von
Sommese & Kollegen
Strategie
Leitzins Globale Märkte Fed Funds Rate
04.03.2023
Mit solchen »Übernacht-Krediten« stellen sich Banken auf dem sogenannten Interbanken-Geldmarkt untereinander Gelder zur Verfügung, um Unterdeckungen auf ihren Zentralbankkonten zu vermeiden und die vorgeschriebene Mindestreserve zu erfüllen. Üblicherweise müssen Banken und Sparkassen in den USA jeweils 10 Prozent der bei ihnen als jederzeit fällige »Sichteinlage« gehaltenen Kundengelder als Mindestreserve halten.
Der Interbanken-Geldmarktzins variiert in Abhängigkeit von den Größen Angebot und Nachfrage und wird deshalb als tatsächliche oder effektive Federal Funds Rate bezeichnet. Sollte dieser kurzfristige Geldmarktzins die von der Fed vorgegebene Bandbreite verlassen, greift die Notenbank mit sogenannten Offenmarktgeschäften ein, d.h. sie kauft oder verkauft in großem Umfang Geldmarktpapiere, wodurch sich der Marktzins wieder in das Zielband bewegt.
Meist reicht allerdings allein schon die öffentliche Festlegung des Zielbandes aus, weil der Markt andernfalls fest mit Marktinterventionen der Notenbank rechnen kann. Weil die US-Notenbank nach den Regeln von Angebot und Nachfrage auf dem offenen Markt agiert, heißt das Gremium der Notenbank, das die Bandbreite festlegt, auch Federal Open Market Committee, abgekürzt FOMC, auf Deutsch Offenmarktausschuss.
In anderen Ländern ist es üblich, dass die jeweilige Notenbank bestimmte Zinssätze festlegt, zu denen sich Banken Liquidität bei ihr beschaffen können, so beispielsweise der Haupt- und der Spitzenrefinanzierungssatz der Europäischen Zentralbank (EZB) oder klassische Diskontsätze. Diese sind auf das Engste mit dem jeweiligen Interbanken-Geldmarkt verbunden, sodass sie im praktischen Ergebnis genauso als Leitzinsen eingesetzt werden, um das kurze Ende der Zinsstruktur, also die Geldmarktzinsen, maßgeblich zu beeinflussen
Das lange Ende, also die Renditen von Anleihen mit Laufzeiten von zehn Jahren und mehr, beeinflussen Notenbanken in Europa und Asien, indem sie entsprechende Anleihen kaufen und verkaufen, gleichsam auch über den offenen Markt. Allerdings sind diese Markteingriffe umstritten, insbesondere die sogenannte quantitative Lockerung (Quantitative Easing), also die Anleihekäufe durch die Notenbank.
Wenn die Fed Funds Rate erhöht wird, werden kurzfristige Interbankendarlehen für Banken teurer. Die Bereitschaft und Fähigkeit der Kreditinstitute, Kredite zu vergeben, sinkt. Die höheren Zinsen werden in Form steigender Kreditzinsen an die Darlehensnehmer weitergegeben. Obwohl der Leitzins selbst ein kurzfristiger Geldmarktzins ist, werden nicht nur Kontoüberziehungen und Dispositionskredite, sondern auch Konsum- und Investitionskredite mit längeren Laufzeiten teurer.
Privathaushalte stellen insbesondere größere Konsumanschaffungen wie Autos oder Wohnimmobilien zurück und für Unternehmen rechnen sich Investitionen weniger. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sinkt, womit auch die Inflation fallen sollte. Gleichzeitig ist Geldpolitik eine Gradwanderung, denn zu starke (Leit-)Zinserhöhungen drohen ganze Volkswirtschaften in eine Rezession zu führen. Auch deshalb wird an den Börsen kaum ein Thema so intensiv diskutiert.

Entwicklung der Federal Funds Effective Rate seit 2013
Quelle: Federal Reserve Economic Data / DRESCHER & CIE AG / 27.02.2023
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