von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Globale Märkte Volatile Märkte
06.06.2025
Ein Handelsabkommen zwischen Großbritannien und den USA wurde als positives Signal gewertet. So hatte sich der britische Außenhandel nach dem EU-Austritt 2020 nicht wie dort erhofft entwickelt, was London eine schwache Verhandlungsposition bescherte.
Am 12. Mai kündigten Washington und Peking an, für 90 Tage geringere Zölle zu erheben, um eine Einigung zu erzielen. Die US-Zölle auf chinesische Waren würden für diesen Zeitraum von 145 auf 30 Prozent gesenkt, während China die Zölle auf amerikanische Waren von 125 auf 10 Prozent zu senken beabsichtigte. Dies wurde an den Aktienmärkten mit Erleichterung und Kursgewinnen aufgenommen.
Dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal überraschend schrumpfte, wird bereits auf Trumps Politik zurückgeführt. Eine schwächere Konjunkturentwicklung in den USA würde wenigstens die Chancen auf eine geldpolitische Lockerung durch die US-Notenbank erhöhen. Die Fed signalisierte aber, dass sie sich mit weiteren Zinssenkungen Zeit lasse.
Raschen Leitzinssenkungen stehen die Risiken für die Inflation entgegen, die durch die Zölle entstehen. Weil der größte Teil der Einfuhren kurz- und sogar mittelfristig nicht durch heimische US-Produktion ersetzt werden kann, dürften die Zölle zu hohen Preissteigerungen führen.
Zwar ist der Verbraucherpreisindex für den April auf den niedrigsten Stand seit Februar 2021 gesunken, aber die Wirkung der Zölle dürfte erst in der Jahresmitte stärker spürbar werden. Trotz der Deeskalation zwischen den USA und China erheben die USA jetzt durchschnittlich die höchsten Einfuhrzölle seit 1937. Zudem sprechen erste Daten dafür, dass sich die Zölle negativ statt positiv auf die Gewinnspannen der US-Unternehmen auswirken, insbesondere im Einzelhandel.
Die Kernumsätze im Einzelhandel fielen im April gegenüber dem Vormonat, vor allem aufgrund von Rückgängen bei Sportartikeln und Kaufhäusern. Die Stimmung bei Kleinunternehmen in den USA ist den vierten Monat in Folge gesunken und die Stimmung im Baugewerbe erreichte im Mai den niedrigsten Stand seit Ende 2023. Das vorläufige, von der Uni Michigan erhobene Verbrauchervertrauen für Mai ist auf ein Dreijahrestief gefallen.
Dass sich trotz eingetrübter Konjunkturaussichten der US-Aktienmarkt erholte, lag an überwiegend guten Unternehmensergebnissen. Rund 90 Prozent der 500 Unternehmen, deren Aktien im S&P 500 Index zusammengefasst werden, haben ihre Ergebnisse für das erste Quartal gemeldet und drei Viertel von ihnen übertrafen die Gewinnschätzungen. Durchschnittlich lagen die Unternehmensgewinne 12 Prozent höher als vor einem Jahr. Insbesondere US-Technologieaktien unter Führung des KI-Chipherstellers Nvidia zeigten eine weitreichende Kurserholung. Auch die Quartalsberichte der Tech-Riesen Microsoft, Meta und Alphabet fielen gut aus.
Der Dow Jones erholte sich vom Tiefpunkt des „Trump-Zoll-Crashs“ um 17 Prozent und kehrte mit Werten um 42.500 Punkten wieder in die Bandbreite zurück, die im vierten Quartal vergangenen Jahres erstmals erreicht worden war. Der für den Gesamtmarkt repräsentativere S&P-500-Index stieg vom Tiefpunkt im April sogar um gut 23 Prozent, erreichte aber trotzdem nicht ganz das Niveau vom Februar.
Beim Nasdaq-100, der mit seinen hoch gewichteten großen Technologie-Aktien besonders unter der angekündigten Zollpolitik gelitten hatte, erreichte die Kurserholung vom Tief aus fast 30 Prozent. Auch der Nasdaq-100 blieb aber unter den Rekordhöhen aus dem Februar.

Stoxx Europe 600 auf Erholungskurs
Quelle: Finanzen.net, DRESCHER & CIE AG, 26.05.2025
Ähnlich erholt zeigten sich die europäischen Aktienmärkte, so kletterte der Euro-STOXX-50 vom April-Tief um 20 Prozent wieder auf rund 5.400 Zähler. Die Quartalsberichtssaison fiel allerdings nicht so gut aus wie in den USA. Nachdem fast 90 Prozent der Unternehmen, deren Aktien im STOXX 600 erfasst werden, berichtet haben, konnten 62 Prozent davon die durchschnittlichen Gewinnschätzungen der Analysten übertreffen.
Insgesamt ergab sich jedoch kein Anstieg der Gewinne gegenüber dem ersten Quartal des Vorjahres. Auch die Umsätze lagen ungefähr auf Vorjahresniveau. Drei von elf Sektoren verzeichneten sogar einen Umsatzrückgang. Von der schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung ließen sich die europäischen Aktien nicht aufhalten. Der deutsche Aktienindex DAX erreichte im Mai sogar neue Rekordhöhen und notierte erstmals über 24.000 Punkten.
Auch der japanische Aktienmarkt erholte sich vom „Trump-Zoll-Crash“ und erklomm wieder das Kursniveau vom März. Der Nikkei-225-Index liegt allerdings noch rund 7 Prozent unter dem Stand vom Jahresbeginn. Auch in Japan liegen die Quartalsergebnisse von rund 90 Prozent der Aktiengesellschaften vor. 53 Prozent übertrafen die Gewinnschätzungen und sowohl die Umsatzerlöse als auch die Gewinne lagen im Durchschnitt 4 Prozent höher als vor einem Jahr.

US-Dollar gegenüber Euro auf Talfahrt
Source: Finanzen.net, DRESCHER & CIE AG, 26.05.2025
Die Sorgen vieler Kapitalmarkt-Strategen gelten den US-Staatsschulden. In einer Umfrage, die schon Mitte Mai durchgeführt wurde, äußerten sich 54 Prozent der Experten besorgt über den Status von US-Staatsanleihen als sicherer Hafen. Ein paar Tage später billigte das US-Repräsentantenhaus mit knapper Mehrheit Trumps Gesetz für weitere Steuersenkungen. Demnach sollen die Steuern für Reiche nochmals gesenkt werden.
Weil die Gegenfinanzierung über eine weitere Absenkung der Sozialleistungen nicht ausreicht, dürften die ohnehin besorgniserregend hohen Staatsschulden der USA weiter steigen. Die von Trump und Musk angekündigten Einsparungen im Staatsapparat erreichten bislang nur einen Bruchteil der Versprechungen.
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