von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Tech-Aktien Leitzins
03.06.2023
Höher war die Verzinsung in der Geschichte der EZB nur zwischen August 2000 und September 2001, also vor über 20 Jahren. Zudem verkaufen die Notenbanken in großem Umfang die in den vergangenen Jahren zur Stützung erworbenen Staatsanleihen, was den Märkten weitere Liquidität entzieht.
Vor den Leitzinsentscheidungen hatten an den Aktienmärkten folgerichtig Gewinnmitnahmen überwogen. Zwar sind die Zinsanhebungen und Zinserhöhungen zur Bekämpfung der immer noch hohen Inflation notwendig, sie belasten aber die Konjunktur- und Kursentwicklung. Von den Verlautbarungen der Notenbanken anlässlich ihrer Zinsschritte zeigten sich die Märkte eher enttäuscht, weil es keine klare Absage an weitere Zinserhöhungen gab – trotz der weiter schwelenden Bankenkrise unter den US-Regionalbanken.
Die schwer angeschlagene kalifornische First Republic Bank wurde von der US-Großbank JP Morgan übernommen, um die Krise einzudämmen. Zunächst war die Kursentwicklung einiger US-Technologie-Aktien schlechter, weil sich der PC-Markt schwächer als erwartet entwickelte. Apple konnte das mit einem starken iPhone-Geschäft überkompensieren. Die Veröffentlichung der Unternehmensergebnisse aus dem ersten Quartal lösten zwar bei vielen Aktien Kursreaktionen in die ein oder andere Richtung aus, vermochten dem Gesamtmarkt aber keine richtungsweisenden Impulse zu geben.
Zum Belastungsfaktor wurde im Verlauf des Monats zunehmend der politische Streit um die US-Schuldenobergrenze. Sollten sich die regierenden Demokraten nicht mit den oppositionellen Republikanern einigen, dürften die Staatsausgaben ab Juni nicht mehr durch Ausgabe neuer Staatsanleihen finanziert werden. Wenn dann fällige Staatsanleihen nicht zurückgezahlt werden, würde das die Finanzmärkte und in Folge wohl auch die reale Wirtschaft schwer erschüttern. Nur die Erwartung, dass es wie bei früheren Anhebungen der Schuldenobergrenze kurz vor der Zahlungsunfähigkeit wieder zu einer Einigung kommen dürfte, erlaubte wieder Kursgewinne.
Investoren kauften bevorzugt Aktien, die mit dem Thema Künstliche Intelligenz in Verbindung gebracht werden, weil sie von dieser Technologie starke Veränderungen im Wirtschaftsleben erwarten. Allerdings steigt die Zahl der Marktbeobachter, die vor einer neuen Techblase warnen.
Tatsächlich waren es auch in den vergangenen Wochen fast ausschließlich Aktien von Technologie-Unternehmen, die höhere Kursgewinne verzeichnen konnten. Aufgrund des hohen Einflusses, den große Tech-Aktien wie Microsoft und Apple auf viele Aktienindizes haben, können diese seit Jahresbeginn in vielen Fällen hohe Zuwächse vorweisen, so der Nasdaq-100-Index über 20 Prozent und der S&P-500 immerhin gut 8 Prozent. Die Masse der Aktien hat dagegen im laufenden Jahr kaum Kursgewinne erzielt. So liegen sowohl der Dow Jones Industrial Average als auch der US-Nebenwerteindex Russell-2000 nach den ersten fünf Monaten des Jahres leicht im Minus.
Auch die europäischen Aktienbörsen verloren im Mai den Schwung der Kurserholung von Mitte März bis April. Innerhalb einer Handelssitzung erreichte der Euro-STOXX-50 zwar ein neues Jahreshochs bei 4.412 Zählern, konnte dieses aber nicht halten. Dem Kursindex fehlen zudem die Dividenden, die in großer Zahl im Mai ausgeschüttet wurden und zu Dividendenabschlägen bei den Aktienkursen führten.
Damit konnte der Deutsche Aktienindex (DAX) als Performanceindex den Vorteil nutzen, dass hier Dividenden eingerechnet werden. Der DAX kletterte im Mai zwischenzeitlich auf 16.331,9 Punkte und überschritt damit seinen alten Rekord von 16.290 Zählern aus dem November 2021 und Januar 2022.
Auffallende relative Stärke zeigte der japanische Aktienmarkt, der angesichts seiner günstigen Bewertung und verbesserter Aussichten für die japanische Wirtschaft zunehmend von Investoren wiederentdeckt wurde. Der Nikkei-225-Index stieg im Mai deutlich, überwand dabei die Zwischenhochs der vergangenen Jahre und erreichte mit über 30.900 Punkten den höchsten Stand seit 1990.

Euro-STOXX-50 verliert durch Dividendenabschläge
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 26.05.2023
Weil die Bankenkrise nach Übernahme der First Republic Bank in den Hintergrund trat und die US-Konjunktur, insbesondere der Arbeitsmarkt, einen robusten Eindruck machte, stieg die Rendite der wegweisenden US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit im Verlauf des Mais von unter 3,4 auf über 3,8 Prozent. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen sank im Monatsverlauf zunächst auf rund 2,2 Prozent, kletterte dann aber wieder auf gut 2,5 Prozent.
Der Goldpreis hatte vor allem im März von der Bankenkrise und der damit verbundenen Hoffnung auf ein Ende des Zinsanstiegs profitiert. Anfang Mai scheiterte der Versuch, einen Aufwärtstrend oberhalb der alten Rekordhochs zu bilden. Zwar erreichte der Goldpreis kurzzeitig 2.081 US-Dollar pro Unze. Wie schon in den Jahren 2020 und 2022 überwog auf diesem Preisniveau die Verkaufsneigung, sodass der Goldpreis im Monatsverlauf auf rund 1.950 US-Dollar pro Unze zurückfiel.
Auch die Kryptowährungen konnten nicht an die Kursgewinne aus dem Frühjahr anknüpfen und litten unter Gewinnmitnahmen. Der Wechselkurs des Bitcoin entfernte sich von der 30.000-US-Dollar-Marke bis rund 26.000 US-Dollar nach unten. Der Ether-Wechselkurs pendelte sich nach dem bisherigen Jahreshoch bei 2.140 US-Dollar im April nun bei rund 1.800 US-Dollar ein.
Quelle
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