von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Bankenkrise Leitzins
01.04.2023
Mit höheren Zinsen sinken die angemessenen Faktoren. Die Unternehmensgewinne selbst sind der entscheidende zweite Faktor. Vielen Unternehmen gelingt es in diesem Jahr wohl nicht, die Gewinne aus dem Vorjahr nochmals zu übertreffen.
Die wegweisende Rendite von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit stieg im Februar von 3,4 auf 4,0 Prozent und markierte mit 4,09 Prozent Anfang März den höchsten Stand seit November. Grund für diesen Zinsanstieg war die Gemengelage aus einer hartnäckig höheren Inflation bei einem sehr robusten Arbeitsmarkt in den USA.
In einem Umfeld, in dem nahezu Vollbeschäftigung herrscht und die Löhne steigen, dürfte der Kampf gegen steigende Preise länger dauern und höhere Zinsen erfordern. Tatsächlich erklärte der Präsident der US-Notenbank, Jerome Powell, nach einer Verringerung des Zinserhöhungstempos seien künftig wieder größere Zinsschritte möglich, um die hohe Inflation in den Griff zu bekommen.
Mit dem Beginn der Bankenkrise kam es bis Mitte März zu einem Rückgang der Marktzinsen. So kehrte die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen in die Bandbreite von 3,4 bis 3,6 Prozent zurück. Weil die raschen und in Summe hohen Leitzinserhöhungen als eine Ursache der Bankenkrise gelten, rechnet der Markt damit, dass die großen Notenbanken nun das Tempo ihrer Leitzinserhöhungen zumindest verlangsamen, um die Stabilität des Finanzsystems nicht zusätzlich zu gefährden.

10-jährige US-Rentenrendite
Quelle: Economic Research Division, Federal Reserve Bank of St. Louis / DRESCHER & CIE AG / 28.10.2022
Bislang haben weder die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) noch die Europäische Zentralbank (EZB) auf weitere Leitzinserhöhungen verzichtet. Die EZB erhöhte ihre Leitzinsen Mitte März um je 50 Basispunkte. Der Hauptrefinanzierungssatz stieg damit von 3,0 auf 3,5 Prozent.
Er gilt als wichtigster Euro-Leitzins. Zum Hauptrefinanzierungssatz können Geschäftsbanken den größeren Teil ihres Mittelbedarfs bei der Zentralbank refinanzieren. Der Spitzenrefinanzierungssatz bleibt mit jetzt 3,75 Prozent ein Viertelprozentpunkt höher. Der Einlagenzinssatz der EZB, mit dem sie Guthaben der Geschäftsbanken verzinst, wurde von 2,5 auf 3,0 Prozent angehoben.
Auch die US-Notenbank Fed hob ihre Leitzinsen in der zweiten Märzhälfte weiter an. Sie hatte ihre »Schrittweite« Anfang Februar auf ein Viertel Prozentpunkt verringert. Jetzt, sieben Wochen nach der vorausgegangenen Zinserhöhung, erfolgte erneut eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte. Die Bandbreite der Fed Funds Rate beträgt damit jetzt 4,75 bis 5,00 Prozent. Angesichts der Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems erwarten viele Marktteilnehmer, dass die Notenbanken im Jahresverlauf bei weiteren Leitzinserhöhungen vorsichtiger werden.
Allerdings betonten beide Notenbanken, dass sie das Ziel der Inflationsbekämpfung nicht aufgegeben werden. Das Bankensystem sei stabil und die Versorgung der Kreditinstitute mit Liquidität durch zusätzliche Maßnahmen gesichert worden. So erhöhten auch andere Notenbanken ihre Leitzinsen zur Inflationsbekämpfung weiter: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) setzte ihren Leitzins einen halben Prozentpunkt höher auf 1,5 Prozent und die Bank of England ihren Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf 4,25 Prozent.
Dennoch beendete die Bankenkrise in den USA die Existenz mehrerer kleinerer Banken und in Europa einer der beiden schweizerischen Großbanken: Die Credit Suisse wird von ihrem Konkurrenten UBS übernommen. Aus Sorge vor einer Ausbreitung der Bankenkrise zogen sich Anleger auch aus anderen Bankaktien zurück, was höhere Kursverluste auslöste.
Weil die Bankenkrise die Kreditbedingungen weiter verschärfen dürfte, wird von ihr eine dämpfende Wirkung auf die Konjunktur erwartet. Deshalb verzeichneten auch Aktien aus konjunkturempfindlichen Sektoren spürbare Kursverluste, beispielsweise Aktien aus der Rohstoffbranche. Der Dow Jones Industrial Average rutschte im März auf den tiefsten Stand seit Oktober.
Der Euro-STOXX-50 fiel zeitweilig auf die Marke von 4.000 Punkten zurück, nachdem Anfang März noch ein neues Jahreshoch bei 4.324 Zählern erreicht worden war. Von der Hoffnung auf eine weniger rigide Geldpolitik profitierten Technologieaktien. So legte der Nasdaq-100-Index im Verlauf des März zu und näherte sich seinem Anfang Februar markierten Jahreshoch.

Dow Jones Industrial Average
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 24.11.2022
Edelmetalle und Kryptowährungen gehörten zu den Profiteuren der Bankenkrise. Der Goldpreis stieg im März um mehr als 10 Prozent und erreichte erstmals seit April vergangenen Jahres wieder die Marke von 2.000 Dollar pro Unze.
Der Wechselkurs für einen Bitcoin war im März zunächst bis auf rund 20.000 Dollar gefallen und kletterte danach im Umfeld der Bankenkrise um rund 40 Prozent auf gut 28.000 Dollar.
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