von
Sommese & Kollegen
Marktbericht
Krisen Anlageklassen Globale Märkte
04.11.2023
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen erreichte erstmals seit 2007 die Fünf-Prozent-Marke. Italienische Staatstitel mit derselben Laufzeit stiegen sogar über diese Marke – das höchste Niveau seit mehr als zehn Jahren. Deutsche Bundesanleihen rentieren bei zehn Jahren Laufzeit erstmals wieder nahe der Drei-Prozent-Marke.
Zur ohnehin schon gedrückten Stimmung an den Kapitalmärkten kam die Nachricht vom Angriff auf Israel hinzu. Die Angst vor einer Eskalation des Konfliktes ließ den Öl- und den Goldpreis steigen. Schon im September war der Ölpreis auf Jahreshochs von über 90 US-Dollar pro Barrel gestiegen. Eine Gegenbewegung Anfang Oktober bis unter 85 US-Dollar endete mit dem Terrorangriff abrupt, und der Ölpreis kehrte in die Nähe seiner Jahreshochs bei rund 95 US-Dollar zurück.

Nahost-Konflikt lässt Ölpreis steigen
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 25.10.2023
Von der Gemengelage profitierte Gold, das als Krisenmetall gilt. Nachdem im Frühjahr wieder ein Versuch gescheitert war, dauerhaft Preise von mehr als 2.000 US-Dollar pro Unze zu erzielen, war der Goldpreis nach dem Monat Mai in einen leichten Abwärtstrend geraten. Dieser hatte sich in den letzten Septembertagen gerade beschleunigt, als das blutige Aufflammen des Nahost-Konfliktes zum stärksten Goldpreisanstieg seit März führte.
Ähnlich wie zu dieser Zeit stieg der Goldpreis von kaum mehr als 1.800 US-Dollar innerhalb von zwei Wochen bis an die Marke von 2.000 US-Dollar. Oberhalb dieses runden Preises nahm seit 2020 immer das Goldangebot zu, während auf der Käuferseite die Zurückhaltung größer wurde. Ähnlich dem Gold war auch der Silberpreis bis Anfang Oktober auf dem Weg zu seinen Jahrestiefs, als der Terrorangriff einen Preisanstieg auslöste. Mit einem Preis von rund 23 US-Dollar pro Unze steht der »kleine Bruder« des Goldes noch unter seinem Jahreshoch (knapp 26 US-Dollar) aus dem Mai.
Einen Kurssprung machten unter Führung des Bitcoins die meisten Kryptowährungen. Das Umfeld steigender Staatsverschuldung, schwächlicher Konjunkturaussichten und geopolitischer Sorgen mag den Boden für den Anstieg bereitet haben. Auslöser waren schließlich Meldungen, wonach in den USA die Zulassung eines Bitcoin Spot ETFs unmittelbar bevorsteht. Davon wird eine steigende Nachfrage nach der Digitalwährung erwartet. Der Wechselkurs des Bitcoins sprang daraufhin innerhalb von zehn Tagen von rund 27.500 auf bis zu 35.200 US-Dollar – immerhin ein neues Jahreshoch. Allerdings hat die Kryptowährung damit noch nicht einmal die Hälfte ihres Wertverlustes aus dem Jahr 2022 aufgeholt.

Nachfrage nach »sicherem Hafen« Gold steigt
Quelle: Morningstar Direct / DRESCHER & CIE AG / 25.10.2023
Quelle
Die als Leitbörsen geltenden US-Aktienmärkte entfernten sich im Oktober noch weiter von den Ende Juli markierten Jahreshochs. Der S&P-500-Index berührte erstmals seit Anfang Juni die Marke von 4.200 Punkten und damit seinen Durchschnitt der vergangenen 200 Börsentage. Ein weiterer Kursrückgang würde den Eindruck eines übergeordneten Abwärtstrends machen. Danach sieht es an der Nasdaq-Börse noch nicht aus. Zwar befindet sich auch deren Leitindex, der Nasdaq-100, seit August in einem flachen Abwärtstrend, aber die Kursgewinne in den ersten sieben Monaten dieses Jahres waren so hoch, dass das Plus im laufenden Jahr immer noch mehr als 30 Prozent beträgt.
Schlechter sehen die europäischen Aktienmärkte aus. Hier drohen mit den Kursverlusten im Oktober mittelfristige Abwärtstrends. So rutschte der Euro-STOXX-50 mit zeitweilig knapp 4.000 Punkten auf das tiefste Niveau seit März. Der Deutsche Aktienindex DAX hatte schon in der letzten Septemberwoche die Marke von 15.500 Zählern unterschritten und damit die seit April geltende Bandbreite nach unten verlassen. Mit dem Rückgang unter 15.000 Punkte im Oktober hat sich dieser Abwärtstrend fortgesetzt.
Auch der japanische Aktienmarkt konnte das mit den hohen Kursgewinnen bis Juni erreichte Niveau nicht halten. Der Nikkei-225-Index fiel zeitweilig unter 31.000 Punkte zurück – den tiefsten Stand seit Mai. Die japanische Notenbank stemmt sich weiterhin gegen höhere Zinsen und hat überraschend den Kauf von Staatsanleihen angekündigt. Dies soll den Renditeanstieg am Anleihemarkt bremsen.
Auch die japanische Volkswirtschaft zeigt Anzeichen für eine rückläufige wirtschaftliche Aktivität. Schon seit Februar befinden sich die chinesischen Börsen wieder im Abwärtstrend. Der Hang-Seng-Index der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong sank auf neue Jahrestiefs unter 17.000 Punkte.
Quelle
Vermögen
sicher
klug
aufbauen