von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Leitzins Konjunktur Notenbanken
05.08.2024
Die US-Inflationsrate für den Juni wurde mit 3,0 Prozent veröffentlicht. Und die Kerninflationsrate, bei der die schwankungsanfälligen Posten Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden, sank immerhin auf 3,3 Prozent.
Nachdem der Kampf gegen die Inflation seit Mitte vergangenen Jahres nicht mehr vorangekommen war, bestärkten die jüngsten Daten die Hoffnungen auf eine erste US-Leitzinssenkung, die jetzt mehrheitlich für September erwartet wird. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte ihre Leitzinsen erstmals seit 2019 Anfang Juni gesenkt und beließ sie erwartungsgemäß im Juli unverändert.
Dann wurde den Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahlen im November mehr Aufmerksamkeit zuteil. Mit dem Mordversuch am republikanischen Kandidaten Donald Trump vor laufenden Kameras wurden dessen Aussichten auf eine Rückkehr ins Weiße Haus nochmals höher eingeschätzt. Die Kapitalmärkte rechnen damit, dass seine protektionistische Politik gegen Importe und Migration tendenziell inflationserhöhend wirken würde und den Welthandel belastet. Der Druck auf den amtierenden US-Präsidenten Joe Biden, wegen seines Alters nicht erneut zu kandidieren, nahm zu. Dass Biden nun auf eine erneute Kandidatur verzichtet, wurde von den Kapitalmärkten überwiegend positiv aufgenommen, weil die Chancen höher eingeschätzt werden, einen Sieg des rechtspopulistischen Kandidaten Trump zu verhindern.
Mehrheitlich erreichten die Aktien der »Magnificent Seven«-Konzerne zunächst neue Höchstkurse. Darunter waren Apple, Microsoft, die Google-Holding Alphabet, Amazon und der Social-Media-Konzern Meta Platforms. Zudem waren die oft auf den Heimatmarkt konzentrierten US-Nebenwerte stärker nachgefragt. Der Russell-2000-Index für US-Nebenwerte machte nach einem schwachen ersten Halbjahresplus von nur 1,1 Prozent in der ersten Julihälfte einen Sprung um gut 10 Prozent. Damit erreichte der Nebenwerte-Index den höchsten Stand seit 2021, aber im Gegensatz zu den Standardwerte-Indizes noch keine neuen Rekorde.
Der populäre Dow Jones Industrial Average überwand dagegen erstmals die im März und im Mai getestete Marke von 40.000 Punkten. Der S&P-500-Index kletterte mit 5.669 Zählern bis auf ein neues Rekordhoch und der Nasdaq-100 bis auf 20.690 Punkte. Auf diesem Niveau setzten allerdings Gewinnmitnahmen ein, begleitet von Stimmen, die vor allem bei den Technologie-, Mikrochip- und KI-Aktien ein hohes Bewertungsniveau ausmachen. Zudem drückte ein fehlerhaftes Software-Update des IT-Sicherheitsunternehmens Crowdstrike auf die Märkte, weil es weltweit zu Ausfällen von IT-Systemen kam.
Die europäischen Aktienmärkte setzten im Juli die im April begonnene Seitwärtsbewegung fort. Der Euro-STOXX-50 suchte dabei Unterstützung im Bereich von gut 4.800 Punkten. Der französische Leitindex CAC-40, der im Juni stark unter dem schlechten Abschneiden der liberal-bürgerlichen Partei von Präsident Macron bei den Europawahlen gelitten hatte, stabilisierte sich auf dem Niveau zwischen 7.450 und 7.750 Zählern. Für die französischen Parlamentswahlen überwog die Hoffnung, dass ein noch stärkeres Abschneiden der Rechtspopulisten verhindert werden konnte. Auch der DAX blieb im Juli in der Bandbreite, die im Juni entstanden war.

Euro-STOXX-50 bleibt in Juni-Bandbreite
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 26.07.2024

DAX bleibt in Juni-Bandbreite
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 26.07.2024
In Japan kletterte der Nikkei-Index zunächst kraftvoll auf ein neues Rekordhoch und erreichte 42.427 Indexpunkte. Treiber waren die guten Vorgaben der Wall Street und die Schwäche der japanischen Währung.
Beim Außenwert des Yen kam es im Laufe des Julis zu einem Bruch des steilen Abwärtstrends. In der Spitze hatte man für einen US-Dollar 162 Yen und für einen Euro 175 Yen bezahlt. Im Verlauf des Monats verringerte sich die Relation auf weniger als 154 Yen pro US-Dollar und 168 Yen pro Euro.
Die Aufwertung der eigenen Währung verhinderte einen weiteren Anstieg der japanischen Aktienkurse, weil dies die Rahmenbedingungen für die japanische Exportwirtschaft verschlechtert.
An den chinesischen Aktienbörsen setzte sich die schwächere Tendenz aus dem Vormonat fort. Dass die chinesische Zentralbank ihre Zinsen überraschend senkte, sorgte eher für Verunsicherung als für Unterstützung. Peking hält offenbar geldpolitische Hilfe für die angeschlagene Wirtschaft der Volksrepublik für notwendig. Insbesondere im Fall eines Wahlsiegs von Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen im November erwarten Marktteilnehmer eine Belastung der Handelsbeziehungen. Neben einem Rückzug internationaler Investoren aus chinesischen Werten wurden auch größere Verkäufe von US-Wertpapieren durch China beobachtet.
Der indische Aktienmarkt, der im Juni vom Wahlergebnis profitiert hatte, verlor im Juli an Dynamik, konnte aber im Monatsverlauf ein neues Rekordhoch erreichen. Die Anleihemärkte zeigten sich im Verlauf des Julis weiterhin eher freundlich. Die wegweisende Rendite von US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit sank erstmals seit März wieder unter 4,2 Prozent. Im April waren in der Spitze gut 4,7 Prozent erreicht worden.
Auch an den europäischen Rentenmärkten gab es im Monatsverlauf leichte Kursgewinne. Der Goldpreis kletterte bis Mitte Juli auf ein neues Rekordhoch bei 2.484 US-Dollar pro Unze. Als Käufer traten in den vergangenen Monaten vor allem Notenbanken auf, die sich vom hohen Preisniveau nicht abschrecken ließen. Die Aufstockung der Goldreserven hängt vermutlich mit der Vorbereitung auf härtere Handelskonflikte und geopolitische Spannungen zusammen.
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