von
Sommese & Kollegen
Strategie
Trends und Märkte
04.08.2024
Während Anleger bei Aktienverlusten oft gelassen bleiben können, führte die gleichzeitige Schwäche bei Anleihen zu erheblichen Problemen für Mischfonds. In diesem Artikel beleuchten wir, wie sich die Rolle der Mischfonds verändert hat und was Anleger beachten sollten.
Bis 2021 erfreuten sich vor allem Mischfonds in Deutschland großer Beliebtheit. Sie galten als bequeme Problemlöser, weil neben der Einzeltitelauswahl die noch wichtigere Asset-Allocation zum Fondsmanagement verlagert wird. Darunter ist die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Arten von Vermögenswerten zu verstehen, vor allem Aktien und Anleihen.
Im Jahr 2022 gerieten diese beiden Asset-Klassen gleichzeitig unter Druck, was den Mischfonds einen Rückschlag bescherte. Bei Aktieninvestments dürften die meisten Anleger mit prozentual zweistelligen Kursverlusten umgehen können. Wenn dies aber gleichzeitig auch bei Anleihen geschieht, stellt das nahezu alle Mischfonds vor Probleme.
So konnten die wenigsten Fonds ihren Anteilswertrückgang auf einstellige Prozentsätze beschränken. Global flexibel anlegende Mischfonds verloren durchschnittlich 12,2 Prozent und konnten im Folgejahr 2023 weniger als die Hälfte davon aufholen. Die mehr auf Aktien ausgerichteten „aggressiven“ Mischfonds hatten 2022 mit 14,4 Prozent im Durchschnitt noch etwas mehr verloren. Hier reichte ein Plus von 10,9 Prozent im Folgejahr nicht aus, die Verluste komplett aufzuholen.
Zwar haben die meisten Mischfonds das gute erste Halbjahr 2024 für eine fortgesetzte Erholung genutzt. Der Durchschnitt der Mischfonds erreichte aber erst Mitte dieses Jahres den Punkt, an dem die Verluste seit Anfang 2022 wieder aufgeholt waren. Durchschnitt heißt auch: Viele Mischfonds haben das noch nicht geschafft. Anleger quittierten dies mit Mittelabflüssen.
Nun mag das gleichzeitig schlechte Abschneiden der zwei großen Asset-Klassen Aktien und Anleihen im Jahr 2022 eine Ausnahme gewesen sein, auszuschließen ist dies aber auch für die Zukunft nicht. Wer heute den gut gefüllten „Gemischtwarenladen“ mit seinem großen Sortiment verschiedener Mischfonds betritt, sollte realistische Erwartungen an das haben, was diese Fonds in Zukunft leisten werden. Aufschlussreich sind dabei weniger die bunten Werbeaussagen als vielmehr die „Zutatenliste“, also der Blick in die Fondsvermögen.
Die Klassiker unter den Mischfonds haben sich am alten 60-40-Rezept orientiert. Eine Aufteilung von 60 Prozent in Aktien und 40 Prozent in Anleihen. Unterstellt man die meist vorherrschende gegenläufige Entwicklung von Aktien und Anleihen, man spricht von negativer Korrelation, bringt diese Kombination ein gutes Verhältnis der Gesamtrendite zu dem dabei eingegangenen Risiko.
Anleihen haben in diesem Mix traditionell die Rolle des stabilisierenden Elements, weil sie nicht nur mit ihren Zinserträgen, sondern auch mit Kursgewinnen den Gesamtwert absichern sollen, wenn es auf der Aktienseite Verluste gibt. Die lange Phase niedriger oder sogar negativer Zinsen nach 2008 hatte die 60-40-Strategie aber ad absurdum geführt. Als 40 Prozent des Fondsvermögens keine Erträge brachten, sondern eher Kursverluste beisteuerten, machte eine solche Aufteilung keinen Sinn mehr.
Im aktuellen Umfeld sollte man diesen klassischen Ansatz dennoch nicht vom Tisch wischen. Flexibilität bei der Asset-Allocation könnte man also durchaus dafür nutzen, sich aktuell wieder mit seinen Quoten am 60-40-Modell zu orientieren. Bei vielen Mischfonds hat die lange Zeit gut begründete Zurückhaltung gegenüber Anleihen allerdings Spuren hinterlassen.
Viele der heutigen Fondsmanager verzichten weiterhin auf Anleihen, nutzen allenfalls Zinspapiere mit eher kurzen Restlaufzeiten als Parkplatz für Liquidität oder legen das Geld gleich am Geldmarkt an. „Momentan haben wir die komfortable Situation, dass wir fürs Warten bezahlt werden“, erklärte dazu jüngst ein Vertreter eines Mischfondsanbieters. Viele Mischfonds sind dadurch eher Aktienfonds mit variabler Barreserve.
Die Timing-Entscheidungen aber, wann man besser eine höhere Barreserve hält und wann man den Investitionsgrad erhöht, fällt auch Fondsmanagern schwer. Dabei ist zwischen zwei verschiedenen Herangehensweisen zu unterscheiden. Zum einen können Investitionsgrad und Cash-Quote als solche bewusst gesteuert werden. Dies geschieht dann entweder als Ergebnis eher volkswirtschaftlicher Betrachtungen, sogenannter Makro-Strategien, oder als Reaktion auf Signale der Kapitalmärkte selbst, beispielsweise bei der Suche nach Trends, die man nutzen kann.
Das Fondsmanagement steuert in diesen Fällen die Asset-Allocation „top down“: Erst wird festgelegt, wie hoch die Quoten sein sollen und dann werden diese gefüllt. Vorteile solcher „top down“ gemanagten Mischfonds sind ihre meist breitere Risikostreuung und die weitgehende Vermeidung von unternehmensspezifischen Risiken.
Allerdings gelang es nur wenigen Makro-Strategien dauerhaft überdurchschnittlich gut abzuschneiden. Richtige Makro-Entscheidungen lassen sich schlechter reproduzieren als richtige Entscheidungen bei der Auswahl einzelner Wertpapiere. Und trendfolgende Strategien liefern in Zeiten mit vielen Trendbrüchen schlechtere Ergebnisse ab. Längerfristig sollten Anleger deshalb Fondsmanager im Auge haben, die durch gutes „Bottom Up“-Management auffallen: Sie suchen einzelne Wertpapiere, deren Chancen auf Kursgewinne im Verhältnis zum Risiko überdurchschnittlich gut erscheinen. Lassen sich viele dieser vermeintlich unterbewerteten Wertpapiere finden, ist im Ergebnis der Investitionsgrad in dieser Asset-Klasse, dieser Branche oder diesem Land hoch.
Mangelt es dagegen an attraktiven Anlagegelegenheiten, ist das Ergebnis tendenziell eine höhere Barreserve. In der Praxis sind deutliche Veränderungen der Aktien-Quote im Zeitablauf bei solchen Fonds eher selten. Manager, die ihre Fonds „bottom up“ lenken, räumen ein, dass Anleger das Durchhaltevermögen für „Phasen der Underperformance“ mitbringen sollten.
Die Analyse zeigt, dass die meisten der sogenannten flexiblen Mischfonds die Gewichtung von Aktien, Anleihen und Barreserve im Zeitablauf wenig ändern. Insbesondere ist die Zahl von Fonds groß, die sich als Mischfonds einstufen, praktisch aber nicht in Anleihen investieren.
Dass die Asset-Allocation meist relativ wenig variiert, hat einen guten Grund. Das Timing für die richtige Gewichtung der Asset-Klassen ist sehr schwierig. Für Anleger hat das immerhin den Vorteil, dass ein Blick in die jeweils zuletzt veröffentlichte Aufstellung des Fondsvermögens aussagekräftiger ist, als es eine zufällige Momentaufnahme bei sich stark verändernden Fonds wäre.
Im Gemischtwarenladen für Mischfonds lohnt sich also der Blick in die jeweilige Zutatenliste.
Quelle
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