von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Globale Märkte Konjunktur Leitzins
04.03.2024
So dämpfte US-Notenbankpräsident Powell die Erwartungen einer Lockerung der Geldpolitik nochmals. Die im Februar veröffentlichten Inflationszahlen für den Januar taten ein Übriges.
Der Anstieg des Preisniveaus gegenüber dem Vorjahresmonat wurde für die USA mit 3,1 Prozent berechnet und damit höher als die mehrheitlich erwarteten 2,9 Prozent. Auch die weiterhin hohe Kerninflationsrate von 3,9 Prozent spricht gegen schnelle Leitzinssenkungen der US-Notenbank, die ähnlich der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Inflationsrate von nur 2 Prozent anstrebt.
Vor allem an den Anleihemärkten machte sich diese Ernüchterung bemerkbar. Die Kurse von festverzinslichen Wertpapieren sanken, ihre Renditen stiegen dadurch. Für US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit stieg die Rendite von kaum mehr als 3,8 Prozent Anfang Februar auf mehr als 4,3 Prozent. Die Aktienmärkte verkrafteten die schrumpfende Zinssenkungsfantasie deutlich besser. Unter Führung der großen US-Technologieaktien blieb die Grundstimmung an den Aktienmärkten positiv.
An die Spitze der größten Kursgewinner setzte sich von den »glorreichen Sieben« wieder die Aktie des KI-Chipherstellers Nvidia. Getragen von abermals sehr guten Geschäftsergebnissen sprang die Aktie auf neue Rekordhöhen, wobei der Börsenwert des Unternehmens zeitweilig die Marke von zwei Billionen US-Dollar erreichte. Allein seit Jahresbeginn legte die Aktie rund 60 Prozent zu. Andere Wachstums- und Tech-Aktien litten dagegen unter dem Renditeanstieg. So notierte die Alphabet-Aktie in der zweiten Februarhälfte kaum höher als zum Jahresbeginn und Apple rund 5 Prozent darunter.
An der Wallstreet setzte sich die Rekordjagd fort. Der populäre Dow Jones Industrial Average Index stieg im Februar erstmals in seiner Geschichte über 39.000 Punkte und der für den Gesamtmarkt repräsentativere S&P 500 Index erstmals über 5.000 Zähler. Der noch stärker von großen Technologie-Konzernen geprägte Nasdaq-100 erreichte erstmals die Marke von 18.000 Punkten.
Die Aktienkurse der als »glorreiche Sieben« (Magnificent Seven) bezeichneten größten Tech-Konzerne zeigten allerdings eine zunehmend unterschiedliche Entwicklung. Während der Chip-Hersteller Nvidia mit einem Kursanstieg um 60 Prozent seit Jahresbeginn Amazon von Platz drei der wertvollsten Konzerne hinter Microsoft und Apple verdrängte, verlor der Elektroautopionier Tesla seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent seines Wertes und rangiert mit einem Börsenwert von »nur noch« gut 630 Milliarden US-Dollar nicht mehr auf Augenhöhe der übrigen Magnificent Seven, deren Marktkapitalisierung durchweg über einer Billion US-Dollar liegt.

Entwicklung des S&P 500 Index im Dreijahresvergleich
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG 27.02.2024
Auch die europäischen Aktienmärkte setzten die Kursrallye aus den beiden letzten Monaten des Vorjahres in den beiden ersten Monaten dieses Jahres fort. Dabei übertraf die Aufwärtsdynamik des Euro-STOXX-50 seit Ende Januar sogar diejenige der Nasdaq. Der Leitindex der Eurozone erreichte im Februar als Kursindex (ohne Dividenden) 4.880 Punkte, den höchsten Stand seit über 20 Jahren.
Der wenig beachtete Performance-Index, bei dem die Dividenden wie beim populären DAX eingerechnet werden, schaffte mit über 11.300 Punkten neue Rekordwerte. Der paneuropäische STOXX 600 Index kletterte sogar ohne Dividendeneinrechnung bis fast auf 500 Punkte und damit neue Höchststände. Die historischen Kurshochs hatten bei diesem Index im Jahr 2000 und im Jahr 2007 bei jeweils rund 400 Zählern gelegen.

Entwicklung des STOXX 600 Index seit Februar 2021
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 27.02.2024
Gegenüber dem November und Dezember vergangenen Jahres deutlich beschleunigt zeigte sich der Kursaufschwung in Japan. Der Nikkei 225 Index stieg über 39.000 Punkte und konnte endlich seinen Rekordwert aus dem Jahr 1989 überwinden, der damals auf dem Zenit der Japan-Euphorie der 1980er Jahre erreicht worden war.
Der indische Aktienmarkt konnte dagegen seine Kursrallye, die bis Mitte Januar für steigende Kurse gesorgt hatte, nicht mehr fortsetzen. So blieb der Sensex 30 Index der Bombay Stock Exchange (BSE) innerhalb der Bandbreite, die im Januar entstanden war.
Nach den hohen Kurszuwächsen der Vormonate war der Februar von einer Seitwärtsbewegung geprägt. Die übergeordneten Aufwärtstrends sind intakt, aber nach den hohen Kursgewinnen dürfte eine ausgeprägte Konsolidierung nicht verwundern.
Umgekehrt zeigten die chinesischen Aktienmärkte, die im Januar mit neuen Tiefs ihre Abwärtstrends bestätigt hatten, im Februar erste Anzeichen einer möglichen Stabilisierung.
In Hongkong drehte der Hang Seng Index nach einem Test der Zehn-Jahres-Tiefs bei knapp 15.000 Punkten nach oben. Der Index kehrte im Februar immerhin in die Nähe der 17.000er-Marke zurück. Der Rückzug der verschreckten Investoren dürfte nach drei verlustreichen Jahren so weit fortgeschritten sein, dass auch Maßnahmen der Regierung zur Stabilisierung der Kapitalmärkte Wirkung zeigen könnten.
Der Ölpreis blieb im Februar in der Spannbreite zwischen rund 70 und 84 US-Dollar pro Barrel. Auch beim Gold und anderen Metallen gab es keine auffälligen Preisveränderungen. Eine Unze Gold kostete im Februar zwischen gut 1.970 und knapp 2.090 US-Dollar. Damit bleibt der Goldpreis in der vergleichsweise engen Bandbreite aus den beiden Vormonaten.
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