von
Sommese & Kollegen
Strategie
Bankenkrise Volatile Märkte
01.04.2023
Der Ausgangspunkt dieser Bankenkrise lag in Kalifornien. Dass zunächst die Silvergate Bank ins Straucheln geriet, mag inzwischen fast übersehen werden. Die Bank war eng mit der Krypto-Branche verbunden und wickelte für diese über ihr Silvergate Exchange Network SEN Zahlungen ab. Der Zusammenbruch von FTX, einer der weltgrößten Handelsplattformen für Kryptowährungen im vergangenen November, wurde der Bank zum Verhängnis. Hunderte von Millionen Dollar an Forderungen erwiesen sich als uneinbringlich. Die Silvergate Bank meldete darauf für das vierte Quartal einen Verlust von einer Milliarde Dollar. Anfang März wurde die Auflösung der Bank bekannt gegeben.
Die Silicon Valley Bank (SVB) hatte in den Jahren zuvor ein schnelles Wachstum verzeichnet und eine große Anzahl von Start-ups und Technologieunternehmen unterstützt. Sie galt als eine der wenigen Banken, die sich auf deren Bedürfnisse spezialisiert hatte und genoss in der Branche einen guten Ruf. Die Bank hatte überflüssiges Kapital in US-Staatsanleihen investiert, die aber wegen des Zinsanstiegs hohe Kursverluste erlitten. Als die SVB-Kunden begannen, mehr Geld von der Bank abzuziehen als neu dort anzulegen, musste die Bank die Anleihen verkaufen – und damit hohe Buchverluste realisieren. Den Rest erledigte ein klassischer Bank Run.
Bankenkrisen gibt es immer wieder. Es liegt in der Natur einer Bank, dass sie auf das Vertrauen derer angewiesen ist, deren Einlagen sie als Kredite an andere vergibt. Dabei ist die sogenannte Fristentransformation, also kurzfristige Einlagen als längerfristige Kredite zu vergeben, eine der volkswirtschaftlichen Aufgaben von Banken. Wenn die Kunden aber das Vertrauen in die finanzielle Stabilität einer Bank verlieren, beispielsweise durch Nachrichten oder nur Gerüchte über finanzielle Probleme der Bank oder eine bevorstehende Insolvenz, ziehen sie ihre Einlagen ab. Geschieht dies in größerem Umfang, spricht man von einem Bank Run. Durch den massenhaften Abzug von Geldern durch die Kunden einer Bank kann diese möglicherweise nicht alle Abhebungen erfüllen, da sie nicht über ausreichende liquide Mittel verfügt. Die Bank wird somit insolvent.
Bank Runs haben in der Geschichte immer wieder eine bedeutende Rolle gespielt und waren oft Vorboten oder Auslöser von größeren wirtschaftlichen Krisen. Einige Beispiele für Bank Runs in der Geschichte sind:
Bank Runs zeigen, wie das Vertrauen der Anleger in die Stabilität einer Bank den Finanzmarkt beeinflussen kann. Die panikartige Abhebung von Einlagen kann zu erheblichen Liquiditätsproblemen führen und im schlimmsten Fall das Scheitern einer Bank zur Folge haben.
Die Entwicklung der Credit Suisse (CS) spiegelt eine beunruhigende Zeit für die Bank wider, geprägt von Skandalen und geschäftlichen Misserfolgen. Der entscheidende Auslöser für den Zusammenbruch war die öffentliche Erklärung des Vorsitzenden der Saudi National Bank, des größten Aktionärs der CS mit knapp 10 Prozent, dass er der Credit Suisse unter keinen Umständen weiteres Kapital zur Verfügung stellen würde. Diese Aussage führte zu einem rapide schwindenden Vertrauen in die Bank.
Um eine unkontrollierte Ausbreitung der Bankenkrise zu verhindern, wurde die Übernahme der CS durch ihren schweizerischen Konkurrenten UBS (Union Bank of Switzerland) im Eiltempo durchgeführt. Die Großbank UBS übernahm die angeschlagene Credit Suisse für 0,76 Franken je Aktie, was insgesamt rund drei Milliarden Schweizer Franken entspricht. Der dramatische Wertverlust der CS um mehr als 90 Prozent innerhalb von zwei Jahren zeigt die Schwere der Krise, mit der die Bank konfrontiert war.
Solche Entwicklungen unterstreichen die Verwundbarkeit von Banken, insbesondere wenn sie mit Herausforderungen wie Skandalen, geschäftlichen Misserfolgen und einem Vertrauensverlust konfrontiert sind. In Krisenzeiten kann die rasche Umsetzung von Maßnahmen, wie in diesem Fall die Übernahme durch eine andere Bank, als entscheidend für die Stabilisierung des Finanzsystems angesehen werden.
Die Bankenkrise, die im März das beherrschende Thema an den Börsen war, hat zweifellos erhebliche Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die Wirtschaft. Die genaue Entwicklung und ihre langfristigen Konsequenzen bleiben jedoch abzuwarten und sind Gegenstand von Spekulationen und Analysen.
Eine Bankenkrise kann verschiedene Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Einerseits könnte sie die Kreditversorgung der Wirtschaft beeinträchtigen, da Banken in solchen Zeiten möglicherweise zögerlicher sind, Kredite zu vergeben. Dies könnte zu einer Bremsung der Konjunktur führen. Andererseits könnten Notenbanken versuchen, durch Leitzinserhöhungen die Inflation zu bekämpfen, was wiederum die Wirtschaft beeinflussen kann.
Investoren hoffen möglicherweise, dass die Bankenkrise die Zinserhöhungspolitik der Notenbanken abschwächt. In der Vergangenheit haben Notenbanken jedoch oft betont, dass sie ihr Ziel der Inflationsbekämpfung nicht aufgeben werden. Jüngste Signale von mehreren westlichen Notenbanken, darunter die US-Fed, die Europäische Zentralbank, die Bank of England und die Schweizerische Nationalbank, deuten darauf hin, dass sie weiterhin an Leitzinserhöhungen festhalten und Maßnahmen zur Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken ergreifen.
Die erfolgreiche Eindämmung der Bankenkrise und die Vermeidung von Schäden für die Realwirtschaft hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Wirksamkeit der eingeleiteten Maßnahmen, die Stabilität des Finanzsystems und die Entwicklung der globalen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Die Geschichte hat gezeigt, dass eine rasche und koordinierte Reaktion auf Bankenkrisen entscheidend sein kann, um schwerwiegende Auswirkungen zu minimieren.
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