von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Konjunktur Leitzins
09.02.2024
Denn es war keineswegs eine verbesserte gesamtwirtschaftliche Lage, die die Kurse steigen ließ, sondern die Erwartung fallenden Zinsen im Jahr 2024. Bis Oktober 2023 waren diese Hoffnungen immer wieder enttäuscht worden, was an den Anleihemärkten zu einem Zinsanstieg geführt hatte.
Ein Anstieg der Marktzinsen mag zwar für alle attraktiv sein, die Geld neu anzulegen haben. Aber für diejenigen, die bereits in Anleihen investiert sind, bringt ein Zinsanstieg Kursverluste mit sich. Die Neuanlage bedeutet mehr Rendite, also werden die schlechter verzinsten Anleihen verkauft, was deren Kurse nach unten drückt, bis der Zinsnachteil ausgeglichen ist. Umgekehrt bescherte der Zinsrückgang in den beiden letzten Monaten des vergangenen Jahres allen Anlegern Kursgewinne, die in Anleihen investiert waren.
Und auch die Aktienmärkte feierten den Zinsrückgang mit Kursgewinnen, eben jener Jahresendrallye, die die letzten Wochen 2023 prägte. Denn sinkende Zinsen helfen den Aktienmärkten auf verschiedenen Ebenen, finanzmathematisch und realwirtschaftlich. Das Verhältnis zwischen dem Wert eines Vermögensgegenstandes oder Wertpapiers und seinen Erträgen ist die Rendite.
Aus dieser Gleichung folgt, dass der Wert, also der Börsenkurs eines Wertpapiers steigt, wenn die allgemeine Rendite fällt – und das bei gleichbleibenden Erträgen wohlgemerkt. Es würde also keiner steigenden Unternehmensgewinne bedürfen, um die Aktienmärkte steigen zu lassen, wenn die Zinsen fallen. Dass fallende Zinsen billigere Kredite für Investoren und Konsumenten bedeuten, verstärkt diesen Effekt noch.
Kein Wunder also, dass die Börsen kaum ein wichtigeres Thema kennen als die zukünftige Entwicklung der Zinsen. Diese wird maßgeblich durch die Entscheidungen der Notenbanken beeinflusst. Mit der Anhebung der Leitzinsen bekämpften sie den starken Anstieg der Inflation. Die Verlangsamung des allgemeinen Preisanstiegs im Laufe des Jahres 2023 nährte die Hoffnung auf rasche und weitreichende Zinssenkungen.
Doch in den vergangenen Wochen erhielten die euphorischen Erwartungen einen Dämpfer. Die Inflationsraten sanken zunehmend langsamer. Die Jahresrate des Preisanstiegs lag zuletzt mit rund drei Prozent über dem erklärten Ziel von nur zwei Prozent. In Jahren, in denen in den USA Präsidentschaftswahlen stattfinden, vermeidet die US-Notenbank erfahrungsgemäß starke Veränderungen ihrer Leitzinsen.
Zinssenkungen würden von Kritikern als Unterstützung des amtierenden Präsidenten ausgelegt. Dem Vorwurf einer Einmischung in die Politik will sich die Instanz Federal Reserve nicht aussetzen. So könnte die Fed Funds Rate, die schon seit Juli 2023 unverändert bei 5,25 bis 5,5 Prozent liegt, weniger gesenkt werden, als die Börsen noch im Dezember erwartet haben.
An der Wall Street gab es nach dem Jahreswechsel vor diesem Hintergrund zunächst Umschichtungen zulasten zinssensitiver Aktien, darunter aus Technologiewerten in defensivere Branchen. Die volkswirtschaftlichen Daten zeichneten aber kein klares Bild, sodass die denkbaren Szenarien für die US-Wirtschaft in diesem Jahr von einem späten Abrutschen in eine Rezession bis zum gänzlichen Ausbleiben einer solchen reichen.
Auch die beginnende Berichtssaison mit den Geschäftsergebnissen des vierten Quartals und damit des Gesamtjahres 2023 gab für den Gesamtmarkt keine richtungsweisenden Impulse. Allerdings konnten die meisten US-Konzerne mit ihren Geschäftszahlen und Ausblicken die Investoren überzeugen.
Auch wenn die Aufwärtsdynamik hinter der Jahresendrallye von November und Dezember zurückblieb, gelang es dem populären Dow Jones Industrial Average Index doch, erstmals in seiner Geschichte über 38.000 Punkte zu klettern. Auch der für den Gesamtmarkt repräsentativere S&P-500-Index stellte mit einem Anstieg auf 4.900 Zähler seinen zwei Jahre alten Rekord ein. Gleiches galt für den Nasdaq-100 mit seinem Anstieg auf neue Rekordhochs über 17.600 Punkte.

Nasdaq-100 steigt auf Rekordhochs
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 29.01.2024
Auch die europäischen Aktienmärkte starteten zunächst verhalten in das neue Jahr. Die erste Januarhälfte war von Gewinnmitnahmen geprägt. Dann setzten auch diesseits des Atlantiks wieder stärkere Käufe ein. Nach einer Konsolidierung bis auf rund 4.400 Punkte kletterte der Euro-STOXX-50 über 4.600 Zähler. Etwas schwerer taten sich einige nationale Aktienindices, darunter der DAX.
Er gab zwischenzeitlich die Gewinne aus dem Dezember fast vollständig ab, bis er sich im Verlauf des Januars der 17.000-Punkte-Marke und damit seinem Rekordhoch bei 17.003 Zählern wieder näherte. Eine mögliche Aufholjagd europäischer Nebenwerte wollte noch nicht in Gang kommen. Insbesondere der MDAX für mittelgroße deutsche Aktien blieb klar hinter der Entwicklung der Standardwerte zurück.
Die MDAX-Schwergewichte Lufthansa, Delivery Hero und LEG Immobilien entwickelten sich nicht gut und die Aktie des Sportmodeherstellers Puma fiel sogar auf den tiefsten Stand seit über fünf Jahren, nachdem das Unternehmen mit Eckdaten und Ausblick enttäuscht hatte.
In Asien blieb die Börsenentwicklung sehr differenziert. Die japanische Börse profitierte in den ersten Wochen des Jahres vom zunehmenden Interesse der Investoren. Der Nikkei-225-Index sprang über die 34.000-Punkte-Marke, die seit Mitte des Vorjahres einen Widerstand gebildet hatte, und kletterte bis auf 36.547 Zähler, den höchsten Stand seit über 30 Jahren.
Der indische Aktienmarkt setzte seine gute Entwicklung aus dem Vorjahr zunächst fort. So erreichte der Sensex 30 Index der Bombay Stock Exchange (BSE) Mitte Januar mit 73.328 Punkten ein neues Rekordhoch. Von diesem Niveau aus drückten dann Gewinnmitnahmen auf die Kurse.
Schlecht blieb nach dem Jahreswechsel die Kursentwicklung an den chinesischen Aktienmärkten. In Hongkong fiel der Hang Seng Index zeitweilig unter 15.000 Punkte. Damit notiert dieser Index nahe seiner Zehn-Jahres-Tiefs und unter dem Corona-Crash-Niveau. Die aktuellen wirtschaftlichen Probleme, unter anderem im Immobiliensektor, gelten dabei nur als ein Symptom eines Vertrauensverlustes in das kommunistische Regime in Peking.

Nikkei-225 setzt Aufwärtstrend fort
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 29.01.2024
Der Ölpreis zeigte sich in den ersten Wochen des neuen Jahres weiter stabilisiert. Er war im vierten Quartal trotz des eskalierenden Nahost-Konfliktes deutlich gefallen, und zwar von rund 95 US-Dollar auf 75 US-Dollar pro Barrel. Im Laufe des Januars erholte sich der Ölpreis auf über 80 US-Dollar. Noch weniger verändert zeigte sich im Januar der Goldpreis.
Nachdem er sich im Dezember in einer Preisspanne zwischen 1.972 US-Dollar und dem Rekordhoch bei 2.147 US-Dollar pro Unze bewegt hatte, verengten sich die Preisschwankungen im Januar auf die Bandbreite 2.000 bis 2.080 US-Dollar.
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