von
Sommese & Kollegen
Strategie
Tech-Aktien Fondsmanagement
08.02.2024
Diese Aktien waren im vergangenen Jahr der größte Werttreiber für die Aktienmärkte. Für Kursfantasie sorgte dabei das Thema Künstliche Intelligenz (KI), weil die großen US-Tech-Konzerne als Erstrundengewinner von KI-Anwendungen gelten.
So stiegen ihre Aktienkurse im vergangenen Jahr um durchschnittlich 78 Prozent. Damit haben diese sieben Aktien mehr als die Hälfte des Anstiegs des S&P-500-Index von 23 Prozent beigesteuert. Ein »S&P-493« ohne diese sieben Aktien hätte nur ein Jahresplus von 11 Prozent verzeichnet. Im Nasdaq-100-Index kommen die Magnificent Seven sogar auf ein Gewicht von rund 40 Prozent.
Doch das Jahr 2022 zeigt, welches Risiko darin liegt. Damals waren die Tech-Aktien stark unter Druck geraten und hatten hohe zweistellige Prozentverluste erlitten. Mit ihrem hohen Gewicht in den Aktienindizes und vielen Portfolios könnten diese Aktien auch in diesem Jahr wegweisend für Aktien-Investments insgesamt werden.
Die Fondsmanager, die weiterhin Investments in Tech-Aktien befürworten, betonen die Notwendigkeit einer differenzierten Bewertung. Während einige der »Magnificent Seven« so gut positioniert sind, dass sie kaum Schwächen zeigen, erscheinen andere angreifbarer. Der Aufschwung der Tech-Aktien dürfte sich nicht mehr für alle Unternehmen in gleichem Maße fortsetzen. Die Technologie-Branche gilt zwar als überdurchschnittlicher Profiteur von Zinssenkungen.
Insbesondere Geschäftsmodelle, deren Cashflows schwerpunktmäßig erst in weiterer Zukunft liegen, sind naturgemäß stärker von der Höhe der Zinsen abhängig. Dies liegt daran, dass Aktienkurse als Barwert der zukünftigen Cashflows verstanden werden können. Liegen die Cashflows erst in der ferneren Zukunft und sind die anzusetzenden Zinsen höher, schrumpft der Barwert.
Umgekehrt sind die zukünftigen Unternehmensgewinne allein dadurch mehr wert, dass die Zinsen fallen. Die für das Jahr 2024 erwarteten Leitzinssenkungen der großen Notenbanken, insbesondere der US-amerikanischen Federal Reserve sollten also Tech-Aktien Auftrieb geben. Allerdings spiegelt die starke Kurserholung im Jahr 2023 die Erwartung fallender Zinsen bereits wider. In diesem Jahr wird es deshalb zunehmend darauf ankommen, welche Unternehmen die hohen Erwartungen an weiteres Wachstum erfüllen können – und welche nicht.
Jüngst fand sich der US-Elektroautomobilbauer Tesla im Lager Letzterer. Obwohl sich der Quartalsgewinn im Jahresvergleich von 3,7 auf 7,9 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelte, reagierte die Börse enttäuscht. Denn Teslas rasantes Wachstum flaut ab. Teslas Umsatz stieg im Jahresvergleich nur um drei Prozent auf 25,17 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit Erlösen von fast 25,9 Milliarden Dollar gerechnet.
Im vergangenen Jahr hatte Tesla das Auslieferungsziel von 1,8 Millionen Elektroautos nur nach mehreren Preissenkungen erreichen können, immerhin ein Plus von 38 Prozent. Früher hatte Firmenchef Elon Musk das Ziel ausgegeben, jedes Jahr um mindestens 50 Prozent zu wachsen. Jetzt gab Tesla keine Prognose mehr für Auslieferungen im laufenden Jahr ab. Von der Ankündigung eines revolutionären neuen Produktionssystems zeigte sich die Börse wenig beeindruckt.
Der Tesla-Aktienkurs stürzte auf den tiefsten Stand seit Mai vergangenen Jahres und bescherte seinen Aktionären allein seit Jahresbeginn einen Verlust von über 26 Prozent. Dennoch zeigt sich ein Teil der Fondsmanager weiter von Tesla überzeugt. Der Konzern werde als Automobilhersteller missverstanden. Es handele sich vielmehr um einen hochinnovativen Technologieentwickler, der auch in anderen Bereichen überzeugen werde.
Geteilt sind die Meinungen der Experten nicht zuletzt bei chinesischen Tech-Aktien. Weitgehende Einigkeit besteht in der Frage der aktuellen wirtschaftlichen Bewertung chinesischer Aktien. Ganz im Gegensatz zu den Magnificent Seven sind sie nach einer inzwischen mehrjährigen Verlustphase insgesamt im Verhältnis zu ihren Umsatzerlösen und insbesondere zu ihren Gewinnen sehr günstig bewertet.
Optimisten verweisen auf zunehmende Anzeichen dafür, dass Peking die Wirtschaft allgemein und den heimischen Aktienmarkt im Speziellen mit geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen stützen will. Zudem hat sich die chinesische Wirtschaft längst von der »Werkbank der Welt« mit billigen Arbeitskräften zu einer hochinnovativen, neue Technologien fördernden Volkswirtschaft gewandelt. In vielen Bereichen seien chinesische Unternehmen bereits jetzt Weltmarktführer oder würden gerade zu ernsthaften Konkurrenten der entsprechenden westlichen Tech-Konzerne aufsteigen. Das sei beispielsweise beim Thema Elektromobilität zu beobachten.
Das Erreichen technologischer Unabhängigkeit in strategisch wichtigen Sektoren gehört zudem zu den Prioritäten der Zentralregierung, sodass in diesen Sektoren mit Unterstützung durch die Politik zu rechnen ist. Dies dürfte beispielsweise für die Halbleiterentwicklung und -produktion gelten.
So haben die USA ein Exportverbot für bestimmte Hochleistungschips gegen China verhängt, weil diese Hochtechnologie auch in die massiven Aufrüstungsprogramme Chinas einfließt. Gerade diese geopolitischen Aspekte veranlassen viele Investoren ungeachtet der günstigen Bewertung zur Zurückhaltung gegenüber Investitionen in China. Das zunehmend aggressive Auftreten gegenüber Staaten wie den Philippinen oder Taiwan wird zusammen mit vielen anderen ökonomischen Maßnahmen, wie der Aufstockung der Goldreserven, dem Abbau von Beständen in US-Staatsanleihen oder der gesetzlichen Möglichkeit, Auslandsinvestoren zu enteignen, als Vorbereitung eines Krieges gesehen.
Die meisten Fondsmanager, die chinesische Tech-Aktien mit Hinweis auf die sehr günstige Bewertung in ihren Depots halten, begrenzen vor allem wegen dieser Risiken ihr Engagement. Die Bestandsaufnahme in den ersten Wochen des Jahres zeigt, dass Aktieninvestments besonders in diesem Jahr einer fortlaufenden aktiven Beobachtung bedürfen. Den Chancen auf weitere Wertzuwächse stehen Risiken gegenüber.
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