von
Sommese & Kollegen
Strategie
Tech-Aktien Künstliche Intelligenz
02.09.2023
Hintergrund der Rallye ist der Boom der Künstlichen Intelligenz (KI). Nvidia gilt als führender Designer von KI-Mikrochips. Kein anderes Thema hat in diesem Jahr Aktien so beflügelt. Angesichts des Höhenfluges fragen sich viele derjenigen, die nicht investiert sind, ob man jetzt noch auf die rasante steigende KI-Rakete aufspringen sollte. Oder ist es dafür zu spät?
Vergleichbar euphorisch gefeierte Themen gab es an den Aktienmärkten schon öfter. Es sei an die Internet-Begeisterung des Jahres 1999 erinnert. Neue Geschäftsmodelle, die auf dem Internet basierten, wurden unkritisch gefeiert – lange bevor die Unternehmen damit Geld verdienen konnten. Bekanntlich folgte auf die Euphorie eine große Ernüchterung. Das Thema Biotech konnte 2001 Aufmerksamkeit gewinnen, als die am Human Genom Project beteiligten Forschungsunternehmungen die Sequenzierung des menschlichen Genoms verkündeten.
Eine weitere Rallye erlebten Biotech-Aktien von 2012 bis Sommer 2015. Und auch vor drei Jahren, als die erfolgreiche Entwicklung von mRNA-Impfstoffen gegen Corona Schlagzeilen machte, explodierten die Aktienkurse der entsprechenden Unternehmen. Mit dem Ende der Pandemie wich die Begeisterung der Investoren für den Healthcare-Sektor – und heute bieten sich viele dieser Aktien eher als antizyklisches Investment an.
Die Erfahrung zeigt: Kaum ein anderer Werttreiber kann solche Kursfantasien auslösen wie neue Technologien. Und das nicht (ganz) zu Unrecht. Denn tatsächlich gelingt es immer wieder innovativen Unternehmen, mit neuen Technologien hohe Gewinne zu erzielen. Die »glorreichen Sieben« (Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Tesla und eben Nvidia) sind die besten Beispiele dafür.
Allerdings geht es nicht immer so schnell und so weit wie erhofft. Etliche der vermeintlichen Gewinner überleben das Ende der Euphorie nicht. Mit ein paar Jahren Abstand sind es oft andere Unternehmen, die Produkte auf Basis der neuen Technologien etablieren und davon profitieren konnten. Vermeintliche Weltmarktführer wie Yahoo oder Nokia beispielsweise erwiesen sich langfristig als schlechtes Investment.
Die Erfahrungen der Vergangenheit sprechen dafür, nicht auf einzelne Aktien zu setzen, nachdem sich deren Kurse bereits vervielfacht haben, sondern flexibel und breit diversifiziert zu investieren. Gerade in den Technologie-Sektoren ist eine fortgesetzte Beobachtung der Unternehmen, ihrer Produkte und Märkte für den langfristigen Erfolg entscheidend. Dagegen ist es eine riskante Spekulation, wenn Privatanleger große Beträge in Einzelaktien investieren, weil sie glauben, die Apple-Aktie von morgen entdeckt zu haben.
Erfolgsstorys wie aktuell die von Nvidia sind geeignet, Anleger für die Aktienanlage zu interessieren. Die Entscheidung, wann sich in solchen Fällen noch ein Aufspringen lohnen kann oder ob die Zeit für Gewinnmitnahmen gekommen ist, überlässt man aber besser Fondsmanagerinnen und Fondsmanagern, am besten spezialisierten Fachleuten für bestimmte Tech-Sektoren.
Dass der Aktienkurs von Nvidia auf das jüngste Übertreffen der Prognosen kaum noch positiv reagierte, mag ein erstes Signal dafür sein, dass sich der rasante Steigflug der KI-Aktien so nicht mehr fortsetzen kann. Bei der Auswahl der attraktiven Tech-Themen sollte man also nicht prozyklisch den aktuellen Boom-Themen nachlaufen, sondern auch antizyklisch auf Sektoren blicken, die zuletzt mehrheitlich links liegen gelassen wurden. Biotech zählt zu letzteren.
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