von
Sommese & Kollegen
Strategie
Diversifizierung Anlageklassen
11.07.2025
Der Goldpreis begann die Handelswoche nach dem Einsatz der US-Bomber da, wo er die Vorwoche beendet hatte – bei rund 3.370 US-Dollar pro Unze. Und besagte Vorwoche war von einem rückläufigen Goldpreis geprägt gewesen.
Allerdings handelt Gold seit Wochen nicht weit unter dem bisherigen Rekordpreis. Dieser liegt je nach Handelsplatz bei rund 3.450 US-Dollar. In der Spitze waren für kurze Zeit 3.500 US-Dollar erreicht worden. Das war im April, was zeigt, dass der Aufwärtstrend des Goldes in den vergangenen zweieinhalb Monaten an Kraft verloren hat. Ob dies eine sogenannte Konsolidierung oder eine echte Trendermüdung ist, werden die kommenden Wochen zeigen.
Von einer Konsolidierung spricht man, wenn das erreichte Kursniveau „befestigt“ wird, was durch eine Seitwärtsbewegung oder sogar Kursrückgänge geschieht. Weil sich der Preisanstieg zuvor beschleunigt hatte, vor allem im April, spricht viel für eine solche Verschnaufpause bei einem weiterhin intakten längerfristigen Aufwärtstrend. Aber auch das ist ein guter Anlass, die Investmentstrategie zu überprüfen.
Dabei könnte die Zeit gekommen sein, sich breiter aufzustellen, also über verschiedene Edelmetalle zu diversifizieren. Denn Silber und Platin zeigten in den zurückliegenden Wochen relative Stärke: Ihre Preise zogen spürbar an, während der Goldpreis nicht vorankam. Der Silberpreis konnte sogar auf den höchsten Stand seit über zehn Jahren steigen. Damit bringt sich der kleine Bruder des Goldes in Erinnerung.
Betrachtet man das Preisverhältnis von Gold und Silber zueinander, das sogenannte Gold-Silber-Ratio, dürfte Silber über weiteres Nachholpotenzial verfügen. Denn langfristig kostete Gold selten mehr als das Achtzigfache von Silber. Das Gold-Silber-Ratio der vergangenen 50 Jahre liegt bei 65, aktuell aber bei mehr als 90. Seit Anfang 2021, als der langjährige Durchschnitt erreicht war, ist der Goldpreis viel stärker gestiegen als der Silberpreis. Gold hat in dieser Zeit sehr von seiner Einstufung als Krisen- und Reservewährung profitiert.
Weltweit bauten Zentralbanken ihre Goldreserven aus. Gleichzeitig litt Silber unter einer schwächer als erwarteten industriellen Nachfrage. Insbesondere in der Photovoltaik kommt Silber aufgrund seiner überragenden physikalischen Eigenschaften zum Einsatz. Die industrielle Nachfrage nach Gold spielt dagegen kaum eine Rolle.
Nachdem das Gold-Silber-Ratio bis April dieses Jahres gestiegen ist (in der Spitze bis auf 105 am 22. April), war in den vergangenen Wochen eine Trendwende zu beobachten. Vor allem in den ersten Juni-Tagen sank das Gold-Silber-Ratio deutlich. Damit ist ein Trend entstanden, der in den kommenden Monaten eine fortgesetzte Aufholbewegung des Silbers ermöglicht.
Allein auf Gold zu setzen, wird angesichts des nun schon weit gestiegenen Goldpreises zunehmend riskanter, denn der hohe Goldpreis macht nahezu alle existierenden Goldminenprojekte profitabel und stellt einen Anreiz dar, die Goldförderung auszuweiten. Die US-Großbank Citi warnte unlängst, die Rallye sei überzogen, die Märkte überhitzt. Die Analysten der Bank erwarten, dass die Nachfrage nach Gold ab Ende 2025 spürbar nachlassen wird.
Gründe seien unter anderem die wachsende Wahrscheinlichkeit eines wirtschaftsfreundlichen Umfelds in den USA durch neue Handelsverträge und steuerpolitische Impulse. Eine Entspannung der globalen Risikowahrnehmung würde den Bedarf nach „sicheren Häfen“ wie Gold verringern.
Hinzu käme laut Citi die geldpolitische Wende. Die Fed dürfte ab 2026 von ihrem restriktiven Kurs abrücken. Das würde das weltweite Wachstum stützen und gleichzeitig die Attraktivität von Gold senken. Laut Citi würde ein Zinsschritt von 100 Basispunkten nach unten den Goldpreis rechnerisch um 200 US-Dollar pro Unze drücken. Deshalb prognostiziert Citi für 2026 einen Rückgang auf 2.500 bis 2.700 US-Dollar je Unze.
Andere Analysten rechnen dagegen mit einem weiteren Goldpreisanstieg. Die Bank of America hält einen Anstieg auf 4.000 US-Dollar für möglich, gestützt auf strukturelle Faktoren wie Zentralbankkäufe, geopolitische Unsicherheiten und eine schleichende Erosion des US-Dollars als Weltleitwährung.
Ein weiterer Goldpreisanstieg ist möglich, aber keineswegs sicher. Anleger sollten mit geeigneten Fonds auf eine breite Risikostreuung achten.
Nach dem Motto „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ könnte man ergänzen: „Auch andere Metalle wie Silber und Platin können glänzen.“
Quelle
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