ebenfalls noch nicht gekommen. Eher überraschend senkte die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent.
Als historisch wurde aber allein die Zinsentscheidung in Japan bezeichnet: Die Bank of Japan (BoJ) entschied nach zweitägiger Sitzung, die Spanne für die kurzfristigen Zinssätze geringfügig anzuheben. Sie legte den Tagesgeldsatz als neuen Leitzins fest und beschloss, ihn in einer Spanne von 0 bis 0,1 Prozent zu halten, indem sie unter anderem 0,1 Prozent Zinsen auf Einlagen bei der Zentralbank zahlt. Mit dieser Zinsanhebung ist die Bank von Japan die letzte der großen Zentralbanken der Welt, die sich von der Politik der Negativzinsen verabschiedet. Diese hatte sie 2016 im Kampf gegen die Deflation eingeführt. Nun vollzieht die Notenbank eine Abkehr von der jahrzehntelangen Ankurbelung des Wachstums durch eine Geldmengenausweitung.
Entgegen den vorherrschenden Markterwartungen konnte dies den Abwärtstrend des japanischen Yen nicht beenden. Gegen Euro fiel die japanische Währung Yen mit 165 Yen/Euro auf den tiefsten Stand seit 2008. Und der US-Dollar blieb bei ungefähr 152 Yen, dem niedrigsten Niveau der japanischen Währung seit 1990. Der US-Dollar/Euro-Wechselkurs verharrte im März in der engen Bandbreite von 1,08 bis knapp 1,10 US-Dollar pro Euro.
Auch an den Rentenmärkten blieben die Auswirkungen der Notenbank-Zinsentscheidungen begrenzt. Die Rendite der wegweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihen pendelte im März weiterhin in der Bandbreite der vorausgegangenen fünf Wochen zwischen 4,04 und 4,35 Prozent.

Entwicklung des japanischen Yen
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 26.03.2024
An der Wallstreet ging die Rekordjagd weiter. Der populäre Dow Jones Industrial Average Index näherte sich im März erstmals in seiner Geschichte der Marke von 40.000 Punkten auf weniger als 120 Punkte. Der für den Gesamtmarkt repräsentativere S&P-500-Index überschritt in seinem Aufwärtstrendkanal erstmals die Marke von 5.200 Zählern. Der noch stärker von den großen Technologie-Konzernen geprägte Nasdaq-100 tat sich dagegen auf dem Rekordniveau bei gut 18.300 Punkten schwerer, seinen Aufwärtstrend kraftvoll fortzusetzen.
Etliche europäische Aktienmärkte zeigten im März mehr positives Momentum als die Nasdaq-Indizes. Der Euro-STOXX-50 verlängerte seinen Lauf auf neun Gewinnwochen in Folge. Erstmals seit dem Jahr 2000 erreichte der Leitindex der Eurozone Werte oberhalb von 5.000 Zählern. Mit Einrechnung der Dividenden bedeutet das für den Euro-STOXX-50 neue Allzeit-Rekorde von über 11.700 Punkten.
Dementsprechend überschritt der Deutsche Aktienindex (DAX) erstmals in seiner Geschichte die Marke von 18.000 Punkten. Der französische CAC-40 übersprang erstmals 8.000 Zähler. Auch der japanische Aktienmarkt setzte seinen Aufschwung fort – unterbrochen von Gewinnmitnahmen. Anleger, die schon seit einiger Zeit dort investiert haben, blicken bereits auf hohe Gewinne. Dennoch sind viele sowohl in- als auch ausländische Investoren in japanischen Aktien unterinvestiert. Der Nikkei-225-Index kletterte auf neue Rekordstände über 40.000 Zähler.
An seine Kursrallye von bis Mitte Januar anzuknüpfen, tat sich der indische Aktienmarkt weiterhin schwer. Zwar konnte der Sensex 30 Index der Bombay Stock Exchange (BSE) in den ersten Märztagen ebenfalls ein neues Rekordhoch erreichen. Danach sah es aber eher nach einer Fortsetzung der Seitwärtsbewegung aus dem Februar aus.
Die chinesischen Aktienmärkte zeigten sich nahe ihren Mehr-Jahres-Tiefs im Januar zumindest stabilisiert. In Hongkong stieg der Hang Seng Index kurzzeitig über 17.000 Punkte, nachdem im Januar das Zehn-Jahres-Tief bei knapp 15.000 Zählern getestet worden war. Die Börse Shanghai kehrte gemessen am dortigen A-Aktienindex auf das Niveau vom vergangenen November zurück.
Der Ölpreis erhöhte sich im März um rund 5 US-Dollar pro Barrel, was gemessen an den Preisschwankungen der Vorjahre nur einer kleinen Änderung entspricht. Bei den Edelmetallen gab es keine auffälligen Preisveränderungen. Gold erhielt etwas mehr Aufmerksamkeit, als dessen Preis erstmals im März die Marke von 2.200 US-Dollar pro Unze erreichte.
Auch die Aussicht auf im Jahresverlauf fallende Zinsen dürften zum Goldpreisanstieg beitragen, denn das zinslose Gold war in den vergangenen Jahren vor allem durch die Konkurrenz besser verzinslicher Anlagen gebremst worden. Insofern richten auch die Gold-Investoren ihre Blicke auf die Notenbanken.

Goldpreis nach Abwärtstrend wieder leicht im Aufwind
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 26.03.2024
Quelle
Sie suchen stabile und ertragsstarke Anlagemöglichkeiten?
Fragen Sie uns — wir zeigen Ihnen alle Optionen
kontakt@sommese.de
LinkedIn
+49 6131 45868
Vermögen
sicher
klug
aufbauen