von
Sommese & Kollegen
Strategie
Trends und Märkte Nachhaltige Geldanlage
10.03.2025
Die ESG-Ermüdung dürfte auf verschiedene, zusammenwirkende Gründe zurückzuführen sein. Zum einen ist eine abnehmende Präsenz der Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz in den Medien und in der öffentlichen Diskussion zu beobachten, was typisch für konjunkturell schwächere Phasen ist. Zum anderen wird die Wahrnehmung von dem seit drei Jahren akuteren Problem des russischen Angriffskrieges überlagert.
Hinzu kommt eine gewisse Überforderung durch die ESG-Regulatorik bei Anlegern und ihren Beratern. Und schließlich dürfte auch ein geringes Vertrauen in die Wirksamkeit nachhaltiger Fonds eine Rolle spielen. Deutlich wird dies am Beispiel der in Europa unterschiedlichen Bewertung von Atomkraft, die zwar weitgehend klimaneutral, aber nicht im strengen Sinne nachhaltig ist.
In den USA ist seit der Trump-Wahl eine Abkehr etlicher US-amerikanischer Asset Manager von ESG-(Selbst-)Verpflichtungen zu beobachten. Auf Europa ist diese Entwicklung aber nicht übertragbar. Der regulatorische Rahmen wird auf EU-Ebene definiert und macht keine Abstriche an Nachhaltigkeitszielen. Der European Green Deal von 2019 verfolgt weiterhin das Ziel, Europa bis 2050 klimaneutral werden zu lassen.
Der damit unverändert gesetzte regulatorische Rahmen besteht im Wesentlichen aus den EU-Verordnungen 2019/2088, 2020/852 und 2022/1288, also der Taxonomie-Verordnung (2020/852) und der Offenlegungsverordnung (2019/2088 und 2022/1288).
Damit hatte sich die Fondsbranche bereits arrangiert. Zu schaffen machen dagegen vielen Fondsanbietern in Europa zurzeit die ESMA-Leitlinien zur Namensgebung bei Investmentfonds (ESMA Fund Naming Guidelines). Diese sind im November vergangenen Jahres für neue Fonds in Kraft getreten, gelten aber im kommenden Mai auch für bereits bestehende Fonds. Danach muss bei der Verwendung nachhaltigkeitsbezogener Begriffe im Fondsnamen dies die Anlage des Fonds zu mindestens 80 Prozent erkennbar widerspiegeln.
In der Praxis stehen viele Fondsanbieter damit aktuell unter Druck, entweder die praktische Anlagestrategie solcher Fonds entsprechend zu ändern oder die Fonds umzubenennen. Der Anteil der davon betroffenen nachhaltigen Fonds wird auf 30 bis 50 Prozent geschätzt.
In dieser ESG-Ermüdung sehen Fondsanbieter, die sich seit jeher der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlen, auch eine Chance. »Es ist natürlich ein Stück weit leichter, wenn nicht jeder mit riesigen Marketingabteilungen alle davon überzeugen will, dass er absolut grüne Produkte hat. Und wir sehen jetzt sehr deutlich, dass die Anbieter, die es nicht ernst meinen, für die das ein Marketinghype war, sich jetzt wieder zurückziehen«, erklärt dazu Franziska Peter von GLS Investment Management.
Auch andere Branchenvertreter stellen fest, dass die regulatorischen Vorgaben dem Thema zwar Aufmerksamkeit in der Breite bescherten, es aber auch nicht einfach machten, die Kapitalanlagen in das jeweilige Korsett zu zwängen.
»Für unsere Kunden (…) war es immer selbsterklärend, dass sie im Bereich der erneuerbaren Energien investieren, etwas für die Nachhaltigkeit und für den Klimaschutz tun und damit auch sehr zufrieden sind«, erklärt Jörg Bosboom von der ÖKORENTA. »Impact« und »Transition« werden zwar stärker in den Vordergrund gestellt als früher, dürften aber aufgrund schwieriger Wirkungsnachweise kein vorherrschender Trend werden. So sei es bislang nicht erkennbar, dass diese Themen zu einer eigenständigen Fondskategorie werden könnten.
Quelle
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