von
Sommese & Kollegen
Strategie
Edelmetalle Diversifizierung
05.03.2024
Ein Drittel galt manchem als Daumenregel. Dies erscheint heute nach einhelliger Meinung viel zu hoch.
Unbestritten ist aber, dass Rohstoff-Investments aufgrund der geringen Korrelation mit anderen Asset-Klassen einen positiven Diversifikationseffekt in größeren Gesamtportfolios erzeugen. Die durchschnittliche Gewichtungsempfehlung von Experten liegt in der Bandbreite von 5 bis 10 Prozent. Zeitweilig kann sie höher sein, wenn Investoren diese Quote aktiv im Zeitablauf variieren. Antizyklisch, was bei Rohstoff-Investments aufgrund deren zeitlicher Länge viel Geduld erfordert. Oder prozyklisch, was eine marktnahe Beobachtung der Preisentwicklung voraussetzt. Erste Wahl bei Rohstoff-Investments bleibt Gold. Andere Edelmetalle kommen eher für aktivere Investoren in Frage, können aber inzwischen auch in Form von Wertpapieren ins Depot aufgenommen werden.
1979 rückte Silber vorübergehend ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Silberspekulation der Brüder Hunt gipfelte schließlich im Januar 1980 in einem Preis von gut 50 US-Dollar für eine Unze Silber — ein Preis, der bis heute nicht wieder erreicht werden sollte. Das Platzen der Spekulationsblase, an der sich viele Anleger beteiligt hatten, schadete Silber als Anlageinstrument für lange Zeit. Aber auch Gold fiel ab 1980 in Ungnade und geriet in einen zwanzigjährigen Bärenmarkt.
Schon den Brüdern Hunt standen grundsätzlich zwei Wege zur Verfügung, Silber zu kaufen, die sie auch beide nutzten. Der Kauf des physischen Metalls in Form von Barren und Münzen und der Kauf über die Terminbörse. Beides hat Vor- und Nachteile, die bis heute grundsätzlich weiter bestehen. Der Kauf von physischen Rohstoffen verursacht vergleichsweise hohe Transaktionskosten, erkennbar an der Geld-Brief-Spanne zwischen An- und Verkaufskursen. Transport und Lagerung verursachen Kosten und müssen vor Verlustrisiken geschützt werden. Dabei gilt es nicht nur kriminelle Gefahren im Auge zu behalten, denn Edelmetallbesitzern können auch von staatlicher Seite Verluste drohen.
Goldbesitzverbote gab es unter anderem in Deutschland mehrfach zwischen 1923 und 1955, in Frankreich 1936 bis 1937, in Großbritannien 1966 bis 1971 und in den USA von 1933 bis 1974. Letztere waren noch sehr präsent, als die Brüder Hunt begannen, Silber anzuhäufen, und veranlasste sie, das physische Silber teils in eigens gecharterten Frachtflugzeugen nach Zürich und London zu bringen – ein extremes Beispiel für Kosten bei physischen Edelmetallinvestments.
Aber auch der Handel an den Terminbörsen ist nicht vor Regeländerungen sicher. Als die New York Commodities Exchange (COMEX) dem ins Ungleichgewicht gebrachten Silbermarkt nicht mehr tatenlos zusehen wollte, erließ sie im Januar 1980 die Silver Rule 7, wonach neue Long-Positionen nur eingegangen werden durften, um bestehende Short-Positionen zu schließen. Dies brachte die Spekulationsblase zum Platzen, was wenige Wochen später mit dem Bankrott der Brüder Hunt endete.
Dem heutigen Anleger bietet sich mit Exchange Traded Commodities, kurz ETCs, eine Alternative zum Erwerb von physischen Edelmetallen. Diese beschreiten auch beide Wege, um die Wertentwicklung der zugrunde liegenden Basiswerte abzubilden. Es gibt ETCs, die physisch hinterlegt sind, und solche, die an den Terminmärkten positioniert sind. Letztere bergen entgegen einem Vorurteil kein grundsätzlich höheres Risiko, denn auch wenn das Fondsvermögen nicht selbst im Edelmetall investiert ist, so ist es doch als Sondervermögen vorhanden. Es findet ein täglicher Barausgleich statt, d.h. bei steigenden Preisen steigt das Fondsvermögen entsprechend und umgekehrt. Zudem bringt das in der Regel sehr konservativ angelegte Fondsvermögen sogar noch Zinserträge.
Je nach zugrunde liegendem Rohstoff und der aktuellen Situation am Terminmarkt kommen noch Gewinne auf der Terminkurse hinzu. So gibt es Rohstoff-ETCs, die gezielt dort höher investieren, wo die Terminkurse günstiger sind als die aktuellen Kurse am Kassa- bzw. Spot-Markt. Bei Edelmetallen spielt diese Situation, Backwardation genannt, allerdings keine große Rolle, weil die Lagerkosten von Edelmetallen vergleichsweise gering sind (anders als bei Industriemetallen oder Energieträgern) und Zinsen dafür sorgen, dass die Terminkurse in der Regel über den Kassa- bzw. Spot-Preisen liegen (Contango).
Schließlich gibt es mit der Anlage in Aktien von entsprechenden Minenunternehmen eine Möglichkeit, indirekt von steigenden Rohstoff- bzw. Edelmetallpreisen zu profitieren. Die Entscheidung für Minenaktien ist allerdings auch mit den typischen Risiken von Aktieninvestments behaftet. Zum Preisänderungsrisiko des Gesamtmarktes kommen zahlreiche unternehmensspezifische Risiken. Oft zeigen sich eine deutlich höhere Volatilität und eine Hebelwirkung gegenüber dem zugrunde liegenden Edelmetallpreis.
Kapitalmarktexperten verweisen aktuell auf die ungewöhnlich weit geöffnete Schere zwischen dem Goldpreis, der unweit seines Rekordhochs bei gut 2.000 US-Dollar pro Unze notiert, und den gesunkenen Kursen von Goldminenaktien. Auch bei anderen Rohstoffen sei eine Aufholjagd der in der jüngeren Vergangenheit stark gesunkenen Aktienkurse nur eine Frage der Zeit.
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