von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Leitzins Inflation
04.03.2023
Um von diesem historisch niedrigen Niveau, das erstmals nach der Finanzkrise 2008 für damals sieben Jahre (bis Dezember 2015) gegolten hatte, rascher zu höheren Zinsen zu kommen, waren größere Erhöhungsschritte notwendig. Statt nur um 0,25 Prozent erhöhte die Fed im Mai vergangenen Jahres erstmals seit Mai 2000 um 0,50 Prozent und dann viermal sogar um je 0,75 Prozentpunkte. Erst im Dezember signalisierte sie mit einer weiteren Leitzinsanhebung um 0,50 Prozentpunkte, dass sie die Schrittweite wieder verkleinern kann. So erfolgte am 1. Februar dieses Jahres nur eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte. Die letzte Zinserhöhung dürfte es aber nicht gewesen sein. Um die Märkte darauf vorzubereiten, stellte die Fed eine weitere geldpolitische Straffung in Aussicht.
Der wichtigste Einflussfaktor auf die Kapitalmärkte in den vergangenen Wochen blieb die Zinspolitik der US-Notenbank. Als bei der Leitzinserhöhung Anfang Februar angekündigt wurde, dass weitere Leitzinserhöhungen folgen müssten, erschreckte das die Börsen kurzfristig. Die Zinsschritte waren jedoch kleiner geworden. Das hatte Hoffnungen geschürt, die Fed könne bald aufhören, ihren Leitzins zu erhöhen.
Entgegen allen Aussagen von US-Notenbankern rechnete der Markt sogar mit ersten Leitzinssenkungen schon im zweiten Halbjahr. Und so klopfte man die Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell auf mögliche optimistische Sichtweisen ab. Rasch interpretierten Marktteilnehmer seine Rede als weniger falkenhaft, sodass die Kapitalmärkte sogar noch einmal Kursgewinne erlebten.
Auch die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 0,50 Prozentpunkte und die Ankündigung, dass es nicht die letzte war, entsprach den Erwartungen. Die Einlagefazilität wurde auf 2,5 Prozent angehoben, der Hauptrefinanzierungssatz auf 3,0 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz auf 3,25 Prozent. Die EZB hatte bekanntlich erst im Juli vergangenen Jahres begonnen, ihre Leitzinsen zu erhöhen.
Auf den ersten Schritt um 50 Basispunkte waren im September und Oktober recht schnell zwei Erhöhungen um jeweils 75 Basispunkte gefolgt, bevor im Dezember die Schrittweite auf 50 Basispunkte verringert wurde.
Beiderseits des Atlantiks gibt es keine historischen Vorbilder für einen so raschen und starken Anstieg der Zinsen. Das Ausgangsniveau war ungewöhnlich niedrig, sodass die rasche Abfolge der Zinserhöhungen und ihre zumindest phasenweise mit 75 Basispunkten ungewöhnliche Schrittgröße die Märkte besonders stark trafen.
Sollte die für dieses Jahr erwartete Konjunkturschwäche weniger dramatisch ausfallen, als in den vergangenen Monaten erwartet wurde, müssen die Notenbanken umso stärker die Inflation bekämpfen. Als die im Februar veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten gut ausfielen, führte das zu Kursverlusten, weil der starke Beschäftigungsanstieg auf die Inflation und damit auch auf die Zinsen erhöhend wirken dürfte.
Auch der in der ersten Monatshälfte steigende Ölpreis bestärkte Inflations- und Zinssorgen. Die US-Inflation im Januar wurde mit 6,4 Prozent bekanntgegeben. Mehrheitlich war ein stärkerer Rückgang der Teuerung erwartet worden. Dies bremste insbesondere Technologieaktien, die empfindlicher auf steigende Zinsen reagieren, weil sich ihre Bewertung stärker auf weiter in der Zukunft liegende Gewinnerwartungen stützt.

Ölpreisentwicklung der Sorte WTI von 2020 bis heute
Quelle: DRESCHER & CIE AG
Aber nicht nur von der volkswirtschaftlichen Seite gerieten Technologie-Aktien im Februar unter Druck. Auch die Verlautbarungen einiger großer US-Tech-Konzerne selbst veranlassten Investoren, sich von ihren Aktien zu trennen. Bei Apple, Amazon und Alphabet reagierten die Börsen enttäuscht mit Kursverlusten auf die Nachricht, dass das Umsatz- und Gewinnwachstum das hohe Niveau der vergangenen Jahre zumindest aktuell nicht halten kann.
Dagegen überraschte Meta (Facebook) Anfang Februar positiv und der Kurs machte zumindest die Verluste seit Sommer vergangenen Jahres wieder wett. Gegenüber den Rekordkursen aus dem Spätsommer 2021 hat sich der Aktienkurs allerdings immer noch halbiert.
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