von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Leitzins Konjunktur Inflation
02.09.2023
Allerdings zeigt sich die Konjunktur in den USA so robust, dass weitere Maßnahmen der Notenbank zur Bekämpfung der Inflation nicht ausgeschlossen werden können. Die von vielen Experten für dieses Jahr erwartete Rezession der US-Wirtschaft ist noch nicht erkennbar. Vielmehr sieht es so aus, als könne ein Soft-Landing gelingen, wie eine Abkühlung der Konjunktur ohne einen Rückgang der gesamten Wirtschaftsleistung genannt wird.
Die US-Arbeitsmarktdaten, von denen man sich einen Hinweis darauf erwartet hatte, fielen uneindeutig aus. Gute Konjunkturnachrichten sind in diesem Umfeld ein Belastungsfaktor für die Börsen, denn die Chancen für eine bevorstehende Zinswende werden damit kleiner. Höhere Zinsen dämpfen Konsum und Investitionen, was den Anstieg des Preisniveaus bremst, aber eben auch die Konjunktur.
Die US-Inflationsrate stieg erstmals wieder leicht an, von 3,0 Prozent für das Preisniveau im Juni auf 3,2 Prozent im Juli. Etwas stärker als erwartet legten die US-Erzeugerpreise im Juli mit plus 0,8 Prozent zu, was die zinsempfindlicheren Wachstums- und Technologietitel belastete.
An den Anleihemärkten, an denen sich die Renditen durch Angebot und Nachfrage ergeben, stiegen die Zinsen weiter. Die Rendite von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit kletterte mit 4,36 Prozent knapp über das alte 10-Jahres-Hoch vom vergangenen Oktober und somit den höchsten Stand seit 2009. Zum Kursrückgang der US-Anleihen, der umgekehrt steigende Renditen zur Folge hat, hat auch die Herabstufung der US-Bonität durch die Ratingagentur Fitch beigetragen. Die Experten der Agentur stuften die Qualität der USA als Schuldner von AAA auf AA+ zurück, gleichsam von sehr gut auf eine Zwei plus.
Die Ratingagentur Standard & Poors hatte diesen Schritt bereits Anfang August 2011 vollzogen. Hintergrund der Herabstufung ist die sehr hohe und schnell weiterwachsende Staatsverschuldung der USA, die immer wieder eine Anhebung der selbstauferlegten Schuldenobergrenze notwendig macht.

10-jährige US-Rentenrendite
Quelle: Economic Research Division / Federal Reserve Bank of St. Louis / DRESCHER & CIE AG / 25.08.2023
Während sich die Konjunktur in den USA robust zeigt, ließ die konjunkturelle Entwicklung in Europa und China Schwächen erkennen. Europäische Bank-Aktien, insbesondere die in Italien, litten zeitweilig unter der dortigen Ankündigung einer Sondersteuer auf Bankgewinne. Die Sorgen um die chinesische Wirtschaft verstärkten sich angesichts der Pleite großer Immobilienkonzerne in China.
Der japanische Aktienmarkt hatte im Juli mit einer Konsolidierung der Kursgewinne aus den Vormonaten begonnen. Im August setzte sich diese leicht schwächere Tendenz fort, wobei sich der Nikkei-225-Index der Marke von 31.000 Punkten näherte. Ein Belastungsfaktor war die Geldpolitik der Notenbank. Die Bank of Japan (BoJ) gab ihre Obergrenze von 0,5 Prozent bei der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf, was den japanischen Anleihemarkt belastete. Ein weiterer Belastungsfaktor war die konjunkturelle Schwäche in China, über das Japan einen großen Teil seines Außenhandels abwickelt.

MSCI World
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 25.08.2023
An den Devisenmärkten hatte der US-Dollar bis Mitte Juli unter der Pause der US-Notenbank bei ihren Leitzinserhöhungen gelitten und war gegen Euro auf 0,89 Euro und gegen japanischen Yen auf 138 Yen gefallen. Schon in der zweiten Julihälfte gab es im Vorgriff auf die Leitzinserhöhung Ende des Monats eine Dollar-Erholung. Diese setzte sich im August bis über 0,92 Euro bzw. über 146 Yen fort. Umgekehrt fiel der Euro also von gut 1,12 Dollar auf 1,08 Dollar.
Bis in den August hinein standen die Währungen der Türkei und Russlands aufgrund der desaströsen politischen Verhältnisse weiter unter Abwertungsdruck. Beide Notenbanken stemmten sich mit deutlichen Zinserhöhungen dagegen. Die türkische Zentralbank erhöhte ihren Repo-Zinssatz um 7,5 Prozentpunkte auf 25 Prozent, die russische Zentralbank ihren Schlüsselsatz um 3,5 Prozentpunkte auf 12,0 Prozent.
Bei den Kryptowährungen überwogen nach den Kurssprüngen im Juli im August die Verluste. Neben dem Zinsanstieg belastete auch die Meldung, Elon Musks Weltraumfirma SpaceX habe ihre ganzen Bestände an Bitcoin verkauft.
Die Edelmetallpreise konnten im August nicht an die zwischenzeitliche Stabilisierung vom Juli anknüpfen. Der Goldpreis unterschritt das Zwischentief von Ende Juni. Mit weniger als 1.900 US-Dollar kostet eine Unze zeitweilig so wenig wie seit Anfang März nicht mehr. Der Silberpreis hielt sich über 22 US-Dollar pro Unze und blieb damit in der seit April gültigen Bandbreite.
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