von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Leitzins Inflation Seitwärtstrend
05.08.2023
Diese Erwartung wurde durch das veröffentlichte Protokoll der US-Notenbanksitzung und starke Arbeitsmarktdaten bestärkt. Der steile Aufwärtstrend des Nasdaq-100-Indexes von Anfang Mai bis Mitte Juni konnte sich nicht fortsetzen.
In der zweiten Juliwoche führte vor allem der Rückgang der Inflation zu einer Kurserholung. Die US-Inflationsrate lag für den Juni bei 3,0 Prozent, die Kernrate bei 4,8 Prozent. Gleichzeitig sprachen robuste Konjunkturdaten dafür, dass die USA an einer harten Rezession vorbeikommen. Es dominiert das Szenario eines Soft-Landing, bei dem sich das Wirtschaftswachstum zwar abschwächt, es aber nicht oder nur kurzzeitig negativ wird, sodass es weder zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit noch zu umfangreichen Gewinnrückgängen bei Unternehmen kommt.
Auf diese Erwartung konnten sich weitere Kursgewinne an den Börsen stützen. Dagegen fielen Wirtschaftsdaten aus China schlechter aus als erwartet. Dort wurde die Hoffnung auf tragfähige Wachstumsimpulse nach dem Ende der Corona-Lockdowns zunehmend enttäuscht.
Die Aufmerksamkeit der Aktieninvestoren wandte sich der Berichtssaison zu, also der Veröffentlichung der Geschäftsergebnisse des abgelaufenen Quartals. Die US-Bankberichtssaison begann vielversprechend, als einige US-Großbanken mit ihren Ergebnissen des zweiten Quartals über den Erwartungen lagen. Bei Tech-Aktien gab es Gewinnmitnahmen, insbesondere weil die Quartalsergebnisse von Netflix und Tesla enttäuschten. Meta und Nvidia litten darunter, dass die Gewichte der höchstkapitalisierten Nasdaq-Aktien im Index verringert werden.

NASDAQ-100
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 26.07.2023
Dagegen befindet sich der europäische Leitindex Euro-STOXX-50 noch in einer solchen Seitwärtsbewegung. Seit April gelingt dem Index kein dauerhafter Anstieg über die Marke von 4.400 Punkten. Dabei hat die populäre Version des Euro-STOXX-50 allerdings den Nachteil eines Kursindexes, bei dem Dividendenzahlungen abgeschlagen werden. Der wenig beachtete Euro-STOXX-50 Performance-Index, bei dem die Dividenden eingerechnet werden, steht inzwischen bei über 10.000 Zählern und befindet sich in einem flachen Aufwärtstrend.
Beim Deutschen Aktienindex (DAX) wird in der Regel der Performanceindex betrachtet. Nach dem Schwächeanfall in der ersten Juliwoche, der diesen Index bis auf 15.500 Punkte zurückführte, erholte sich der DAX rasch wieder auf Werte über 16.000 Zähler, konnte aber nicht über das bisherige Jahreshoch aus dem Juni bei 16.427 Punkten steigen. Dies gilt umso mehr für den DAX-Kursindex: Nachdem von April bis Juni viele Gewinnausschüttungen stattgefunden hatten, lag die DAX-Spitze im Juni mit 6.508 Zählern kaum höher als das Kursniveau im April.
Auch der japanische Aktienmarkt hatte bislang Probleme, an seine hohen Kursgewinne aus den Vormonaten anzuknüpfen. Allein von Anfang Mai bis Mitte Juni war der japanische Nikkei-225-Index von rund 29.000 Zählern um über 16 Prozent auf 33.773 Punkte gestiegen, den höchsten Stand seit über 30 Jahren. Im Juli blieben größere Anschlusskäufe aus und der japanische Aktienmarkt begann mit einer Konsolidierung der Kursgewinne, wobei der Index zwischen knapp 32.000 und 33.000 Punkten pendelte.

Nikkei 225
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 26.07.2023
Die Anleihemärkte starteten mit Kursverlusten in das zweite Halbjahr, die aber schon in der zweiten Juliwoche aufgeholt wurden. Die Rendite der wegweisenden US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit erreichte ihr bisheriges Jahreshoch von Anfang März bei etwas über 4,0 Prozent, kam dann aber in den Bereich von rund 3,75 Prozent zurück. An den Devisenmärkten litt der US-Dollar bis Mitte Juli unter der Leitzinserhöhungspause im Juni.
Der kleiner werdende Zinsvorteil der US-Währung ließ den Euro bis gut 1,12 US-Dollar pro Euro steigen. Damit erreichte die europäische Gemeinschaftswährung den höchsten Stand seit über einem Jahr. In der zweiten Monatshälfte setzte der US-Dollar dann zu einer Erholung Richtung 1,10 USD/EUR an.
Bei den Kryptowährungen erlebten einige Digitalwährungen Kurssprünge von mehr als 50 Prozent, als das Urteil im Prozess der US-Wertpapieraufsicht SEC gegen das Unternehmen Ripple Labs fiel. Danach ist die von Ripple Labs emittierte Kryptowährung XRP im Retail-Markt nicht als Wertpapier einzustufen.
Die Edelmetallpreise bewegten sich im Juli vergleichsweise wenig, zeigten sich aber nach der schwächeren Entwicklung in den Vormonaten freundlicher. Der Preis für eine Unze Gold kletterte in der Spitze auf gut 1.980 US-Dollar und für eine Feinunze Silber auf etwas über 25 US-Dollar, konnten dieses Niveau aber nicht halten.
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