von
Sommese & Kollegen
Strategie
Anlageklassen Edelmetalle
09.10.2025
Gut 45 US-Dollar pro Unze bedeuten für das laufende Jahr einen Anstieg um 55 Prozent. Und der Platinpreis erhöhte sich gegenüber Jahresbeginn sogar um 69 Prozent auf 1.535 US-Dollar pro Unze.
Angebot und Nachfrage bestimmen die Preise. Auch die Entwicklung der Edelmetallpreise lässt sich in den allermeisten Fällen mit Angebot und Nachfrage erklären, wobei es aber durchaus einzelne Marktteilnehmer mit großem Einfluss gibt. Trotzdem gehört der Glaube, Weltmarktpreise seien das Ergebnis willkürlicher Manipulationen durch Wenige, ins Reich der Verschwörungserzählungen.
Beim Gold haben zwar große staatliche Notenbanken starken Einfluss auf die Preisentwicklung, weil sie große Goldreserven halten. Allerdings treten die großen Notenbanken, beispielsweise die der USA und Chinas, eher als Konkurrenten am Goldmarkt auf, als dass sie gemeinsame Sache machen.
Bei Silber, Platin und Palladium gibt es keine Bestandshalter vergleichbarer Größenordnung. Aufgrund der industriellen Verwendung ist die Nachfrage gänzlich anders strukturiert als bei Gold und eine gewisse Marktmacht ist eher auf der Seite der Produzenten zu vermuten. Insbesondere bei Platin und Palladium gibt es vergleichsweise wenige Minenbetreiber mit hohen Anteilen an der weltweiten Förderung.
Hintergrund für den rasanten Preisanstieg bei diesen Edelmetallen ist eine schon seit Jahren gewachsene Lücke zwischen der Nachfrage und dem Teil des Angebots, der neu von Bergwerken aus der Erde geholt wird. Dieser Nachfrageüberhang konnte zunächst durch Lagerbestände gedeckt werden. Aber mit schrumpfenden Lagerbeständen stiegen die Preise in jüngster Zeit entsprechend. Zwar geht von den gestiegenen Preisen ein Anreiz aus, die Förderung zu erhöhen. Dies erfordert aber in den allermeisten Fällen Zeit und hohe Investitionen. Eine starke Ausweitung der Fördermengen ist kurzfristig nicht zu erwarten.
Inzwischen signalisieren zwar sogenannte markttechnische Indikatoren, dass die steilen Aufwärtstrends der vergangenen Wochen nicht mehr lange durchzuhalten sind. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Preise schnell und stark steigen, denn alle investierten Marktteilnehmer sitzen auf mehr oder weniger hohen Buchgewinnen, was ihre Neigung erhöht, durch Verkäufe Gewinne zu realisieren. Eine sogenannte Konsolidierung, also eine Unterbrechung der Aufwärtsbewegung mit zwischenzeitlichen Preisrückgängen, ist deshalb jederzeit möglich.
Aber wie groß ist die Neigung der Edelmetall-Investoren, ihre Bestände zu verkaufen? Die Mehrheit der Gold- und Silberkäufer dürfte sich durch die Entwicklung eher in den Gründen für ihre Investments bestärkt fühlen. Und denjenigen, die Gewinne mitnehmen wollen, stehen diejenigen gegenüber, die bislang nicht oder nicht im gewünschten Umfang investiert sind. Und das sind viele, wie Zahlen zeigen.
So halten nach von der UBS veröffentlichten Angaben Family-Offices durchschnittlich nur zwei Prozent ihrer Anlageportfolios in Edelmetallen. Gold-ETCs wie der SPDR Gold Trust erlebten in den vergangenen Jahren sogar massive Anteilsrückgaben.
Viele grundsätzlich an Gold interessierte Anleger haben demnach die Rallye der vergangenen Monate aufgrund schlechten Timings verpasst. Und die größten Gold-Aufkäufer waren in den vergangenen Jahren staatliche Notenbanken, die bislang den größten Teil ihrer Währungsreserven in US-Dollar und US-Staatsanleihen hielten.
Es ist kaum anzunehmen, dass sie ihre Politik angesichts der stark steigenden Risiken für den US-Dollar und US-Staatsanleihen ändern werden. Im Gegenteil: Die Länder des globalen Südens haben erst begonnen, von Dollar-Anleihen Richtung Gold umzuschichten.
Zum Anstieg der Edelmetallpreise in den vergangenen Wochen hat die Aussicht auf fallende US-Leitzinsen beigetragen. Wenn die Zinsen niedriger sind, fällt der Verzicht auf Zinseinnahmen, mit denen die Edelmetall-Anlage verbunden ist, leichter. Mit den Dollar-Zinsen sinken auch diese sogenannten Opportunitätskosten für das Halten von Gold und Silber.
Damit ist auch das Thema Inflation verbunden. Wenn der reale Wert einer Papierwährung schwindet, steigt der Goldpreis, denn Edelmetalle sind reale Sachwerte. Kurzfristig mag man sinkende Leitzinsen als Zeichen dafür werten, dass die Konjunktur schwach und die Inflationsgefahren gering sind. Aber die Wirkung einer Leitzinssenkung zielt genau darauf ab. Die Wirtschaft soll belebt werden, indem die Kreditaufnahme billiger wird. Leitzinssenkungen fördern damit nicht nur die wirtschaftliche Aktivität, sondern auch die Inflation.

Goldpreisanstieg auf Rekordhöhen nach stetigem Aufwärtstrend
Quelle: https://www.finanzen.net/rohstoffe/goldpreis#historisch | DRESCHER & CIE AG, 29.09.2025
Schließlich gibt es noch den Zusammenhang mit dem Außenwert von Währungen. Wechselkurse verändern sich in Abhängigkeit der Zinsen der verschiedenen Währungen. Fallende Zinsen machen eine Währung für (Zins-)Anleger weniger attraktiv. Konkret bedeuten die fallenden US-Zinsen, dass der Zinsvorteil, den der US-Dollar gegenüber anderen Währungen, vor allem gegenüber dem Euro, hat, kleiner wird.
Die Zinssenkungen schwächen also den US-Dollar. Im Umfeld der US-Leitzinssenkung fiel der US-Dollar auf den tiefsten Stand seit 2021 und hat seinen Abwärtstrend damit bestätigt. Auch das ist ein Grund dafür, dass die Preise von Edelmetallen in US-Dollar steigen.
Es gibt eine Reihe von Gründen für die Edelmetall-Hausse. Nicht zuletzt die Politik des amtierenden US-Präsidenten spricht dafür, dass Edelmetalle eine sinnvolle Ergänzung für Anlageportfolios bleiben.
Mit Investmentfonds gibt es verschiedene Möglichkeiten, von der Entwicklung bei den Edelmetallen zu profitieren: Fonds können in Edelmetalle selbst oder in die Aktien von Edelmetall-Unternehmen investieren.
Quelle
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