von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Leitzins Konjunktur Notenbanken
04.07.2024
Die Europäische Zentralbank (EZB) konnte dagegen dem unterschiedlichen volkswirtschaftlichen Umfeld entsprechend die erste Leitzinssenkung seit 2019 beschließen. Sie senkte am 6. Juni den Hauptrefinanzierungssatz, den Spitzenrefinanzierungssatz und ihren Einlagezinssatz um jeweils 25 Basispunkte. Dies entsprach den Erwartungen des Marktes und blieb deshalb ohne größere Auswirkungen auf die Kurse.
Der Zinsvorteil, den der US-Dollar gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung hat, wurde durch die unterschiedliche Leitzinspolitik der beiden Notenbanken noch größer, was am Devisenmarkt für leichte Gewinne der US-Währung sorgte. So kostete Anfang Juni ein Euro zeitweilig gut 1,09 US-Dollar und Mitte des Monats dagegen nur noch 1,07 US-Dollar. Insgesamt blieb der Euro/Dollar-Wechselkurs aber in der seit Monaten gültigen Bandbreite.
Die Anleihemärkte zeigten sich beiderseits des Atlantiks eher freundlich. Die wegweisende Rendite von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit sank erstmals seit März wieder bis auf 4,2 Prozent. Im April waren in der Spitze gut 4,7 Prozent erreicht worden.

EZB senkt Hauptrefinanzierungssatz um 25 Basispunkte
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 26.06.2024
An den Aktienmärkten sorgte zunächst das Thema Künstliche Intelligenz (KI) weiter für Begeisterung und steigende Kurse. Mit Spannung wurden die Quartalsergebnisse von Nvidia erwartet. Der KI-Chip-Hersteller übertraf die Erwartungen erneut und die Aktie stieg auf neue Rekordhöhen. Mit einem Börsenwert von über 3,4 Billionen US-Dollar übertraf Nvidia zeitweilig Microsoft und Apple als wertvollste Unternehmen der Welt. Dann setzten allerdings auch bei den Chip-Aktien Gewinnmitnahmen ein. Bei einigen US-Technologiekonzernen wurden die Ausblicke, welche die Unternehmen veröffentlichten, negativ aufgenommen.
Der S&P-500-Index und die Nasdaq-Indizes konnten trotzdem ihren Aufwärtstrend fortsetzen und im Laufe des Junis neue Rekorde erreichen. Dem alten Dow Jones Index gelang das nicht. Er wurde u.a. von Boeing gebremst. Der von technischen Mängeln und Skandalen erschütterte Flugzeugbauer meldete, dass er tief in den roten Zahlen steckt. Der Dow Jones blieb zwischen 38.000 und 40.000 Zählern, während der S&P-600 erstmals 5.500 Punkte erreichte und der Nasdaq-100 fast 20.000 Zähler.
Die europäischen Aktienmärkte wurden unterdessen von der politischen Unsicherheit nach den Wahlen zum Europa-Parlament belastet. Hohe Kursrückgänge gab es insbesondere in Frankreich, wo Präsident Macron nach Stimmengewinnen für die Rechtspopulisten Neuwahlen ansetzte. Zudem machten sich Investoren Sorgen um einen möglicherweise drohenden Zollstreit mit China, nachdem europäische Schutzzölle gegen chinesische Elektrofahrzeuge beschlossen wurden. Der französische Leitindex CAC-40 fiel zeitweilig unter 7.500 Zähler und verlor damit fast alle Zuwächse des laufenden Jahres.

Kursverlust beim französischen CAC-40
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 26.06.2024
Der Euro-Stoxx-50 fiel bis auf 4.820 Punkte, auf den tiefsten Stand seit Februar. Besser hielt sich der Deutsche Aktienindex DAX, der nur bis auf rund 18.000 Zähler zurückfiel und damit oberhalb des Zwischentiefs vom April blieb. Dabei half auch die Einrechnung der Dividenden, die größtenteils in den vergangenen Wochen für das vorausgegangene Jahr ausgeschüttet wurden. CAC-40 und Euro-Stoxx-50 sind im Gegensatz zum Performanceindex DAX sogenannte Kurs- oder Preisindizes, bei denen Dividenden nicht in die Berechnung einfließen. Diese Indizes leiden dementsprechend unter Dividendenzahlungen, weil die Aktienkurse dann einen Dividendenabschlag erfahren
Der japanische Aktienmarkt blieb auch im Juni in der Seitwärtsbewegung, die bereits den Mai geprägt hatte. So pendelte der Nikkei-225-Index zwischen knapp 38.000 und rund 39.300 Zählern. Die Bewertung der japanischen Währung setzte sich bis auf fast 160 Yen für einen US-Dollar fort, den höchsten Stand seit über 30 Jahren.
Die chinesischen Börsen konnten unterdessen nicht erfolgreich an die Kurserholung bis Mitte Mai anknüpfen. Ein Teil der Kursgewinne ging wieder verloren, womit nach mehreren schlechten Jahren die Chancen auf eine kurzfristige Trendwende nach oben kleiner wurden.
Der im Gegenzug seit Jahren von Investoren bevorzugte indische Aktienmarkt setzte dagegen seine Rekordjagd fort. Das Wahlergebnis, das Premier Modi und seine Hindu-Nationalisten zu einer Koalition zwingt, wurde positiv aufgenommen.
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