von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Konjunktur Globale Märkte
04.02.2023
Tatsächlich nahm die Zahl der Indikatoren für eine solche Entwicklung weiter zu. Die Sorgen aber, der Konjunkturabschwung führe in eine schwere Rezession, wurden kleiner.
Aus der größten und der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, den USA und Japan, kamen Signale für eine robuste Entwicklung. Für die zweitgrößte Volkswirtschaft, China, sollten sich aus der Abkehr von der strengen Lockdown-Politik positive Impulse ergeben.
Und in Europa konnte eine schlimmere Energiekrise trotz des Gaslieferstopps aus Russland verhindert werden. Die milde Witterung und Sparmaßnahmen ließen den Gasverbrauch zurückgehen. Der Höhepunkt der Inflation dürfte 2022 überschritten worden sein.
Die mit Spannung erwarteten US-Inflationszahlen für Dezember entsprachen den vorherrschenden Erwartungen und lieferten deshalb kaum neue Impulse. Im Dezember stiegen die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr um 6,5 Prozent nach 7,1 Prozent im November. Die Kerninflationsrate fiel ebenfalls wie erwartet von 6,0 auf 5,7 Prozent. Die Erwartung, dass der Inflationsdruck nachlassen wird und die Konjunkturabschwächung überschaubar ausfällt, begünstigte den ohnehin jahreszeitlich typischen Zufluss von Geldern in die Aktienmärkte.
Zusammen mit dem zunehmenden Optimismus erwies sich dies in den beiden ersten Wochen des Jahres als fruchtbarer Boden für einen guten Jahresauftakt, sowohl bei Anleihen als auch bei Aktien. Durch Kursgewinne fiel die Rendite von als Maßstab geltenden US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit von 3,88 Prozent am Jahreswechsel bis auf 3,37 Prozent Mitte Januar. Der Bund-Future, der die Kursentwicklung deutscher Bundesanleihen widerspiegelt, stieg von 132,8 auf 140,6 Punkte.
An den Aktienmärkten verzeichneten vor allem die europäischen Aktienindizes höhere Gewinne als US-Aktienindizes. Beispielsweise schaffte der von US-Technologieaktien geprägte Nasdaq-100-Index in der erste Handelswoche des Jahres nur ein Mini-Plus von 0,9 Prozent, während der Euro-STOXX-50 mit plus 5,9 Prozent einen fulminanten Start ins neue Jahr schaffte. Zwar legte der populäre US-Aktienindex Dow Jones Industrial Average in der zweiten Woche die beste Handelswoche seit zwei Monaten hin und auch US-Technologieaktien legten stärker zu, der Euro-STOXX-50 baute seinen Vorsprung aber noch aus.

Dreijahres-Entwicklung des Bloomberg Global Aggregate Bond Indexes
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 26.01.2023

Dreijahres-Entwicklung MSCI World Index
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 26.01.2023
Erst in der dritten Woche des Jahres setzte eine gewisse Ernüchterung ein. In den USA zeigten neueste Daten zur Industrieproduktion und den Einzelhandelsumsätzen, dass die Konjunktur schwächer wird.
Gleichzeitig machten wichtige Vertreter der Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks deutlich, dass sie an ihrem Zinserhöhungskurs festhalten. In den USA zeigte sich das vor allem an Äußerungen von James Bullard von der Federal Reserve of St. Louis. Für die Eurozone gab es entsprechende Äußerungen von EZB-Präsidentin Lagarde. Darauf gab es sowohl an den Anleihe- als auch Aktienmärkten Gewinnmitnahmen.
Die Rendite für US-Staatsanleihen kletterte wieder etwas über 3,5 Prozent und der Bund-Future sackte zeitweilig wieder unter 138 Prozent. Auch die meisten Aktienindizes gaben einen Teil ihrer Gewinne aus den beiden Auftaktwochen des Jahres wieder ab. US-Technologieaktien hielten sich zunächst besser, aber dann enttäuschten die Geschäftsergebnisse und der Ausblick des Software-Riesen Microsoft. Somit konnten europäische Aktienindizes ihren Vorsprung vor den US-Aktienindizes und den globalen Indizes, in denen US-Technologieaktien hohes Gewicht haben, sogar noch ausbauen.
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