von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Leitzins Globale Märkte
04.10.2024
Die Aktienmärkte honorierten das positive Szenario aus robuster Konjunktur und bevorstehender Zinssenkung schon vor der Fed-Sitzung mit einer weitreichenden Erholung. Dabei kehrten einige globale und US-Aktienindizes auf ihre Rekordhochs aus dem Juli zurück.
Mit Spannung fieberten die Aktienmärkte den neusten Quartalsergebnissen des KI-Chipherstellers Nvidia entgegen. Weil dieser in einigen Punkten die sehr hohen Erwartungen enttäuschte, musste der Aktienkurs einen prozentual zweistelligen Rückschlag hinnehmen. Die Börsen zeigten sich davon insgesamt wenig beeindruckt.
Allerdings kehrten Anfang September die Sorgen um eine mögliche Überbewertung der KI-Geschäftsmodelle nochmals zurück. Neben Nvidia gerieten auch andere Aktien der Mikrochip-Branche unter Druck, darunter insbesondere Broadcom. Dann aber profitierte die Stimmung für US-Technologie-Aktien von der Ankündigung einer Kooperation des Datenbank-Spezialisten Oracle mit dem Cloud-Dienst von Amazon, sodass sich auch dieser Sektor stabilisieren konnte.
Am 12. September gab die Europäische Zentralbank (EZB) wie erwartet bekannt, ihre Einlagefazilität um 25 Basispunkte auf 3,50 Prozent zu senken. Dies ist der Zinssatz, den Geschäftsbanken auf ihre Guthaben bei der Zentralbank erhalten. Die Senkung dürfte sich somit rasch bei der Höhe der Termin- und Festgeldzinsen für Sparer bemerkbar machen. Deutlicher fielen mit jeweils 60 Basispunkten (auf 3,65 bzw. 3,90 Prozent) die Zinssenkungen bei den Refinanzierungssätzen aus, zu denen sich Geschäftsbanken Geld bei der EZB leihen können. Diese Zinsen dürften sich mit etwas Verzögerung in fallenden Kreditzinsen für Bankkunden niederschlagen.

Entwicklung der Federal Funds Effective Rate seit 2014
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 25.09.2024
Am 18. September gab dann auch die US-Notenbank ihre Zinsentscheidung bekannt. Die erste Zinssenkung seit viereinhalb Jahren fiel mit einem halben Prozentpunkt hoch aus, was die Kapitalmärkte mit Kursgewinnen quittierten. Im März 2020 hatte die Fed angesichts der Corona-Pandemie zweimal ihren Leitzins gesenkt und dann für zwei Jahre unverändert belassen. In den Jahren 2022 und 2023 folgten 11 Leitzinserhöhungen, um die während der Pandemie entstandene Inflation wieder einzudämmen.
Mit den Leitzinssenkungen war an den Aktienmärkten der Weg zu neuen Rekorden frei, zumal in der letzten Septemberwoche auch die chinesische Zentralbank Maßnahmen ergriff, um die Konjunktur zu stützen. Ziel der People‘s Bank of China (PBoC) ist es vor allem, den schwächelnden Immobilien- und Finanzsektor des Landes zu stabilisieren. Das umfangreiche Maßnahmenpaket umfasst neben Zinssenkungen auch eine Kapitalspritze für die sechs größten Geschäftsbanken des Landes. Zuvor hatten sich die Konjunkturaussichten weiter eingetrübt, was weit über China hinaus Aktien stark belastete.
Auf die Maßnahmen reagierten deshalb nicht nur die chinesischen Aktienmärkte mit einem Freudensprung. In Hongkong schnellte der Hang Seng Index binnen weniger Tage um rund 20 Prozent nach oben. Weltweit verzeichneten die zuvor von ihrem großen China-Geschäft belasteten Unternehmen, darunter Luxusgüter- und Pkw-Hersteller, eine Erholung ihrer Aktienkurse. An der Wallstreet kletterte der Dow Jones Industrial Average erstmals in seiner langen Geschichte über 42.000 Zähler und der S&P-500-Index über 5.700 Punkte. Der Nasdaq-100-Index eroberte zwar die Marke von 20.000 Punkten zurück, erreicht aber sein Rekordhoch aus dem Juli bei 20.690 Zählern nicht.
Der Euro-STOXX-50 überwand erstmals seit Juli wieder die Marke von 5.000 Punkten und näherte sich den bisherigen Jahreshochs bei gut 5.100 Zählern aus den Monaten April und Mai. Der deutsche Aktienindex profitierte stark von den erhofften Konjunkturstimuli in China und erreichte neue Rekordwerte über die Marke von 19.400 Punkten.

S&P-500-Index auf neuem Höhenflug
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 25.09.2024
An den Anleihemärkten überwogen bis Mitte September die Kursgewinne. Die wegweisende Rendite von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, die noch im April in der Spitze über 4,7 Prozent gelegen hatte, fiel bis auf nur 3,6 Prozent.
Während der Ölpreis unter dem Eindruck der schwachen Weltkonjunktur im September auf Mehr-Jahres-Tiefs sank, profitierte der Goldpreis von den fallenden Zinsen.
Nachdem Anleger schon in den vergangenen Monaten das hohe Preisniveau für Gewinnmitnahmen bei ihren Goldinvestments genutzt hatten, ließ das Angebot von dieser Seite zuletzt nach. Der Preis für eine Feinunze Gold kletterte erstmals in ihrer Geschichte über 2.600 US-Dollar.
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